Was bekannte Berliner als Erstes nach der Corona-Krise planen Montage: Tagesspiegel, Fotos: imago, dpa, promo
© Montage: Tagesspiegel, Fotos: imago, dpa, promo

Was bekannte Berliner als Erstes nach Corona planen „Wir werden das Leben feiern, dass es nur so kracht“

Mit den Enkeln spielen, die Mutter umarmen, ins Konzert gehen oder ein Fest feiern - das planen bekannte Berlinerinnen und Berliner nach der Coronakrise.

Der Tagesspiegel haben bekannte Berlinerinnen und Berliner gefragt, was sie als Erstes nach Corona planen und worauf sie sich am meisten freuen. Hier sind die Antworten.

Freut sich auf die Enkel. Liedermacher Reinhard Mey Foto: imago images/Photopress Müller Vergrößern
Freut sich auf die Enkel. Liedermacher Reinhard Mey © imago images/Photopress Müller

Reinhard Mey, Liedermacher

Wenn die Quarantäne vorbei ist, werden wir unsere Kinder und Enkel zu einem unbeschwerten Fest bei uns zu Hause einladen. Wir werden uns umarmen und lachen und essen und trinken und das Leben feiern, dass es nur so kracht. Die spontanen Besuche der Kinder bei uns oder unsere bei ihnen, die Nähe, den liebevollen Würgegriff meines Enkels und „die kleine fettige Pranke" meiner Enkelin auf meinem Knie habe ich als Einziges sehr vermisst.

[Verfolgen Sie alle neuen Entwicklungen zum Coronavirus in unserem Liveblogs zum Virus weltweit und zum Virus in Berlin.]

Mit Freunden treffen. Bezirksbürgermeisterin von Friedrichshain-Kreuzberg Monika Herrmann. Foto: Jörg Carstensen/dpa Vergrößern
Mit Freunden treffen. Bezirksbürgermeisterin von Friedrichshain-Kreuzberg Monika Herrmann. © Jörg Carstensen/dpa

Monika Herrmann (Grüne), Bezirksbürgermeisterin von Friedrichshain-Kreuzberg

Was ich mache? Mich mit unseren engsten Freund*innen zu Hause treffen. Gemeinsam kochen, essen und trinken. Und wieder ins Theater gehen. Für mich als Bürgermeisterin wird dann wahrscheinlich sehr schnell die face-to-face parlamentarische Arbeit wieder beginnen. Also nichts Aufregendes.

Zwei Meter Abstand. Eckhart von Hirschhausen will zurück auf die Bühne. Foto: Jürgen Heinrich/Imago Vergrößern
Zwei Meter Abstand. Eckhart von Hirschhausen will zurück auf die Bühne. © Jürgen Heinrich/Imago

Eckart von Hirschhausen, Arzt und Entertainer
Nach Corona gehe ich offline und zurück live auf die Bühne. Wir werden wiederentdecken, dass Theater, Kabarett und Konzerte unverzichtbar sind, für Künstler und Publikum gleichermaßen. In einem Raum voller lachender, lauschender und lebendiger Menschen entstehen Resonanzen, die nie zu digitalisieren sein werden. Für die Griechen saß die Seele im Zwerchfell. Und sich kitzeln kann man halt nicht mit zwei Metern Abstand.

[Behalten Sie den Überblick: Corona in Ihrem Kiez. In unseren Tagesspiegel-Bezirksnewslettern berichten wir über die Krise und die Auswirkungen auf Ihren Bezirk. Kostenlos und kompakt: leute.tagesspiegel.de]

Ab in den Schrebergarten. Berlins Staatssekretärin für Bürgerschaftliches Engagement und Internationales, Sawsan Chebli (SPD). Foto: picture alliance/dpa Vergrößern
Ab in den Schrebergarten. Berlins Staatssekretärin für Bürgerschaftliches Engagement und Internationales, Sawsan Chebli (SPD). © picture alliance/dpa

Sawsan Chebli, Staatssekretärin
Das Erste, was ich mache, wenn der Wahnsinn vorbei ist: die selbstgebastelten Masken, die Handschuhe und dass Desinfektionsmittel so zu verstauen, dass ich mir ganz viel Mühe geben muss, sie wieder zu finden. Sie stehen symptomatisch für eine Zeit, die - trotz der grandiosen Solidarität in der Zivilgesellschaft- sehr viel Leid gebracht hat für viele Menschen auf der Welt. Eine andere Sache, auf die ich mich freue und zu den ersten Dingen gehört: Meine Mutter von zu Hause abholen und mit ihr in den Schrebergarten meines Bruders fahren, wo wir gemeinsam grillen, chillen und aufs Leben mit nicht alkoholischem Sekt anstoßen. Warum: Mit dem Schrebergarten verbinde ich Liebe und den Segen, eine tolle Familie zu haben.

Mutter und Freunde besuchen. Kulturstaatsministerin Monika Grütters (CDU).  Foto: Christoph Soeder/dpa Vergrößern
Mutter und Freunde besuchen. Kulturstaatsministerin Monika Grütters (CDU).  © Christoph Soeder/dpa

Monika Grütters, Kulturstaatsministerin

Ich warte sehnlichst darauf, mit meiner Mutter, meiner Familie und meinem Freundeskreis wieder ganz unbefangen und ohne Angst vor einer Ansteckung zusammen sein zu können. Diese natürliche Nähe zu lieben Menschen fehlt mir in der aktuellen Krise am allermeisten. Und natürlich wird dazu dann auch der gemeinsame Besuch eines Konzerts, einer Ausstellung oder einer Theatervorstellung gehören.“

[Berlin steht still - genug Ideen, was man machen kann, gibt es trotzdem. Im Tagesspiegel-Newsletter Checkpoint finden Sie jeden Morgen Tipps für die Zuhause-Bleib-Zeit. Jetzt kostenlos abonnieren: checkpoint.tagesspiegel.de]

Es wird eine lange Zeit "mit" Corona geben. Bernd Schmidt, Intendant des Friedrichstadt-Palasts. Foto: imago/Olaf Wagner Vergrößern
Es wird eine lange Zeit "mit" Corona geben. Bernd Schmidt, Intendant des Friedrichstadt-Palasts. © imago/Olaf Wagner

Bernd Schmidt, Intendant des Friedrichstadt-Palastes

„Nach Corona“ wird es nicht geben. Es gibt erst mal lange Zeit „mit Corona“, aber irgendwann wird es seinen Schrecken verlieren. Ich nehme es, wie es kommt. Ich werde vor Rührung eine Träne im Knopfloch haben, wenn ich das erste Mal wieder in ein Museum kann. Ich vermisse die Kultur und wir alle werden das in Zukunft mehr zu würdigen wissen: nichts ist selbstverständlich. Das Erste, was ich mache? Dankbar sein.

Die Sensualität der Stimme. Elsa Dreisig sagt von sich: „Ich bin Opernsängerin, seit ich fünf war“. Foto: Olafur Steinar Gestsson/promo Vergrößern
Will wieder singen. Elsa Dreisig, Sopranistin an der Staatsoper. ©  Olafur Steinar Gestsson/promo

Elsa Dreisig, Sopranistin

Meine Antwort ist sicher nicht überraschend: Als erstes möchte ich wieder singen! Ich kann es kaum erwarten wieder zur Probe zu gehen, freue mich auf die Atmosphäre des Opernhauses und darauf auf der Bühne zu stehen und diese unglaubliche Energie zu spüren, die man vom Singen, vom Schauspiel, von den Kollegen und natürlich vom Publikum zurückbekommt!

[Der Tagesspiegel will kleineren Unternehmen in der Krise helfen: Nutzen Sie die Situation zur Digitalisierung. Wir helfen Ihnen dabei, online zu gehen: Mit uns gibt es die eigene Website in 48 Stunden - kostenlosen und unkompliziert.Alle Infos gibt es hier. Anmeldung unter:digitalhelfer.tagesspiegel.de]

Als Erst ins Konzert gehen. Violinist Michael Barenboim. Foto: Marcus Höhne/promo Vergrößern
Als Erst ins Konzert gehen. Violinist Michael Barenboim. © Marcus Höhne/promo

Michael Barenboim, Violinist
Nach Corona ist das Allererste: ein Konzert besuchen! Und auch eines spielen. Das fehlt uns Musikern schon sehr. Kontakt mit dem Publikum ist das Schönste, wie man jetzt merkt. Und worauf ich mich auch besonders freue: mit Freunden, mit der Familie in unsere Lieblingsrestaurants zu gehen. Wie schön und besonders das ist, merkt man natürlich jetzt umso mehr. Ich freue mich darauf!

Die Pianistin Elena Bashkirova: "Die Sehnsucht nach meinem Publikum ist sehr groß!" Foto: Vergrößern
Die Pianistin Elena Bashkirova: "Die Sehnsucht nach meinem Publikum ist sehr groß!"

Elena Bashkirova, Pianistin
Die Sehnsucht nach meinem Publikum ist sehr groß! Ich fiebere dem Tag entgegen, an dem ich wieder in einem Konzertsaal auftreten kann. Die Energie, die Stimmung, die beim Musizieren entsteht, ist durch nichts zu ersetzen. Das gilt auch für meinen ersten Besuch in der Oper. Dort bin ich zwar „nur“ Zuschauer, aber ich vermisse alles und alle daran schmerzlich. Aber am allermeisten freue ich mich auf den Tag, an dem ich all meine Freunde und meine Familie wiedersehen kann. Und das, ohne auf eine Anzahl- oder Abstandsregel zu achten! Wir werden uns frei wie die Vögel fühlen und ein großes Fest mit allen feiern!

Interaktive Karte

Hintergründe zum Coronavirus:

Will wieder Nachbarn treffen. Sebastian Czaja, FDP-Fraktionschef im Berliner Abgeordnetenhaus. Foto: Britta Pedersen/dpa Vergrößern
Will wieder Nachbarn treffen. Sebastian Czaja, FDP-Fraktionschef im Berliner Abgeordnetenhaus. © Britta Pedersen/dpa

Sebastian Czaja, FDP-Fraktionschef
Wir wohnen mit unseren Nachbarn in einer tollen Hausgemeinschaft und haben uns vor Corona relativ regelmäßig auf ein Glas Wein oder auch mal zum Abendessen getroffen. Das ist aktuell ja leider nicht möglich, insbesondere vor dem Hintergrund, dass unsere Nachbarn um die 80 Jahre alt sind und damit leider zur Risikogruppe gehören. Auch für unsere 3-jährige Tochter ist es schwer zu verstehen, warum wir die Nachbarin derzeit nicht, wie sonst fast täglich, auf ein Glas Milch und Kekse besuchen können. Auf diese Wiedersehen und ein bisschen mehr „Alltag“ freuen wir uns alle schon sehr.

Hofft auf baldigen Weiterdreh. Schauspielerin Aylin Tezel würde gern an der Serie "Unbroken" weiterarbeiten. Foto: Future Image/Imago Vergrößern
Hofft auf baldigen Weiterdreh. Schauspielerin Aylin Tezel würde gern an der Serie "Unbroken" weiterarbeiten. © Future Image/Imago

Aylin Tezel, Schauspielerin
Am meisten freue ich mich darauf, wenn ich meine Eltern, meine Geschwister und meine Freunde wieder umarmen darf. Außerdem freu ich mich darauf meine Miniserie „Unbroken“ weiter zu drehen, weil ich das Spielen sehr vermisse.

Will wieder loslaufen. Jürgen Lock, der Geschäftsführer des SCC, der den Berlin-Marathon veranstaltet. Foto: Thomas Lebie/Imago Vergrößern
Will wieder loslaufen. Jürgen Lock, der Geschäftsführer des SCC, der den Berlin-Marathon veranstaltet. © Thomas Lebie/Imago

Jürgen Lock, SCC-Geschäftsführer
Wenn das alles vorbei ist, werde ich erst einmal in einem Restaurant richtig gut essen gehen. Danach werde ich mit meinen Mitarbeitern wieder voll angreifen. Ich möchte wieder Veranstaltungen organisieren, an der Startlinie stehen und glückliche Läufer sehen.

Danach das Leben feiern. Franziska Keßler, künstlerische Leiterin des Tipi und der Bar jeder Vernunft. Foto: Anthea Schaap/Imago Vergrößern
Danach das Leben feiern. Franziska Keßler, künstlerische Leiterin des Tipi und der Bar jeder Vernunft. © Anthea Schaap/Imago

Franziska Keßler, Künstlerische Leitung Tipi am Kanzleramt & Bar jeder Vernunft
Wenn die Theater endlich wieder öffnen dürfen, stelle ich mir ein großes Fest mit all unseren Künstlern vor, bei dem wir zusammen das Leben und die Kunst feiern, mit vielen Lieblingsliedern und vielleicht auch all dem, was in der Zwangspause neu erfunden wurde... einen langen Abend der Kreativität, der großen Stimmen und Geister, bei dem auch die seelischen und leiblichen Genüsse nicht zu kurz kommen. Leben braucht Kunst, und Kunst braucht Leben: Vive La Vie!

Rein in die wieder offenen Cafés. Sänger, Autor und Schauspieler Klaus Hoffmann. Foto: Willi Schewski/Imago Vergrößern
Rein in die wieder offenen Cafés. Sänger, Autor und Schauspieler Klaus Hoffmann. © Willi Schewski/Imago

Klaus Hoffmann, Sänger
Die Stadt genießen. Freunde treffen, raus aus der Isolation und in die offenen Cafés. Endlich wieder unter Menschen sein. Und natürlich Kultur, Kinos und Theater tanken, einkaufen gehen, Geld ausgeben, die Stoppschilder im Kopf gegen Leben eintauschen. Und mich auf die ausgefallenen Gigs freuen, die wir hoffentlich nachholen können. Auf die Leute, auf ihr Lachen, auf Brel in der Bar jeder Vernunft. Das würd‘ ich tun, nach Corona, aber das ist ein weites Feld...

Möchte zurück zum Publikum. Sängerin Angelika Milster. Foto: Sven Simon/imago Vergrößern
Möchte zurück zum Publikum. Sängerin Angelika Milster. © Sven Simon/imago

Angelika Milster, Sängerin
Wieder singen. Weil ich meinen Beruf liebe.

Gutscheine verputzen. Dieter Kosslick, früherer Berlinale-Chef. Foto: Jens Kalaene/dpa Vergrößern
Gutscheine verputzen. Dieter Kosslick, früherer Berlinale-Chef. © Jens Kalaene/dpa

Dieter Kosslick, früherer Berlinale-Chef
Als erstes gehe ich in meine Lieblingsrestaurants zum Essen. Wir haben einige Gutscheine gekauft, und die werden dann verputzt. Und dann gehe ich mit Freunden, denen ich Eintrittskarten gekauft und geschenkt habe, zu C/O Fotokunst schauen. 

Ab in die Berge. Schauspielerin Alexandra Kamp. Foto: Future Image/Imago Vergrößern
Ab in die Berge. Schauspielerin Alexandra Kamp. © Future Image/Imago

Alexandra Kamp, Schauspielerin
Ich werde als Erstens in die Berge wandern. Warum? Weil ich mittlerweile 4 Wochen nicht draußen war. Noch nicht einmal spazieren! Weil ich das „Wir bleiben zu Hause“-Motto sehr ernst nehme.

Freut sich auf die Kollegen. Matthias Schulz, Intendant der Staasoper. Foto: Foto: T. Bartilla/Future Image/Imago Vergrößern
Freut sich auf die Kollegen. Matthias Schulz, Intendant der Staasoper. © Foto: T. Bartilla/Future Image/Imago

Matthias Schulz, Intendant der Staatsoper
Ich freue mich nach Corona als Erstes wieder auf das gemeinsame Erleben, ganz analog: Sei es im Saal bei einer Vorstellung oder in den Büros, bei Sitzungen. Auch wenn in der digitalen Welt vieles zu bewerkstelligen ist und sich dadurch auch neue, kreative Räume öffnen, sind der persönliche Kontakt und das unmittelbare Liveerlebnis durch nichts zu ersetzen!

Auf ein Bier zum Savignyplatz. Sängerin Katharine Mehrling Foto: Andrea Peller/promo Vergrößern
Auf ein Bier zum Savignyplatz. Sängerin Katharine Mehrling © Andrea Peller/promo

Katharine Mehrling, Sängerin
Ich würde sofort ins Theater gehen, in die Oper, ins Kino, in einen Jazz-Club, tanzen gehen, Menschen umarmen, die ich schon lange vermisst habe. Essen gehen: zum Italiener, zum Asiaten, zum Griechen oder ’n Bierchen trinken im „Diener“ am Savignyplatz. Zuallererst würde ich wieder singen und spielen wollen, meine Konzerte in Berlin, Weimar, Dessau, Paris und New York nachholen und ich werde es mit jeder Faser meines Seins genießen. Die Sehnsucht nach dem Theater ist groß. Ich freu mich schon jetzt auf die Begegnung mit dem Publikum.

Alle mal umarmen. Die Kabarettisten Benedikt Eichhorn (l.) und Thomas Pigor. Foto: Kitty Kleist-Heinrich Vergrößern
Alle mal umarmen. Die Kabarettisten Benedikt Eichhorn (l.) und Thomas Pigor. © Kitty Kleist-Heinrich

Thomas Pigor, Autor und Kabarettist
Wenn ich nicht selber auf der Bühne stehe, werde ich Konzerte, Theater, Kinos und Restaurants besuchen, bis zum Umfallen. Das wird ein Fest für die Sinne, wenn wir die verloren gegangenen Umsätze in Kultur und Gastronomie nach Corona kompensieren! Wenn wir einen Impfstoff haben, werde ich Eichhorn umarmen.

Benedikt Eichhorn, Pianist und Kabarettist
Ich fahre als erstes nach Rügen und gehe an den Kreidefelsen spazieren. Freie Sicht aufs Meer, weg aus Berlin, durchatmen. Als zweites freue ich mich auf einen Auftritt in der gut besuchten Bar jeder Vernunft, das ist immer ein Höhepunkt im beruflichen Jahr. Strahlende Gesichter, Lachen, gemeinsame Freude an Musik, an Satire, das Palaver im Foyer nach dem Auftritt mit neuen und alten Bekannten, das unvergleichliche Gefühl von Gemeinschaft in Geschmack und Geist; diese Abende tragen mich immer weit. Wenn wir einen Impfstoff haben werde ich alle umarmen. Alle. 

Zur Startseite