Achtung Kinder (Symbolbild). Foto: imago images/McPHOTO
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Wegen "Lärm" und "grölender Gören" Anonymer Briefeschreiber bedroht Kinder in Westend

Vergiften oder Entführen: In der Siedlung Eichkamp in Charlottenburg-Wilmersdorf haben Anwohner einen Hassbrief mit Drohungen bekommen.

Einen anonymen Hass- und Drohbrief haben Anwohner der Siedlung Eichkamp wegen spielender Kinder erhalten – und mit einer Unterschriftensammlung für das Familienleben im Kiez reagiert. Der unbekannte Nachbar beschwerte sich über „grölende Gören“, die sich auf dem Kiefernweg und angrenzenden Straßen vergnügten. Der Lärm gehe ihm „gewaltig auf die Nerven“. Der Absender drohte sogar damit, Kinder zu vergiften oder zu entführen. Bücher eines „bekannten Horror-Krimi-Autors“ lieferten ausführliche Anregungen, stand in den Briefen, die per Post bei Bewohnern der Häuser am Kiefernweg eingingen.

Und weiter: „Seid gewarnt, ich scherze nicht. Vielleicht habt ihr den seit Tagen verstreuten Süßkram bemerkt? Nein? Dann fragt Eure Kinder! Was dann in nächster Zeit folgen könnte, solltet ihr lieber nicht herausfordern...!“

In einer rassistischen Tirade bezeichnete der Schreiber eine Mutter als „südamerikanische Gebärmaschine“. Als „asoziale Schwachköpfe“ wurden Anwohner beleidigt, die angeblich mit Heimwerker- und Gartenarbeiten in Ruhezeiten zum Lärm beitragen.

Schreiber war womöglich ein aggressiver Rentner

Auf die Spur des Schreibers könnte ein Polizeieinsatz führen. Ein Spezialeinsatzkommando (SEK) stürmte am vorigen Sonntag die Wohnung eines 72-Jährigen am Zikadenweg, der sich mit Nachbarn wegen nächtlichen Lärms durch eine Gartenparty gestritten hatte. Der betrunkene Rentner verletzte einen der Gäste leicht mit einem Messer und drohte mit einer Schusswaffe. In seiner Wohnung fanden Beamte eine Schreckschusspistole, ein Fleischermesser und eine Machete.

Wegen „geäußerter Suizidabsichten“ sei er nach der Festnahme in eine Klinik gebracht worden, teilte die Polizei mit.

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Die Polizei ermittelt nach Anzeigen

Ein möglicher Zusammenhang mit den Briefen liegt buchstäblich nahe: Der Zikadenweg kreuzt den Kiefernweg. In diesem Teil der Siedlung gebe es nicht viele Leute, die sich aggressiv über Lärm beschwerten, sagt Anwohnerin Felicitas Schirow.

Auch der Stil der Schreiben deute auf einen verbitterten alten Mann hin, findet Schirow.

Ein Polizeisprecher sagte, dass nach Anzeigen von Bürgern auch wegen der Briefe ermittelt wird.

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