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Verwahrlostes Berlin Roller-Hasser, Schrottautos, Kippenwerfer

Wie Müll, Dreck und Vandalismus den Alltag in Berlin prägen.

"Teurer Hipster-Scheiß", "maximal unökologisch". In mehreren deutschen Städten wird aus der linken Szene dazu aufgerufen, E-Roller unbrauchbar zu machen: In Berlin geschieht das mittlerweile recht häufig - wie hier an fünf Exemplaren am Anhalter Bahnhof in Kreuzberg. Mit verklebten oder zersplitterten Displays und besprühten QR-Codes lassen sich die Scooter nicht mehr entleihen. Ähnlich wird auch mit Leihrädern verfahren.

Schrottautos blockieren Parkplätze, verschandeln die Nachbarschaft und machen Teile der Stadt zum Autofriedhof. Immer wieder finden sich Exemplare, die jahrelang im Straßenland vergammeln. Zwar schreiben die Ordnungsämter ihre Strafzettel und kleben irgendwann die runden gelben Aufkleber auf nicht mehr zugelassene Fahrzeuge. Darauf steht die Aufforderung, das Auto zu entfernen. Erst bei einem roten Aufkleber wird es langsam ernst mit dem Abschleppen. Dann erst gilt das Fahrzeug als Schrott, der innerhalb eines Monats entfernt werden muss.

"Fall erledigt" - Schrottauto steht seit drei Jahren im Wald

In der Praxis ist die Entfernung eines Schrottautos ein komplizierter bürokratischer Prozess zwischen Ordnungsämtern und dem Amt für regionalisierte Ordnungsaufgaben (RegOrd) in Lichtenberg. Dabei muss festgestellt werden, dass der Wagen tatsächlich nicht bewegt wird. Ehe man dem Halter schließlich sein Eigentum entziehen kann, muss er erstmal ermittelt und abgemahnt werden. Die Kosten des Verfahrens und der Verschrottung bleiben oft bei der Allgemeinheit hängen.

Wie schief das manchmal läuft, illustriert ein Fall aus Reinickendorf. Auf dem Waldparkplatz am Flughafensee in Tegel steht seit knapp drei Jahren ein grüner Kleinbus. Aufgebrochen, ohne Kennzeichen, die Scheinwerfer hat schon jemand abgebaut. Im Juni 2017 sei das Fahrzeug gemeldet worden, berichtet Felix Schönebeck, der für die CDU in der Reinickendorfer Bezirksverordnetenversammlung sitzt. Trotz weiterer Beschwerden sei der Fall im August 2019 für erledigt erklärt worden. "Passiert ist jedoch nichts", schreibt Schönebeck und schickte als Beleg dieses Foto.

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Schönebeck ist in der Thematik kein Unbekannter. Er hatte schon 2018 vorgeschlagen, das Verfahren zu vereinfachen. Er will Schrottautos zügig abschleppen lassen, wenn die Halter ihrer Pflicht nicht nachkommen.

In einigen Straßen häufen sich die Schrottautos, hat unser Leser Mehmet Durak beobachtet. So am Columbiadamm in Tempelhof oder der Kühnemannstraße in Gesundbrunnen.

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Überfüllte Glascontainer

Seit Jahren werden die hauseigenen Glas-Mülltonnen schrittweise aus den Höfen Berlins abgezogen. Zumindest an Adressen außerhalb des S-Bahnrings. Die Sortierung soll über Glascontainer an zentralen Orten besser funktionieren, heißt es. So ganz klappt das nicht, wie Bilder aus Steglitz und Lichtenberg zeigen.

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Die Parkraumkontrolle sei schneller als der Müll, schrieb Ralf Rohrlach zu seinem Foto aus der Friedenstraße in Friedrichshain. Dort sammelte sich seit Wochen der Abfall, zu dem auch zwei geklaute Einkaufswagen gehören. Die werden immer wieder entwendet, irgendwo abgestellt und müssen dann entsorgt werden. Etwa 200 Euro kostet so ein Wagen.

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"Zugebombte" Bahnen in Berlin: Sachbeschädigung als Kunst

Der ganze Zug ist rot angesprüht. Wenn die fahle Innenbeleuchtung zwischen den Stationen mal ausgeht, bleibt es zappenduster in der S-Bahn. Wie in einer verschlossenen Blechkiste rumpeln die Fahrgäste durch eine lichtlose Stadt.

"I saw red doors ...", haben die Sprayer auf die rote Farbe an den Wagen gesprüht. Ein Rolling-Stones-Zitat: Paint it black! Der depressive Song passt wohl als Soundtrack zu einer solchen Fahrt. Traurig können die Kosten für eine solche Sachbeschädigung stimmen: 20.000 Euro veranschlagte die Bundespolizei in einem ähnlichen Fall. Hinzu kommen Zugausfälle.

Stark betroffen sind auch die U-Bahnen der BVG, mit zunehmender Tendenz.

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In Berlin scheint es völlig in Ordnung zu sein, aus den 'besten Bildern' von besprühten Bahnen eine Ausstellung zu machen. Im Ernst, so geschehen in Kreuzberg! Vielleicht findet sich beim nächsten Mal ein Kulturförderungsfonds?

Mal wieder kein Durchblick mehr in einer S-Bahn am Brandenburger Tor. Der Zug wurde laut dpa komplett mit Graffiti bedeckt.

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Da lässt man sein Rad mal eine Zeitlang allein und schon ist es zum Mülleimer geworden. Gesehen an der Boxhagener Straße in Friedrichshain.

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Bestraft werden Müllsünder in Berlin nur sehr selten

Wer seine Coffee-To-Go-Becher in den öffentlichen Raum wirft, muss nach dem im Oktober 2019 beschlossenen Bußgeldkatalog zwar mehr zahlen als bisher. Bis zu 300 Euro. Doch wenn - wie in Neukölln - im ganzen Jahr 2017 nur 560 Euro Bußgeld für weggeworfene Kippen eingenommen werden, oder - wie in Kreuzberg - gar nicht kontrolliert wurde, bleiben Strafen graue Theorie.

Die Strafen im Überblick

  • Zigarettenkippe oder Kaugummi: Bis zu 120 Euro
  • Hundekot auf dem Bürgersteig, der nicht unverzüglich beseitigt wird: Bis zu 300 Euro
  • Hundekot in Grünanlagen, der nicht unverzüglich beseitigt wird: Bis zu 1500 Euro
  • Illegal abgelegte Altreifen: Bis zu 800 Euro
  • Illegale Abladen von Bauabfällen: Bis zu 25.000 Euro

Alles was entfernt an eine Kiste erinnert, wird schnell zum Mülleimer. Hier eine Baustellenabzäunung in Friedrichshain.

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Müll mit Hund - ein Fotomotiv

"Dieses Schrottmoped steht bestimmt schon seit sechs Jahren vor unserer Wohnanlage", schrieb uns Gitte Ley aus der Potsdamer Straße in Zehlendorf. "Keiner fühlt sich zuständig das Teil zu entfernen. So nutzen wir es als Fotomotiv." Sieht etwas gefälliger aus. Rechts hat ihr Dackel auf einem alten Sessel im Zehlendorfer Gemeindewäldchen Platz genommen.

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© Fotos: Gitte Ley

Wo wir gerade bei Tieren sind: "Ich weiß nicht, welche menschlichen Wildschweine das fabriziert haben", schrieb uns Horst Baranowski über diesen Müllberg im Tegeler Fließ. Leider keine Seltenheit in den Wäldern Berlins.

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© Horst Baranowski

Wo Plakate an Ampelmasten in Schichten wachsen wie Bäume und irgendwann zu urbanen Stadtmöbeln werden: Schlesische Straße, Kreuzberg.

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Köpenicker Straße, Ecke Engeldamm in Mitte. Eigentlich sieht es hier immer so aus. Jede Menge Müll, in Einkaufswagen her gekarrt.

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Radfahrverbot, Grillverbot, Leinenzwang. Was nicht gefällt, wird demoliert. Parkregeln sind bei einigen Bewohnern Berlins äußerst unwillkommen, hier im Treptower Park.

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Klassisches Berlin-Malheur: Einen Eimer Farbe gekauft (hier das teure Alpinaweiß), fallen gelassen, weiter gegangen (ohne Eimer). Die Kreuzung sieht wie eine halb gestrichene Wohnung aus? Egal!

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Müde? Nein, eher zu faul, um die alte Matratze zum Recyclinghof zu bringen. Gesehen in Neukölln.

Eine alte Matratze mit der Grafitti-Aufschrift Neukölln. Foto: Gregor Fischer/dpa Vergrößern
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Summer in the City und das Brennholz fehlt? Einfach eine Bank anzünden.!

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"Ja, Berlin ist wirklich schön!" - über Leihräder stolpern am Kotti.

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Leihräder von der Stange. Am Friedrich-Wilhelm-Platz in Friedenau hatte jemand genug von den herumliegenden Rädern.

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© Manfred Möhning

Noch ein Berlin-Klassiker: Kleiderbox umkippen, Säcke rausziehen und den Inhalt in der Gegend verteilen. Berlin gilt übrigens als Hauptstadt der illegalen Altkleidercontainer, nur wenige Aufsteller sind gemeinnützig. Die Bezirke lassen die Boxen immer mal wieder abtransportieren. Doch bald stehen sie wieder an der Ecke.

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Und warum läuft der Hausmüll im Hof schon wieder über? Die Stadtreiniger haben die Tonne einfach stehen lassen, weil die Einfahrt zugeparkt war.

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Ungewöhnlicher Appell, nachlässige Hundebesitzer an ihre Pflichten zu erinnern. Entdeckt in der Anklamer Straße in Mitte.

In ganz Berlin gab es 2018 lediglich sieben Anzeigen wegen liegen gelassener Hundehaufen. Schwer zu kontrollieren, meinen die Bezirksämter.

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Currywurst und Pommes neben Taubenschiss und Schrottfahrrädern. So sieht es aus, 20 Meter neben dem Konnopke's am U-Bahnhof Eberswalder Straße in Pankow.

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© Hans-Joachim Kolpin

Sperrmüllhaufen vor dem BSR-Recyclinghof Behmstraße, Pankow.  "Ergo vor der Haustür der BSR, aber auf dem Gehweg. So ist der BSR-Hof außerstande hier zu beräumen, obwohl nur reinzutragen wäre, was an Schließtagen der Einrichtung zusammengekommen ist, immerhin vor die Tür gelegt!". Das schreibt uns Ralf Rohrlach.

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