Mit Lebensretterfolie gegen die Kriminalisierung der zivilen Seenotrettung. Omer Messinger/AFP
© Omer Messinger/AFP

Update Vorm Kanzleramt Demonstranten fordern Aufnahme aller Geretteten aus dem Mittelmeer

Mehrere Tausend Menschen demonstrieren am Sonnabend vor dem Kanzleramt für die zivile Seenotrettung. Auch Carola Rackete spricht zu den Demonstranten.

"Von New York bis nach Biesenthal" ruft die Frau auf der Bühne zum Auftakt der Kundgebung in das Mikrofon - mehr als 90 Aktionen, Kundgebungen und Demonstrationen sollen heute weltweit auf Geflüchtete, die zivile Seenotrettung und die Entkriminalisierung der Helfer aufmerksam machen. Auch in Berlin versammelten sich ab 14 Uhr mehr als tausend Menschen zu der von der Initiative "Seebrücke" organisierten Kundgebung und Demonstration, bei der sie auch vors Kanzleramt zogen.

Neben den zahlreichen Redebeiträgen meldete sich auch die Kapitänin der "Sea-Watch 3", Carola Rackete, mit einer aufgezeichneten Ansprache zu Wort. Sie war mit 40 Flüchtlingen an Bord ohne Erlaubnis der italienischen Behörden in den Hafen der Mittelmeerinsel Lampedusa eingelaufen und verhaftet worden. Mittlerweile ist sie wieder auf freiem Fuß, muss sich aber weiter vor Gericht verantworten.

Rackete bedankte sich bei den Demonstranten für die breite Unterstützung und forderte die Bundesregierung auf, alle im Mittelmeer geretteten Geflüchteten aufzunehmen. Es handele sich momentan lediglich um ein paar hundert oder tausend Menschen, "wenn man dafür keine Lösung finden kann, als eines der reichsten und größten Länder in der EU, dann ist das wirklich beschämend", sagte Rackete.

Die Bereitschaft des Bundesinnenministers, Horst Seehofer (CSU), einen Teil der Menschen nach Deutschland aufzunehmen wurde hier von vielen Demonstranten als blanker Hohn empfunden. Nach Angaben der Initiative „Seebrücke“ ertrinkt jede sechste Person während des Fluchtversuchs über das Mittelmeer, es könne nicht sein, dass sich die Bundesregierung weiterhin hinter einer europäischen Lösung verstecke, von der sie wisse, dass sie aufgrund weniger Mitgliedstaaten nie erreicht werden könne.

Neben der Veranstaltung in Berlin fanden unter anderem Demonstrationen in Hamburg, Düsseldorf, Köln, Frankfurt am Main, Leipzig und München satt.

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