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Mit Kunst anderen helfen: Eva und Klaus Herlitz mit einem Buddy Bären in Schöneberg. Foto: Thilo Rückeis
© Thilo Rückeis

Verstorben mit 68 Jahren Trauer um Eva Herlitz, die Schöpferin der Berliner Buddy Bären

Jeder kennt die bunten Bären, die überall in Berlin stehen. Aber nicht jeder deren Benefiz-Idee. Ihre Erfinderin Eva Herlitz, engagierte Berlinerin, ist tot.

Bei Eva Herlitz verriet schon die Stimme, was für ein Mensch da spricht: Agil, fröhlich, flott, zupackend, mit leichtem Singsang und der Bestimmtheit, was anpacken zu wollen, völlig egal, was andere dazu meinen. Ob die Berlinerin eine Ministerin in Portugal motivierte, Flüchtlinge doch bitte in leerstehenden Wohnungen unterzubringen oder ob sie sich für einzelne Kinder um die Ecke in Marzahn-Hellersdorf in Not stark machte: Der Job, der der gelernten Grundschullehrerin und Innenarchitektin am wichtigsten war, war das Helfen.

Peter Ustinov kam zu ihr und den Buddy Bären

Dafür ersann Eva Herlitz die Buddy Bären, gründete zusammen mit ihrem Mann Klaus 2001 die Buddy Bär Berlin GmbH und 2004 mit anderen internationalen Künstlerinnen den Verein Buddy Bear Help. Die Idee: Kreative in der ganzen Welt gestalten die Bären. Allein auf den Straßen und Plätzen dieser Stadt wurden rund 250 Bärenskulpturen ausgestellt, eine „moderne Variante des Berliner Bären“.

Sie stehen vor Firmen, in Arztpraxen, Thomas Gottschalk hatte einen im Garten in Malibu. Zum 65. Geburtstag des Tierparks gab es dort 2020 eine Schau mit 151 Bären.

Sympathieträger aus Berlin

In regelmäßigen Abständen erreichte die Tagesspiegel-Redaktion der Rundbrief zu immer wieder neuen Ausstellungen mit großer Resonanz weltweit, bei denen die Buddy Bären, im Kreis bunt beieinanderstehend, Symbol für Toleranz und Mitmenschlichkeit waren – und nebenbei Sympathieträger aus Berlin. Der 2004 verstorbene Sir Peter Ustinov eröffnete den Bärenkreis 2003 in Berlin, Schauspieler Jackie Chan 2004 den in Hongkong. 2005 gestalteten zwei Künstler aus Pjöngjang einen Buddy Bären als Friedensbote für Seoul.

Durch Spenden und Versteigerungen konnten bis Anfang 2021 mehr als 2,4 Millionen Euro an Unicef und lokale Kinderorganisationen weitergegeben werden. Herlitz gestaltete auch selbst zwei Bären. Ihr Motto: Behandele andere Menschen so, wie du selbst behandelt werden möchtest.

Der Bär für den Tagesspiegel. Künstler Kani Alavi gestaltete diesen Buddy Bären für eine Benefiz-Versteigerung zugunsten der Spendenaktion "Menschen helfen!" 2016/17, bereitgestellt von Buddy Bear Help e.V. von Eva Herlitz. Foto: privat Vergrößern
Der Bär für den Tagesspiegel. Künstler Kani Alavi gestaltete diesen Buddy Bären für eine Benefiz-Versteigerung zugunsten der Spendenaktion "Menschen helfen!" 2016/17, bereitgestellt von Buddy Bear Help e.V. von Eva Herlitz. © privat


Eva Herlitz war auch der Tagesspiegel-Spendenaktion „Menschen helfen!“ seit Jahrzehnten herzlich verbunden. Sie beließ es da aber nicht beim Geldüberweisen. Sie rief regelmäßig an und fragte: „Habt ihr unter euren Bewerbungen einen Verein, den ihr nicht berücksichtigen konntet und der Hilfe braucht? Darf ich vorbeikommen und mir die Briefe durchgucken?“ Dann kam Eva Herlitz, ganz uneitel und nahbar, und rettete Initiativen in Not, ohne dass sie großes Aufsehen darum erregen wollte. Sie beteiligte sich an einem Tagesspiegel-Charity-Dinner für die Spendenaktion. Im Jahr 2016 stellte sie einen Buddy Bären für „Menschen helfen!“ zur Verfügung.

Eva Herlitz half "Menschen helfen!"

Der Eastside-Gallery-Künstler Kani Alavi hatte ihn gestaltet, und der Bär wurde damals in der Mercedes-Welt am Salzufer für 2600 Euro zugunsten der Tagesspiegel-Spendenaktion versteigert. Und Eva Herlitz packte selbst mit an. Wie oft erzählte sie begeistert von ihren Reisen nach Afrika, denn mit ihrem Verein unterstützte sie auch Kinderprojekte in Malawi, Sierra Leone – und auch Bolivien.

Glückliche Ehefrau, Mutter und Oma

Ihr Mann Klaus, mit dem sie seit mehr als 50 Jahren zusammen war, und auch ihre drei Söhne unterstützten die Mutter in ihrem gesellschaftlichen Engagement. Manchmal bremsten sie sie auch, für ihre vielen Ideen waren die 24 Stunden eines Tages immer zu kurz. Das Wort Oma wollte so gar nicht zu ihr passen, doch glücklich machte es sie, ihre Söhne glücklich zu wissen.

Aus dem Leben gerissen

Neue Ideen ersinnen und Kraft tanken, das tat sie gern in Tirol. Dort wurde Eva Herlitz in voller Schaffenskraft aus dem Leben gerissen. Ihre Familie ist dankbar, dass sie die Ehefrau, Mutter und Oma im Krankenhaus in Innsbruck bis zuletzt persönlich begleiten durften. Ein intensives Dasein und Abschiednehmen, wie es unter Coronabedingungen in Krankenhäusern hierzulande vermutlich nicht möglich gewesen wäre, heißt es aus dem Kreis der Familie.

Die Trägerin des Blue Hearts Award, des Verdienstorden des Landes Berlin und des Bundesverdienstkreuzes am Bande, verstarb am 26. Februar 2021. Bei der jüngsten Sitzung haben die Spendenvereinsmitglieder des Tagesspiegel Eva Herlitz gedacht.

Ihr Wunsch: Ein Buddy-Bär-Kreis mit Toleranzprojekten

Im Wikipedia-Eintrag jetzt den Eintrag zu ihr in der Vergangenheitsform zu lesen, „sie war“, das schmerzt viele. Eva Herlitz wurde 68 Jahre alt, sie wird im engsten Kreise beigesetzt. Sie hat sich für Berlin immer einen dauerhaften Buddy-Bär-Kreis gewünscht, mit Kunstprojekten auch für Jugendliche für Toleranz und Völkerverständigung, im oder nahe dem Regierungsviertel. Die Frau, die sich zeit ihres Lebens für Mitmenschlichkeit einsetzte, hätte so etwas glücklicher gemacht als alle Orden der Welt.

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