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Wasser marsch! Am Brunnen am Viktoria-Luise-Platz in Schöneberg soll das Wasser wieder sprudeln. Foto: Thilo Rückeis
© Thilo Rückeis

Wasserspiele werden trotz Corona in Betrieb genommen Berlins Brunnen sollen wieder sprudeln

In den kommenden Wochen sollen rund 145 Brunnen in Berlin wieder in Betrieb gehen. Das Baden darin ist verboten – nicht nur wegen des Coronavirus.

Der Sommer naht, es wird wärmer. Doch auf liebgewonnene Möglichkeiten zur Erfrischung müssen Berliner vorerst verzichten: Freibäder bleiben noch bis zum 25. Mai geschlossen, öffentliche Trinkbrunnen abgedreht. Nach Abstimmung mit dem Senat werden die Berliner Wasserbetriebe (BWB) nun jedoch zumindest die rund 145 Wasserspiele der Hauptstadt in Betrieb nehmen.

„Wir haben uns dazu entschlossen, da wir das Risiko von Menschenansammlungen nicht für größer als auf anderen öffentlichen Plätzen erachten“, teilt Pressesprecher Stephan Natz auf Tagesspiegel-Anfrage mit. Das kommunale Unternehmen liefert nicht nur das notwendige Wasser, sondern ist auch in sieben Bezirken für Betrieb und Wartung der Anlagen zuständig.

„In den kommenden zwei, drei Wochen werden wir zunächst die kleinen, dann die großen Anlagen anstellen“, sagt Natz. Wie jedes Jahr soll es auch eine Eröffnungsfeier zum offiziellen Start der Brunnensaison geben. Wann, unter welchen Schutzvorkehrungen und an welchem Brunnen diese stattfinde, werde gerade erörtert.

Wie gefährlich ist das Baden im Wasserspiel? Spätestens bei sommerlichen Temperaturen – 2019 lag der Hitzerekord Ende Juni bei 38,4 Grad – dürfte die Versuchung für viele Berliner groß sein, sich im nächsten Wasserspiel ihres Kiezes zu erfrischen.

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Ob unter dem Wasserfall des Viktoriaparks, am sogenannten Wasserklops des Breitscheidplatzes oder im Brunnen der Generationen am Helene-Weigel-Platz – überall sah man in den vergangenen Jahren an heißen Tagen planschende und tobende Kinder mit neonfarbenen Wasserspritzpistolen. Erwachsene begnügten sich etwas dezenter mit einem Fußbad am Rand.

Baden ist eine Ordnungswidrigkeit

Und dieses Jahr? Was geht noch in Zeiten des Corona-Virus ohne sich oder seine Mitmenschen zu gefährden? Zumindest aus rechtlicher Sicht ist die Lage eindeutig – und dass war sie auch schon bevor die Pandemie das öffentliche Leben auf den Kopf gestellt hat. Denn die meisten Berliner Brunnen befinden sich in öffentlichen Grünanlagen und laut des Berliner Grünanlagengesetzes begeht man beim Baden in diesen eine Ordnungswidrigkeit. Bisher schien das allerdings weder die Badegäste noch das Ordnungsamt sonderlich zu stören.

Auch der Brunnen am Herman-Ehlers-Platz in Steglitz soll wieder in Betrieb gehen. Foto: Mike Wolff Vergrößern
Auch der Brunnen am Herman-Ehlers-Platz in Steglitz soll wieder in Betrieb gehen. © Mike Wolff

Doch wie steht es um die Wasserqualität in den Berliner Wasserspielen? Noch einmal Stephan Natz von den Berliner Wasserbetrieben: „Obwohl zwar Leitungswasser eingespeist wird, haben Zierbrunnen keine Trinkwasserqualität.“ Denn einmal im Brunnen zirkuliert das Nass oft über Tage oder Wochen – und alle möglichen Hinterlassenschaften der Badegäste, ob sie nun zwei oder vier Beine haben, mit ihm.

Besondere Hygienemaßnahmen, beispielsweise der Zusatz von Chlor, würden nicht getroffen, denn Springbrunnen seien eben keine Badestellen. Wer hier badet, tut dies also auf eigenes Risiko.

Bisher sind allerdings nur wenige Erkrankungen durch Springbrunnen bekannt. Und wenn, dann wurden diese durch Bakterien wie beispielsweise Legionellen verursacht. Diese kommen in fast jedem Oberflächenwasser wie Seen, Flüssen oder eben auch Brunnen vor. Doch erst wenn sie sich bei optimalen Temperaturen zwischen 30 und 45 Grad stark vermehren, werden sie zu einer Gesundheitsgefahr.

Viren können das nicht. Denn im Gegensatz zu Bakterien haben sie keinen eigenen Stoffwechsel und benötigen zur Vermehrung eine Wirtszelle. Sollten also Coronaviren durch infizierte Badegäste in das Brunnenwasser gelangen, so würden diese so stark verdünnt, dass vermutlich kein Infektionsrisiko bestehe, heißt es von der Deutschen Gesellschaft für Hygiene und Mikrobiologie (DGHM).

Diese Einschätzung deckt sich mit Angaben der Weltgesundheitsorganisation, nach denen es keine Hinweise auf eine Übertragung des Virus über den Wasserweg gebe. „Die Gefahr beim Planschen in Springbrunnen geht eher vom zwischenmenschlichen Kontakt zwischen den spielenden Kindern aus“, sagt ein Sprecher der DGHM. Daher seien auch beim Planschen die Abstandsregel von mindestens 1,5 Metern sowie die Hust- und Niesetikette zu beachten. Zudem sollten Menschen mit Erkältungssymptomen oder Durchfallerkrankungen grundsätzlich nicht baden, um andere nicht zu gefährden.

Im Falle von größeren Badegewässern hält das Umweltbundesamt einen Eintrag von Coronaviren durch Abwässer oder infizierte Badende für denkbar. Ob eine Ansteckung über Seewasser möglich ist, sei zwar nicht abschließend geklärt – die Wahrscheinlichkeit einer Infektion aber aufgrund der Verdünnung im Wasser „äußerst gering“.

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Berlins Wasserspielplätze, so genannte Planschen, bleiben dagegen vorerst geschlossen. Zumindest solange, bis das Kontaktverbot so weit gelockert werde, dass die Bäder-Betriebe wieder öffnen dürfen, sagt BWB-Pressesprecher Natz. Planschen wie am Boxhagener Platz, im Plänterwald oder Monbijou-Park sind eine legale und vor allem hygienische Alternative zum Springbrunnen.

Eine Liste der Berliner Planschen und Wasserspielplätze findet sich online hier. Und besonders lohnenswerte Planschen stellt der Tagesspiegel vor.

Sie sind in den Sommermonaten Juni bis August ab einer Tagestemperatur von 23 Grad und in der Regel in der Zeit von 10 bis 18 Uhr geöffnet. Auf vielen Spielplätzen finden sich zudem Wasserpumpen. Diese eignen sich nicht nur hervorragend, um bei der nächsten Dürre ein Stadtbäumchen zu wässern – sondern auch für eine kalte Kopfdusche.

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