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In Zehlendorf lassen es sich auch die Füchse gutgehen. Foto: privat
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Wenn wilde Tiere Berlin zurückerobern „Stadtfüchse liegen gern auf gepolsterten Gartenmöbeln“

Ein wildes Tier auf der Sonnenliege? Das verwunderte einen Gartenbesitzer aus Zehlendorf sehr. Der Nabu findet das ganz normal.

Gerade wollte er mit einer Tasse Kaffee in den Garten gehen, sich auf die Liege setzen – doch die war schon besetzt: Entspannt ausgestreckt schlummerte dort in der Sonne auf dem weichen Polster ein stattlicher Fuchs. „Und selbst als ich näher kam, hat er keine Anstalten gemacht, aufzustehen“, sagt der Anwohner aus Steglitz-Zehlendorf. „Ich hatte das Gefühl, dass ich ihn störe und nicht andersherum.“

Erst nach entschlossenem Auftreten des Mannes ließ der Fuchs sich vertreiben – kehrte aber prompt am nächsten Tag, Mittwochvormittag, zurück auf den gemütlichen Liegeplatz. Die Gartenbesitzer sind verblüfft. „Früher ist immer mal ein Fuchs durch den Garten geschlichen – aber dass die sich jetzt hier die besten Plätze suchen, das haben wir noch nicht erlebt.“

Auch wer das Foto anschaut, das die Anwohner vom Fuchs auf der Gartenliege gemacht haben, reagiert zumeist überrascht. Mit einem Wildtier, das sich verhält wie eine Hauskatze, rechnen viele nicht. 

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Katrin Koch dagegen findet den Fuchs auf der Sonnenliege „ganz normal“. Koch ist Wildtierberaterin des Naturschutzbunds Berlin (Nabu). Am „Wildtiertelefon“, einer Beratungshotline des Nabu und der Jagdbehörde für Berliner, hört sie viel über Fuchs-Begegnungen.

„Unsere Stadtfüchse sind frech und dreist“

Unsere Stadtfüchse sind frech und dreist, sie liegen gern erhöht auf gepolsterten Gartenmöbeln oder Hollywoodschaukeln, schleppen Schuhe weg oder Spielzeug.“ Und zu einem gemütlichen Platz wie der Sonnenliege kehrten sie immer wieder zurück. Kochs Rat: Polster reinholen, Gartenmöbel ankippen, den Fuchs entschlossen verjagen.

Und auf keinen Fall füttern, was auch nach Landesjagdrecht verboten sei. Wie viele Füchse es in Berlin gebe, wisse keiner, sagt Koch. Schätzungen besagen, dass es zwischen 5000 und 10.000 sein könnten. Klar sei aber, so Koch, dass sie flächendeckend in allen Bezirken lebten. Angst vor dem Menschen habe sie kaum. „Sie haben gelernt: Berlin ist befriedeter Bereich, hier werde ich nicht beschossen.“

Laut Sophia Kimmig, die am Leibniz-Institut für Zoo- und Wildtierforschung (IZW) zur urbanen Wildtierökologie forscht, hat sich diese Erkenntnis beim anpassungsfähigen Berliner Stadtfuchs sogar im Erbgut verankert. In einem Projekt hat Kimmig nachgewiesen, dass sich Berliner Stadt- und Brandenburger Landfüchse genetisch unterscheiden – und deshalb ihren Lebensraum kaum verlassen.

Dem Gartenbesitzer also wird der Fuchs wohl erhalten bleiben, „aber wir stellen ihm jetzt die Liege weg“.

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