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Klappern gehört zum Handwerk. Die Störche sind zurückgekommen, aber werden sie sich auch vermehren? Foto: Maurizio Gambarini/dpa
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Vögel in Gefahr Nachwuchssorgen bei Brandenburgs Störchen

Sie stehen für Fruchtbarkeit und Kindersegen. Doch ausgerechnet die Störche bringen zu wenig Nachwuchs zur Welt. Außerdem sterben viele Jungtiere in den ersten Wochen. Schuld daran ist nicht nur der Klimawandel.

Einer kam vor Jahren völlig blau aus dem Süden zurück, ein anderer tyrannisierte ein ganzes Dorf, indem er Fensterscheiben und Autodächer zerhackte, ein dritter wurde dieses Jahr schon im Januar gesichtet, wahrscheinlich hatte er gar nicht in Afrika, sondern in Spanien oder Südfrankreich überwintert. Die Brandenburger lieben ihre Störche, geben ihnen Namen wie Blauer Biegener, Rüpel Ronny oder Kurtchen Rotschnabel – und sorgen sich jedes Frühjahr, wenn sie zu lange ausbleiben. Was nicht ungewöhnlich ist, denn die meisten der märkischen Störche sind Ostzieher, das heißt, sie fliegen über Balkan und Bosporus bis Ost-, oft sogar bis Südafrika. Das ist eine lange und gefährlichere Strecke als die der sogenannten Westzieher, die über die Straße von Gibraltar nach Westafrika fliegen.

Aber jetzt trudeln endlich auch viele Ostzieher ein, erzählt Nadine Bauer. Sie leitet das Besucherzentrum im Europäischen Storchendorf Rühstädt. Das liegt zwischen Havelberg und Wittenberge und beherbergt jedes Jahr etwa drei Dutzend Storchenpaare und ihre Nachkommen. „An den vergangenen warmen Tagen sind unsere Störche fast im Stundentakt vom Himmel gekommen“, sagt Nadine Bauer: „Am Dienstag waren es schon 34 und damit war fast jeder Horst belegt – zumindest mit einem Storch. Nun hoffen wir auf die Partner.“ Noch bleiben einige Wochen zur Paarung, aber bis Anfang Mai müssen die Störche mit dem Brüten beginnen, sonst ist es zu spät.

„Ende April schauen vielleicht die ersten Köpfchen bei den Westziehern aus den Nestern“, sagt Nadine Bauer: „Bei den Ostziehern ein paar Wochen später. Und dann beginnt eigentlich erst der harte Kampf ums Überleben.“

Denn Brandenburgs Störche bekommen seit Jahren zu wenig Nachwuchs. 2017 hatten die rund 1200 Horstpaare im Land nur 1961 flügge Junge, wie der Storchenbetreuer Falk Schulz aus der Prignitz unlängst beklagte. Das entspreche durchschnittlich 1,54 Jungstörchen pro Horst und Paar. Um die Population zu erhalten, sei aber ein Durchschnittswert von mindestens 2,0 Jungtieren erforderlich, sagte Schulz – ein Wert, der zuletzt im Jahr 2011 erreicht wurde. Bedenklich sei auch, dass 2017 nur 852 Storchenpaare überhaupt Junge aufgezogen hätten, im Jahr zuvor waren es noch knapp 900 gewesen. Das lag auch daran, dass viele Störche erst Ende April bis Mitte Mai in Brandenburg ankamen – zu spät für die Brut. Denn davor muss das alte Nest ausgebessert oder gar ein neuer Horst gebaut werden. Die Männchen, die meist zuerst ankommen, bereiten das vor. Das Storchenweibchen legt meist zwei bis fünf Eier, die 32 bis 33 Tage lang von beiden Eltern bebrütet werden.

Im vergangenen Jahr gab es auch hohe Verluste an bereits geschlüpften Störchen. Grund seien neben dem schwindenden Nahrungsangebot der viele Regen und die Unwetter gewesen, sagt Nadine Bauer: „Wenn es mehrere Tage ununterbrochen regnet und das genau zu der Zeit, in der die Storchenkinder noch nicht flügge sind, aber auch nicht mehr unters Gefieder der Eltern passen, werden sie einfach nicht mehr trocken, sterben an Unterkühlung oder Krankheit. Selbst unser erfahrenstes Storchenpaar konnte da nichts machen, es hat letztes Jahr beide Jungen verloren. Insgesamt starben in Rühstädt 2017 sieben Jungstörche, in Linum erwischte es sogar alle neun Storchenkinder.“

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