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Teilnehmer der ´Black Lives Matter»-Demonstration ziehen mit einem Schild durch Berlin. Fabian Sommer/dpa
© Fabian Sommer/dpa

Update Weitgehend friedlicher Demo-Samstag in Berlin Fast 2000 Menschen protestieren gegen Rassismus

Anima Müller

In Berlin fanden am Samstag mehrere Demos statt. Neben der „Black Lives Matter"-Bewegung demonstrierte auch Attila Hildmann. 600 Polizeibeamte waren im Einsatz.

Am Samstag fanden wieder zahlreiche Demonstrationen im Berliner Stadtgebiet statt. Insgesamt verliefen die Veranstaltungen weitestgehend friedlich, sagte eine Sprecherin der Berliner Polizei dem Tagesspiegel am Abend. Tagsüber waren 600 Beamte im Einsatz – unter anderem, da am Abend auch das DFB-Pokalfinale zwischen dem FC Bayern München und Bayer Leverkusen im Olympiastadion stattfand. Am Abend waren es noch 200 Beamte, die rund um das Olympiastadion und die Fankneipen unterwegs waren.

Etwa 1800 Menschen demonstrierten auf der Demo „Nein zu Rassismus". Die Veranstaltung der „Black Lives Matter"-Bewegung war vom Gendarmenmarkt aus in Richtung Siegessäule unterwegs. An der Siegessäule fand eine Abschlusskundgebung statt, zu einer Zwischenkundgebung kam es auf der Straße des 17. Juni.

Die Polizei betonte, die Versammlungsleiterin habe darauf geachtet, dass Abstände eingehalten und Mund-Nasen-Bedeckungen getragen wurden.

Gegen 16.30 Uhr endete die Demonstration an der Siegessäule. Laut Polizei blieb es bis zum Ende weitgehend friedlich. Allerdings hätten Beamte drei Anzeigen wegen Sachbeschädigung ausgestellt, außerdem sei es zu einer Ordnungswidrigkeit gekommen, da gegen das Hygienekonzept verstoßen worden sei.

Außerdem bemerkten die Beamten eine Drohne, die über der Demo kreiste – der Eigentümer sei ausfindig gemacht und überprüft worden, ein krimineller Hintergrund sei nicht festgestellt worden. Der Drohnenpilot erhalte allerdings eine Anzeige wegen eines Verstoßes gegen das Luftverkehrsgesetz.

Am Platz der Luftbrücke in Tempelhof fand eine Kundgebung statt, die sich gegen Polizeigewalt positionierte. Vor der US-Botschaft am Pariser Platz kam es außerdem zu einer Kundgebung, die die Freilassung des Schwarzen US-amerikanischen Autoren Mumia Abu-Jamal forderte. Dieser wurde in Zusammenhang mit der Ermordung eines weißen Polizisten zum Tode verurteilt. Die Demo, an der etwa 100 Menschen teilnahmen, war vom Hermannplatz in Neukölln aus mit einem Fahrradkorso gestartet. Sie war gegen 18 Uhr zu Ende.

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Hildmann mit Autokorso unterwegs

Unterwegs war auch ein Autokorso des Vegan-Kochs Attila Hildmann, der zuletzt mit antisemitischen und verschwörungsideologischen Aussagen auffiel. Der Korso mit etwa 50 Autos war um 13 Uhr an der Messe Berlin gestartet, gegen 15 Uhr kam er am Washingtonplatz am Hauptbahnhof an, wo eine Abschlusskundgebung statttfand. Beobachter sprachen von etwa 100 Menschen, die daran teilnahmen. Ursprünglich sollte die Kundgebung vor dem Alten Museum am Lustgarten stattfinden.

Bereits im Vorhinein hatten Mitarbeiter des Museums ein Banner aufgehängt, das die Aufschrift „Für Weltoffenheit und demokratische Werte – Gegen Rassismus, Antisemitismus, Nationalismus und Hetze" trug. Auch demonstrierten Mitarbeitende vor dem Museum.

Die Polizei berichtete am Nachmittag, dass sie an den Leiter der Versammlung herangetreten sei, da Abstandsregeln nicht eingehalten worden seien.

Außerdem ermittelten die Beamten in zwei Fällen wegen wechselseitiger Beleidigungen, sagte die Polizeisprecherin. Gegen 16 Uhr war die Kundgebung beendet.

Rangelei bei „Volkslehrer"-Demo

Vor dem Bundeskanzleramt hatten sich außerdem etwa 150 Menschen auf einer Kundgebung um den sogenannten „Volkslehrer“ Nikolai N. versammelt, das Motto lautete „Für Deutsche Kultur in Deutschland“. Der ehemalige Grundschullehrer wurde durch die Veröffentlichung rechtsextremer und antisemitischer Youtube-Videos bekannt. Auf der Veranstaltung sei es zu einer Rangelei gekommen, sagte die Polizeisprecherin.

Die Polizei stellte eine Strafanzeige wegen Beleidigung aus, außerdem registrierte sie drei Ordnungswidrigkeiten wegen fehlender Mindestabstände. Zwei Mal sei gegen das Versammlungsgesetz verstoßen worden, da Teilnehmende verbotene Gegenstände mit sich geführt hätten. Gegen 18 Uhr sei auch diese Veranstaltung beendet gewesen.

Am Alexanderplatz demonstrierten Menschen unter dem Motto „Freedom Parade". Dort sollten Zeitschriften der Vereinigung „Demokratischer Widerstand" verteilt werden, die zuletzt die sogenannten „Hygiene-Demos" veranstaltete.

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