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Tagesspiegel-Autorin Nantke Garrelts trainiert an der Seilbahnanlage für Wasserski und Wakeboard auf dem Ruhlesee. Foto: Kitty Kleist-Heinrich
© Kitty Kleist-Heinrich

Wasser statt Schnee Achtung, Kurve! Auf Wasserskiern durch Brandenburg

Das Seil eingehakt und dann kann es losgehen: Unsere Autorin fährt das erste Mal Wasserski. Ein Erfahrungsbericht.

Rein in die Arbeitskleidung, Neoprenanzug über den Badeanzug. Das Arbeitsgerät: Wasserski. Auf der Schneepiste bin ich gut, auf Wasser Anfängerin. Auf dem Ruhlesee bei „Wake and Camp“ im brandenburgischen Marienwerder mache ich einen Kurs. Erste Lektion: tiefe Hocke. Als eine der Ersten der Neulinge sitze ich mit Wasserskiern an den Füßen auf dem Plastikteppich an der Rampe und warte, dass Coach Mirko Haney mein Seil einhakt.

Nicht an ein Boot, an eine Mischung aus Skilift und Überlandleitung. Metallgerüste ragen aus dem Wasser. Mein Seil kommt an eine Schiene, am anderen Ende hänge ich. Oh Gott, gleich ist es so weit. Ich tue, was mir geraten wird: Oberschenkelmuskeln anspannen, Arme gestreckt nach vorne, mitziehen lassen.

Das Gemeine am Start ist, ich muss mich direkt in eine Rechtskurve lehnen, um auf die Bahn zu kommen, muss schnell entscheiden, ob ich scharf nach rechts und zwischen den Hindernissen entlangfahre oder mich links an ihnen vorbeiziehen lasse. Lieber dran vorbei. Die erste Linkskurve gelingt überraschend gut. Aber ich bleibe besser unten hocken, das erlaubt mehr Kontrolle.

Jetzt Oberkörper eindrehen, nach links lehnen – so geht es leicht durch die Kurve. Achtung, zweite Kurve! Diese Stelle wird in der nächsten Stunde mein Feind sein. Bestimmt fünf Mal reißt mich der Ruck beim Richtungswechsel von den Brettern. Wenigstens stehe ich irgendwann beim Losfahren – bis eben zu dieser verdammten Kurve.

„Dieser Sport wird nie langweilig“

Ich habe mich im zweistündigen Kursus für zwei Bretter statt einem Wakeboard entschieden. Das lernt man schneller, dachte ich mir. Im Schnee sind mir Ski ja auch lieber als das Snowboard. Der Vorteil auf dem Wasser: Es ist nachgiebiger als festgedrückter Schnee. Trainer Mirko, 31, will mir erzählen, man werde irgendwann süchtig nach Wakeboarden, nach dem „Flow“.

Mein Seil kommt an eine Schiene, am anderen Ende hänge ich. Oh Gott, gleich ist es so weit. Ich tue, was mir geraten wird: Foto: Kitty Kleist-Heinrich Vergrößern
Mein Seil kommt an eine Schiene, am anderen Ende hänge ich. Oh Gott, gleich ist es so weit. Ich tue, was mir geraten wird: © Kitty Kleist-Heinrich

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Manche Stammgäste müssten im Sommer auch schon mal gebeten werden, die Anlage zu verlassen und Platz für andere zu machen. „Dieser Sport wird nie langweilig. Selbst wenn man seit Jahren fährt, sieht man auf einmal einen anderen, der viel krassere Tricks beherrscht, und dann merkt man: Ich bin erst bei 20 oder 30 Prozent.“ Zehn würden mir gerade auch schon reichen...

Wasser ist nachgiebiger als festgedrückter Schnee Foto: Kitty Kleist-Heinrich Vergrößern
Wasser ist nachgiebiger als festgedrückter Schnee © Kitty Kleist-Heinrich

Die Anlage ist für uns Anfänger gedrosselt und beschleunigt nur auf 25 Stundenkilometer, 30 wären Normaltempo. Das hört sich nach wenig an, aber ich gerate nach einer Weile in einen Geschwindigkeitsrausch wie bei einer alpinen Abfahrt. Nach dem Start habe ich Spaß, nur wenn die Angstkurve kommt, verkrampfe ich.

Jetzt muss es doch mal klappen!

„Frühzeitig die Ski nach links drehen“, sagt Mirko. Ja klar, aber wie soll das gehen? Zack, wieder werde ich zur Seite gerissen, knalle aufs Wasser, muss mit den Brettern durch den halben See zurückschwimmen. Mann, ist das anstrengend! Aber jetzt, verdammt, es muss doch mal klappen! Ich gleite auf die Kurve zu, lehne mich deutlich nach links.

Dieser Text steht auch in unserem Brandenburg-Heft für 2020. Es kostet 9,80 und ist in jedem handverlesenen Kiosk zu finden. Foto: Tsp Vergrößern
Dieser Text steht auch in unserem Brandenburg-Heft für 2020. Es kostet 9,80 und ist in jedem handverlesenen Kiosk zu finden. © Tsp

Als die Leine sich kurz lockert, bin ich vorbereitet: Mit ausgestreckten Armen, den Blick nach links auf die nächste Gerade gerichtet, die Skispitzen ebenso, erwarte ich den Ruck – und: bleibe stehen! An der Aussteigestelle vor dem Steg lasse ich den Griff los und gehe langsam unter – freudig lachend.

Wake and Camp (Marienwerder, Biesenthaler Chaussee 25) hat unter Einhaltung von Hygieneregeln geöffnet. Tickets sollte man im Voraus buchen unter wake-and-camp.de – eine Stunde kostet für Erwachsene 20 Euro. Der Einsteigerkurs (40 Euro) findet sonntags von 10 bis 12 Uhr statt. Es gibt auch ein Restaurant mit Holzterrasse direkt am See. Zur Anlage gehört ein Campingplatz im Wald mit Beachvolleyballfeld. Man trifft gemütliche Dauercamper und junge Leute.

Mehr Wasserski-Anlagen: Im Kreis Teltow-Fläming gibt es die Wakeboard- und Wasserski-Anlage Großbeeren (Bahnhofstraße 49, wakeboarding-berlin.de) sowie den Wasserskipark Zossen (Zossen/OT Horstfelde, Schünower Straße 19, wasserskipark-zossen.de). Im Kreis Oberhavel kann man bei Wet & Wild (Velten, Am Bernsteinsee 1, wakeboard-berlin.de) aufs Wakeboard oder die Wasserskier steigen.

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