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So funktionieren die Nachbarschaftsportale

Ich merke, wie ich jeden Straßenzug mit anderen Augen zu sehen beginne. Neue Bezugspunkte überall – es wirkt. Foto: Kai-Uwe Heinrich
Was Nachbarschaftsportale über den Kiez erzählen Liebling, ich habe die Stadt geschrumpft

Der deutsche Marktführer Nebenan.de wurde 2015 von fünf Berlinern gestartet. Heute zählt das Netzwerk in Berlin 170.000 Nutzer, insgesamt sind es 1,2 Millionen. Vorreiter Nextdoor aus den USA unterhält seit 2017 eine deutsche Seite und weist international mehr als 15 Millionen aktive Mitglieder aus.

Teilen, tauschen, verleihen, verschenken, helfen, verabreden: All das wollen die Betreiber fördern. Wer keinen Zugangscode besitzt, muss – etwa mit einem Fotos des Personalausweises – nachweisen, dass er in der Nachbarschaft wohnt. Die begrenzt sich online in der Regel auf einen Radius von einem Kilometer. Innerhalb dieses Umfelds kann man Mitglieder mit Vor- und Nachnamen einsehen. Darüber hinaus werden Beiträge angrenzender Nachbarschaften angezeigt, bei denen der Nachname der Nutzer auf den Anfangsbuchstaben abgekürzt wird.

Typische Themen: Jemand bittet um Empfehlungen für einen Hausarzt, eine Putzfrau oder sucht eine Wohnung. Über jeden neuen Diskussionsbeitrag werden die Mitglieder per E-Mail informiert. Das lässt sich aber abschalten.

Bislang ist die Mitgliedschaft kostenlos, der Medienkonzern Axel Springer hat in Nextdoor investiert, Nebenan.de wird von Burda und dem Investor Lakestar finanziert. Wie Facebook verdient Nextdoor Geld, indem es Chats analysiert und vermeintlich passende Anzeigen einspeist. Auch bei Nebenan.de können neuerdings lokale Gewerbe inserieren – allerdings ohne, dass personenbezogene Nutzerdaten gesammelt werden, wie die Betreiber betonen. Sie werben damit, als einzige Nachbarschaftsplattform nach den Vorschriften des deutschen und europäischen Datenschutzrechtes zu handeln. Gemeinnützigen Organisationen, Städten und Kommunen stehen die Angebot ebenfalls offen.

Mit Mitte 40 ist das Durchschnittsalter merklich höher als in anderen sozialen Netzwerken. Außergewöhnlich häufig greifen einer Studie der unabhängigen Politikberatung Adelphi zufolge zudem Alleinstehende und Menschen mit eingeschränkter Mobilität darauf zurück. Zu den Top-Themen in den Foren gehört auch Sicherheit. In Amerika werden bei Nextdoor immer wieder auffällige Personen gemeldet, an denen das einzig „Auffällige“ ihre Hautfarbe ist.

Neben Nebenan.de und Nextdoor.de gibt es Webseiten mit ähnlichen Ansätzen wie Nachbarschaft.net oder Lokalportal.de, das sich auf ländlicher geprägte Orte konzentriert. Polly & Bob ruft zu Veranstaltungen wie Hinterhofflohmärkten auf. Weitere Anbieter wie WirNachbarn.com und Allenachbarn.net haben inzwischen abgeschaltet.

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