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Dominik Dobrowolski (links) und Bogumil Jarecki (rechts) machen Halt an der Anlegestelle in Müllrose. Dominik Dobrowolski
© Dominik Dobrowolski

Von Breslau nach Berlin Wie eine polnisch-deutsche Bootsmannschaft gegen Müll in Flüssen paddelt

Ein Kanu-Team fährt von Polen nach Köpenick – und sammelt dabei Abfall auf. Damit wollen sie auf die Verschmutzung von Flüssen hinweisen.

Etwas erschöpft sehen Dominik Dobrowolski und Bogumil Jarecki aus, als sie nach getaner Arbeit auf einem umgedrehten Kanu Platz nehmen. Gemeinsam mit einem Team von rund 20 Kanufahrer:innen aus Polen und Deutschland sind die beiden auf dem Flussweg von Breslau nach Köpenick unterwegs. An der Anlegestelle eines Bootsverleihs in Müllrose bei Frankfurt/Oder haben sie ihr Nachtlager aufgeschlagen. Nach ihrer Ankunft am frühen Abend hieß es erst einmal alles auspacken, die Zelte aufbauen und die Kanus auf die Wiese legen und umdrehen. Sollte es regnen, bleibt so der Innenraum der Boote trocken.

Ein langer Tag liegt hinter der deutsch-polnischen Mannschaft. „Jeden Tag müssen wir gute 35 Kilometer fahren. Deswegen ist es am besten, so früh wie möglich aufzustehen“, sagt Bogumil Jarecki. Der 40-jährige Grafiker, der aus Polen stammt und in Berlin lebt, hält die Ereignisse während der Fahrt mit Fotos und Videos fest. Stolz trägt er das Team-Shirt und einen Sonnenhut, bedruckt mit dem deutsch-polnischen Slogan „Splyw Flussfahrt – Wroclaw/Berlin 2021“ („Kanufahrt Flussfahrt – Breslau/Berlin 2021“).

Sein Freund Dominik Dobrowolski arbeitet als Umweltpädagoge in Polen. Mit seiner Zahnbürste in der Hand kommt er gerade von den Waschräumen an der Bootsanlegestelle zurück. Die langen Haare hat er zu einem Zopf zusammengebunden. Jarecki und Dobrowolski verbindet ihre Liebe zum Kanufahren.

Dobrowolski hatte vor etwa drei Jahren die Idee, mit dem Kanu die 400 Kilometer lange Strecke von Breslau nach Köpenick zu paddeln. „Bogo, diese Strecke kriegen wir hin“, habe er zu seinem Mitstreiter gesagt. Gesagt, getan. Letztes Jahr starteten die beiden über Facebook ihren ersten Aufruf für die Kanutour.

Im August fuhren sie dann gemeinsam mit einem Team von etwa 20 Pol:innen und Deutschen zum ersten Mal in elf Tagen die Strecke. Dobrowolski erzählt, er habe denselben Weg zuvor schon in lediglich fünf Tagen zurückgelegt. Ihm geht es aber bei der Teamaktion nicht bloß ums Paddeln. Seine Augen strahlen, während er von seinem Umwelt-Engagement erzählt. Er sprudelt vor Ideen, wie er Menschen für das Thema der Flussverschmutzung sensibilisieren kann. Dem Umweltpädagogen zufolge gelangen „80 Prozent des Mülls im Ozean von Flüssen und vom Land aus dorthin“.

Der 53-jährige Umweltaktivist will durch die Kanutour auf dieses Müllproblem aufmerksam machen. Deshalb findet die Aktion dieses Jahr bereits zum zweiten Mal statt. Gemeinsam mit den anderen Kanufahrer:innen aus Deutschland und Polen haben die beiden am 17. Juni in Breslau abgelegt.

Schulungen auf Campingplätzen zu Müll in Flüssen

Unterwegs sammelt das Team den Müll auf, den sie im Wasser oder an Land entdecken. Darüber hinaus macht die Truppe entlang der Strecke immer wieder an Campingplätzen Halt, wo Dobrowolski dann Schulungen zur Müllverschmutzung von Flüssen anbietet – vor allem für Kinder und Jugendliche. „Gemeinsam können wir unsere Flüsse retten“ – so lautet seine Botschaft.

Dominik Dobrowolski (vorne l.) mit seiner deutsch-polnischen Mannschaft. Foto: Anja Neu Vergrößern
Dominik Dobrowolski (vorne l.) mit seiner deutsch-polnischen Mannschaft. © Anja Neu

Dieses Engagement imponiert Wolfgang Wiedmann. „Für mich ist das das Highlight, was er da so macht: die Jugendarbeit“, sagt der 66-Jährige. „Die Tour jetzt, das ist eigentlich eine Werbetour für das ganze Recycling.“ Gemeinsam mit seiner Lebensgefährtin Editha Mujstra, die aus Polen stammt, ist er Teil der polnisch-deutschen Mannschaft. Mujstra hat Dobrowolski übers Internet kennengelernt. Sie und Wiedmann sind nun schon zum zweiten Mal bei der Kanufahrt dabei. Mit seiner Teilnahme wolle er die umweltpädagogische Arbeit von Dobrowolski unterstützen, sagt Wiedmann.

Außerdem genieße er das Naturerlebnis während der Fahrt. Fasziniert erzählt Wiedmann, dass er unterwegs einen freilebenden Seeadler direkt neben sich gesehen habe. „Alleine dieser Moment war die ganze Tour schon wert.“ Bei allen schönen Erlebnissen sei die Fahrt aber „mitunter auch eine Qual, wenn man Gegenwind hat“, fügt er hinzu – und lacht.

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Doch er genieße es auch, sich durch die tägliche Bewegung während der Tour fit zu halten. Das Team setze sich aus ganz unterschiedlichen Leuten zusammen. „Es ist eigentlich alles dabei, vom Handwerker bis zum Firmeninhaber und Beamten“, sagt Wiedmann. Er selbst führt gemeinsam mit Mujstra eine Pension im Vogtland.

Dobrowolski gelingt es, alle Teilnehmenden miteinander zu vernetzen. Das macht er schon seit einigen Jahren. 2010 hatte er allein eine Radtour durch Länder wie Polen, Deutschland, Estland und Litauen gemacht. Drei Monate lang sei er unterwegs gewesen und habe um die 6000 Kilometer zurückgelegt, erzählt der Umweltaktivist. Mit verschiedenen Menschen habe er sich unterwegs über das Problem der Verschmutzung der Meere und Flüsse unterhalten. „Was kann ich tun, um Flüsse vor neuem Müll zu bewahren?“, habe er sich gefragt.

Zurück in Polen war die Idee zu seiner Initiative „Recycling Rejs“ geboren. „Rejs“ heißt auf Polnisch so viel wie Seefahrt. Dobrowolski paddelte zunächst allein über verschiedene Flüsse, gab Aufklärungskurse zum Thema Flussverschmutzung und machte so immer mehr Menschen auf sein Projekt aufmerksam. Mit den Fahrten von Breslau nach Köpenick will er nun auch Deutsche und Pol:innen miteinander vernetzen, um in beiden Ländern Menschen dafür zu sensibilisieren, wie wichtig Recycling ist.

Auf seinem wettergegerbten Gesicht sind tiefe Lachfalten zu sehen, wenn er mit Vorfreude von weiteren Ideen spricht. Er überlege etwa, an Flussufern Konzerte zu veranstalten und dabei über das Thema der Müllverschmutzung in fließenden Gewässern zu informieren. „Mit einfachen Aktionen können wir schon dazu beitragen, Flüsse sauber zu halten“, betont er.

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