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Alex ist die vierte von links. Bildrechte: ProSieben/Richard Hübner
© Bildrechte: ProSieben/Richard Hübner

Was macht die FAMILIE? Trans, schwul, schwarz - kein Thema wird ausgelassen

Wer Teenager hat, kann sich vor Diskussionen nicht drücken. Hier prallen Welten aufeinander. Die letzte Familienkolumne unserer Autorin

In einen Shitstorm kann man leicht geraten, nicht nur auf Twitter, auch im Wohnzimmer. Kürzlich schauten die Kinder „Germany’s Next Topmodel“. Ich lehne diese Sendung ab, halte mich aber meist in der Nähe auf, und so kam es, dass ich eine männliche Stimme hörte, der Blick auf den Fernsehschirm aber ergab, dass nur Frauen zu sehen waren.

„Wo ist er denn?“, fragte ich. „Sie!!“ kam es zurück. „Das ist Alex!“ – „Ah, ist er trans?“ fragte ich. „SIE!! Sie ist trans! Und Du gehst jetzt besser weg, Mama, Du bist transphob und wir wollen das mit Dir nicht gucken.“ – „Das ist aber auch mein Wohnzimmer“, wandte ich ein, argumentativ schwach und zudem ohne Zurückweisung der Unterstellung. Binnen Sekunden war ich persona non grata.

Miteinander reden - so nötig und so heikel

Alex ist die Favoritin meiner Tochter. Ich sagte: „Sollte dir die Idee kommen, dein Geschlecht ändern zu wollen, sage ich dir schon jetzt: Ich würde nicht zustimmen.“ – „Waas?! Wenn ich 18 bin, kann ich machen, was ich will!“ – „Genau, zum Glück bist du aber erst 13!“

Trans sein ist derzeit nämlich irgendwie cool. Die Abstimmung zu einer Veränderung des Transsexuellengesetzes habe ich nur am Rande verfolgt. Meine Befürchtung ist, dass Kinder mit 14 die Tragweite einer solchen Entscheidung nicht überblicken würden. Auf TikTok bekommt jeder, der diskriminiert wird, eine Menge Empathie und Zuspruch. Das tut gut und kann eine Verlockung für Jugendliche sein, die sonst nicht die Aufmerksamkeit bekommen. Ich habe Sorge, dass viele Kinder dadurch auf Ideen kommen, die ihnen am Ende mehr schaden als nutzen. Deswegen habe ich diese klare Ansage gemacht.

Einfach nur geliebt werden

Dabei hatte alles eigentlich gut angefangen. Der Zwölfjährige hatte, während er ins Zocken an der PS4 versunken war, ganz beiläufig gefragt: „Mama, hättest du mich weniger lieb, wenn ich schwul wäre?“, und ich hatte gesagt: „Quatsch“. Damit war das Thema erstmal erledigt. „Bist du denn schwul?“, hatte ich nach einer kurzen Pause gefragt, und er hatte geantwortet: „Keine Ahnung“, und so blieb es im Raum stehen. In seinem Gesicht meinte ich Zufriedenheit zu erkennen. In einem Klima von Akzeptanz und Toleranz ist kein Drama nötig, hatte ich gedacht, ebenfalls zufrieden.

Von einem Shitstorm in den nächsten

Während ich also mit meiner eigenen Toleranz zu kämpfen habe, gewinne ich den Eindruck, bei den Kindern dominieren gar nicht Akzeptanz und Toleranz, sondern Indifferenz.

Sie hängen nonstop an ihren Geräten, wollen in Ruhe gelassen werden und sich komatös und hypnotisiert von TikTok die Hirne durchwaschen lassen, und nur manchmal, wenn ich auf einer gemeinsamen Mahlzeit ohne Handys bestehe, öffnen sich kleine Fenster in ihre Wirklichkeit. Der nächste Shitstorm ist hierbei nie weit weg. „Black Lives Matter oder All Lives matter?“, frage ich zum Beispiel. „Natürlich Black Lives Matter!“, wird mir entgegengedonnert. „Echt Mama, wo mattert denn dein Leben bitte?“ und „All lives matter ist voll anmaßend!“

Ich erzähle etwas über die Geschichte der amerikanischen Verfassung und über die Gleichheit aller vor dem Gesetz in Deutschland und welche Errungenschaft das ist. Aber keiner hört mir zu.

Dies war die letzte Kolumne der Autorin, die an dieser Stelle viele Jahre über ihr Familienleben geschrieben hat.

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