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Der Mittelstreifen der Tauentzienstraße war blau-weiß. Dann kam das Ordnungsamt. Foto: Cay Dobberke
© Cay Dobberke

Wegen 60.000 Fahnen in Berlin Hertha droht wegen stadtweiter Marketing-Aktion ein Nachspiel mit dem Ordnungsamt

Kurz vor dem Derby gegen Union Berlin verteilte Hertha zehntausende Fahnen in der Stadt. Nun gibt es Ärger mit den Behörden.

Eine Marketing-Aktion von Fußball-Bundesligist Hertha BSC geht womöglich nach hinten los. Kurz vor dem Hauptstadtderby am Freitag gegen Union Berlin wollten die Hertha-Verantwortlichen für etwas Stimmung in der Stadt sorgen. Da wegen der Corona-Pandemie derzeit keine Zuschauer in den Fußball-Stadien erlaubt sind, hatten sich die Herthaner etwas anderes ausgedacht.

In der Nacht zu Dienstag wurden in der ganzen Stadt rund 60.000 blau-weiße Hertha-Fähnchen an Straßen und Plätzen angebracht. Mehr als 100 Personen seien an der Aktion in allen zwölf Bezirken beteiligt gewesen, sagt Herthas Medien- und Kommunikationschef Marcus Jung.

Ob am Olivaer Platz in Ku'damm-Nähe, am Bierpinsel in Steglitz oder in den östlichen Bezirken auf Union-Territorium - die Fahnen der Hertha wehten am frühen Morgen. "Wir wollen die ganze Stadt für uns gewinnen", sagte Jung.

Tatsächlich hat sich der Verein aber nicht nur Freunde mit der Aktion gemacht. Wie der Ordnungsstadtrat aus Charlottenburg-Wilmersdorf, Arne Herz (CDU), dem Tagesspiegel bestätigte, wurde inzwischen ein Ordnungswidrigkeitsverfahren eingeleitet. Die Aktion sei nicht genehmigt gewesen.

"Meine Mitarbeiter haben allein in zwei Stunden in der Mittagszeit rund 500 Fahnen eingesammelt", sagte Herz. Er hält die Aktion für etwas voreilig, weil sie viel Müll produziere und im schlimmsten Fall eine Gefahr für den Straßenverkehr darstellen könnte.

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"Ich verstehe, dass man in Zeiten, wo Fans nicht ins Stadion können, kreativ werden will", sagte Herz weiter. Er hätte es aber sinnvoller gefunden, dass man in einer Pandemie das Geld eher für einen guten Zweck spende.

Herz selbst sieht die Angelegenheit professionell, er sei kein "Fußball-Enthusiast", nur bei den Spielen der Nationalmannschaft fiebere er mit. Ihm gehe es um das Prinzip: "Wenn wir heute bei Hertha nichts machen, dann kommt nächste Woche vielleicht Coca Cola und will seinen Weihnachtstruck aufstellen", sagte Herz. Er habe deshalb Kontakt zum Verein aufgenommen und ein Ordnungswidrigkeitsverfahren eingeleitet.

Hertha wollte Flaggen wieder aufräumen

Hertha bestätigte der Deutschen Presseagentur den Vorgang, man stehe im Kontakt mit den Behörden: "Es war uns von Anfang bewusst, für die Entsorgung der Flaggen verantwortlich zu sein, sollten die Fans nicht alle Flaggen mitnehmen", sagte Jung.

Ihren Anfang hatte die Aktion bereits in der Partie gegen Borussia Dortmund genommen. Bei der 2:5-Niederlage trugen die Herthaner ein Trikot mit der Vereinsflagge und dem Spruch "Wo die Fahnen blau-weiß weh'n" auf der Brust. Unter diesem Motto wurden auch die Fahnen in der Stadt aufgestellt.

Berlins Innen- und Sportsenator Andreas Geisel (SPD), ein bekennender Union-Fan, wollte sich nicht zum Thema äußern. "Wir müssen nicht alles kommentieren", sagte sein Sprecher. Berichte, dass die Berliner Polizei ebenfalls Fahnen eingesammelt habe, konnte er nicht bestätigen. Man freue sich auf das Derby am Freitag.

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