Zum Corona-Überblick: Alle Zahlen zu SARS-CoV-2 in Deutschland
Aus Angst vor möglichen Konsequenzen trauen sich viele Informanten nicht, sich zu melden. Foto: Jan-Philipp Strobel/dpa
© Jan-Philipp Strobel/dpa

Wir schützen unsere Quellen Sie haben heikle Informationen? Sprechen Sie!

Journalisten brauchen inoffizielle Quellen. Doch oft trauen sich Informanten nicht, zu sprechen. Zu Unrecht, appelliert unsere Autorin, denn es gibt Quellenschutz.

Eine entfernte Bekannte meldete sich kürzlich auf meinem Handy, es entwickelte sich folgender Dialog: „Sie sind doch bei der Presse, wollen Sie Informationen über unhaltbare Zustände im Gesundheitsamt?“ – „Klar!“ – „Also, meine Freundin arbeitet da, die könnte Ihnen was erzählen!“ – „Gerne, geben Sie ihr ruhig meine Nummer.“ – „Aber die traut sich nicht. Hat wohl Angst vor Ärger.“ – „Braucht sie nicht zu haben, wir schützen unsere Quellen.“

„Also wie funktioniert das?“ – „Naja, ich mache es am liebsten so: Wir sprechen erst mal völlig frei. Dann gehen wir alles noch mal durch und schauen uns jede einzelne Tatsache an: Wer weiß davon? Wenn das nur wenige Leute sind, wenn also erkennbar würde, wo die Information herkam, dann schreiben wir es nicht. Oder wir sehen zu, dass der Kreis der Wissenden sich erst mal vergrößert.“

„Kann meine Bekannte anonym bleiben?“ – „Nach außen ja, aber ich muss natürlich wissen, mit wem ich zu tun habe. Ich werde den Namen niemandem verraten, auch nicht Kollegen oder meinen Chefs.“ – „Auch nicht Ihren Chefs?“ – „Auch nicht meinen Chefs. Und vor Gericht habe ich ein Zeugnisverweigerungsrecht.“ – „Gut, ich sage das alles meiner Freundin.“

[Wenn Sie alle aktuellen Nachrichten live auf Ihr Handy haben wollen, empfehlen wir Ihnen unsere runderneuerte App, die Sie hier für Apple- und Android-Geräte herunterladen können.]

Bis heute hat sie nicht angerufen. Dabei zeigt gerade der nebenstehende Fall des Lichtenberger Pflegeheims: Um Missstände aufzudecken, Fehlentwicklungen frühzeitig zu bemerken, Heimlichtuerei offizieller Stellen zu entlarven, brauchen wir Journalisten möglichst viele inoffizielle Quellen, die wir nutzen können, denn die Pressestellen gehen mit dem, was schiefläuft, natürlich nicht hausieren.

Nicht jeder Informant muss gleich ein zweites Watergate auslösen oder ein zweiter Edward Snowden sein. Auch kleinere Missstände aufzudecken, kann im öffentlichen Interesse sein. Zur Einhaltung der Grundsätze der Wahrhaftigkeit, Sorgfalt und zur Wahrung des Berufsgeheimnisses haben wir uns verpflichtet. Also: Sprechen Sie! Informantenschutz wird zugesichert.

Zur Startseite