Kindern die Angst vor Wasser nehmen. Foto: Patrick Pleul / dpa
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Wassergewöhnung für Grundschüler Neuköllner Projekt verringert Zahl der Nichtschwimmer massiv

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Der "Neuköllner Schwimmbär" hat im Bezirk die Zahl der Nichtschwimmer im Grundschulalter stark gesenkt. Jetzt soll das Projekt in anderen Bezirken starten.

Manchmal braucht es gar nicht so viel, um große Veränderungen zu erreichen. Man muss es nur machen. Der „Neuköllner Schwimmbär“, ein Wassergewöhnungsprojekt für Zweitklässler, ist so eine Sache. Seit das Projekt 2015 von der damaligen Bezirksbürgermeisterin Franziska Giffey (SPD) ins Leben gerufen wurde, sanken die Nichtschwimmerquoten bei den Drittklässlern im Bezirk von 40 Prozent auf aktuell 22 Prozent.

Jetzt geht der Schwimmbär in die nächste Runde – und soll bald auch außerhalb Neuköllns Kindern das Schwimmenlernen erleichtern. Noch vor den Sommerferien sollen Kurse für zwölf Schulen im Kombibad Seestraße in Wedding stattfinden. Das teilten der Verein „Neuköllner Schwimmbär“ und die Senatsbildungsverwaltung mit. Weitere Standorte sind im Gespräch.

Fünf Tage Wassergewöhnung machen einen großen Unterschied

Beim Schwimmbär geht es im Grunde um eine Woche Wassergewöhnung für Zweitklässler – aber diese fünf Tage im Wasser machen offenbar einen großen Unterschied. Denn in der dritten Klasse, wenn regulär in allen Grundschulen Schwimmunterricht auf dem Stundenplan steht, hatten vorher viele Kinder noch keine oder nur wenig Erfahrung im Schwimmbad oder im See gesammelt.

Sie hatten Angst oder Hemmungen, und weil allein die Gewöhnung ans Wasser viel Zeit brauchte, klappte es am Ende mit dem Schwimmenlernen nicht. „In den letzten drei Jahren haben über 4000 Kinder der zweiten Klassen aus 25 Neuköllner Grundschulen am Projekt teilgenommen. Der Erfolg gibt uns recht“, sagte die Neuköllner Schul- und Sportstadträtin Karin Korte (SPD) am Freitag im Kombibad Gropiusstadt, wo gerade die erste Projektwoche der neuen Runde zu Ende ging. Franziska Giffey, mittlerweile Bundesfamilienministerin, bleibt Schirmherrin des Schwimmbärs.

In der Kurswoche gehen Schwimmtrainer mit den Kindern gemeinsam ins Wasser und üben mit ihnen Grundfertigkeiten wie Atmen, Gleiten, Springen und Tauchen. Es soll den Kindern vor allem Spaß machen, sich im Wasser zu bewegen, und sie sollen sich dabei sicher fühlen.

Zum Abschluss bekommen die Kinder eine Belohnung, eine Urkunde und ein Abzeichen. „Es ist immer wieder schön zu sehen, mit wie viel Spaß die Kinder am Ende der Woche ins Wasser hüpfen. Auch die, die am ersten Tag noch Angst hatten“, erzählt Schwimmtrainerin Nicole Hilarius.

Bedarf ist auch in anderen Bezirken vorhanden

Finanziert wird der Schwimmbär aus Mitteln des Bonusprogramms, des Bezirks, durch Elternbeiträge und Spenden. Auch die Senatsbildungsverwaltung unterstützt das Projekt seit diesem Jahr finanziell. Die Bäderbetriebe stellen vergünstigt Wasserflächen zur Verfügung.

Der Bedarf für ein solches Projekt ist auch in anderen Bezirken vorhanden. Nach Angaben der Senatsbildungsverwaltung liegt die Nichtschwimmerquote in Berlin bei rund 18 Prozent. Eine berlinweite Statistik für das Schuljahr 2017/18 zu den Nichtschwimmerquoten hatte die Bildungsverwaltung für Februar 2018 angekündigt, sie liegt aber noch nicht vor.

Die letzte verfügbare Statistik bezieht sich auf das Schuljahr 2014/15, demnach gab es nach Neukölln (mit 31 Prozent, im Jahr 2012/13 waren es 40 Prozent) die meisten Nichtschwimmer in Mitte (26,5 Prozent), Spandau (24,6 Prozent), Reinickendorf (24 Prozent) und Friedrichshain-Kreuzberg (23 Prozent). Die niedrigsten Werte hatten Pankow (9,7 Prozent), Marzahn-Hellersdorf (10,8 Prozent), Treptow-Köpenick (11,3 Prozent) und Steglitz-Zehlendorf (11,5 Prozent).

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