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Beim CSD haben Zehntausende Menschen unter anderem gegen Homophobie demonstriert (Symbolbild von der Parade). Foto: imago/ Emanuele Contini
© imago/ Emanuele Contini

Update „Wir lassen uns davon nicht unterkriegen“ 21-Jähriger bei homophober Attacke nach dem Berliner CSD schwer verletzt

Mehrere Angreifer haben einen jungen Mann brutal zusammengeschlagen, der eine Regenbogenfahne dabei hatte. Ein Freund schildert die Tat.

Eigentlich wollten Janluca W. und seine Freunde nur eine entspannte Zeit beim CSD verbringen. Doch der Abend endete im Krankenhaus, wo W. nach einem homophoben Angriff am Sonntag operiert werden musste.

Die Gruppe war am Samstag extra aus Hessen angereist, um bei der Parade zum Christopher Street Day mitzulaufen. Danach setzten sie sich in den James-Simon-Park in Mitte, um noch etwas zu trinken. Die Stimmung dort war entspannt, friedlich, sagt sein bester Freund Leon R. am Telefon.

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Gegen Mitternacht, so erzählt es R., läuft der 21-jährige W. zusammen mit drei anderen durch die kleine Unterführung Richtung Späti, um Getränke zu holen. W. ist der Hinterste der Gruppe, aus seinem Rucksack ragt eine Regenbogenflagge mit SPD-Logo. Auf einmal tritt ihn jemand völlig unvermittelt von hinten in den Hüftbereich. Als W. sich daraufhin umdreht, um den Angreifer zur Rede zu stellen, bekommt er einen Faustschlag ins Gesicht.

Der Angriff kommt aus einer Gruppe von vier oder fünf Leuten, die W. nach dem Schlag noch die Regenbogenfahne aus dem Rucksack ziehen, sie auf den Boden werfen und drauftreten. Dann rennen sie weg. Wie der oder die Täter aussehen, können die Angegriffenen nicht erkennen. Alles sei so schnell gegangen. Derjenige, der zugeschlagen hat, sei circa 1,75 groß und habe ein weißes T-Shirt getragen, sagt R. "Südländisches Aussehen, auch wenn das eine blöde Bezeichnung ist."

Die Freunde und herbei geeilte Helfer versuchen mehrfach, den Notruf zu wählen – vergeblich. Sie wenden sich an Bundespolizisten, die sich im nah gelegenen Bahnhof Hackescher Markt aufhalten und rufen einen Krankenwagen. Rettungssanitäter bringen W. schließlich in die Charité, wo er geröntgt wird. Die Diagnose: doppelter Kieferbruch, möglicherweise irreparable Schäden.

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Am nächsten Morgen wird W. operiert, bekommt 18 Schrauben und zwei Titanplatten eingesetzt. "Er ist jetzt wieder ansprechbar, aber sieht aus wie ein aufgeblasener Ballon", sagt R.

Dass der Täter geschnappt wird, glaubt er nicht. An der Stelle gebe es nirgends Kameras, aus der Freundesgruppe könne niemand eine genaue Beschreibung der Person abgeben. Janluca W. hat Anzeige gegen Unbekannt erstattet. Laut einer Pressemitteilung, die die Polizei Berlin am Sonntag herausgegeben hat, ermittelt der Polizeiliche Staatsschutz wegen schwerer Körperverletzung.

Weitere homophobe Attacken rund um den CSD

Der Angriff auf Janluca W. war nicht die einzige homophobe Attacke, die sich rund um den CSD in Berlin ereignet hat. In Schöneberg sollen der Polizei zufolge am Viktoria-Luise-Platz drei ehemalige Teilnehmende des Christopher-Street-Days – eine 48 Jahre alte Frau sowie ein 39 und ein 51 Jahre alter Mann – aus einer größeren Gruppe heraus körperlich angegriffen und teilweise homophob beleidigt worden sein.

Alle drei wurden leicht verletzt. Die Tatverdächtigen wurden von der Polizei im U-Bahnhof Viktoria-Luise-Platz gestellt. Im Rahmen der Festnahmen verletzten laut Polizei ein 22-jähriger Tatverdächtiger und ein 18-Jähriger zwei Polizisten. Auch in diesen beiden Fällen ermittelt der Staatsschutz.

R. und W., die beide kommunalpolitisch in der SPD engagiert sind, haben ihren Vorfall bereits in den sozialen Medien geteilt. Dort zeigen viele Menschen Anteilnahme – unter anderem der bekannte Berliner Comedian Daniel Ryan Spaulding. Und R. sagt gegenüber dem Tagesspiegel: "Wir lassen uns davon nicht unterkriegen. Nächstes Jahr werden wir wieder nach Berlin zum CSD kommen, das ist schon beschlossen."

Reaktionen von Hilfsorganisationen

"Wir sind schockiert über die homophoben Gewalttaten am Wochenende des CSD", schreibt die Berliner Antigewaltprojekt L-Support. Es sei wichtig, dass lesbische, bisexuelle und queere Frauen bei der Bewältigung solcher Ereignisse nicht allein gelassen werden (Hotline: 030/45961865).

Tief betroffen zeigt sich auch die schwule Berliner Hilfsorganisation Maneo: "Was hier Menschen angetan wurde, nur weil sie schwul, lesbisch, bisexuell, trans oder inter sind, muss öffentlich scharf verurteilt werden", schreibt Lala Süsskind aus dem Maneo-Beirat. Man sei irritiert über die Sprachlosigkeit des politischen Berlins zu den Vorfällen. Die Maneo-Hotline für schwule Betroffene von Hasskriminalität ist zu erreichen unter: 030/2163336.

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