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Ein Beschäftigter des Lieferdienstes Gorillas trägt einen Rucksack und steht vor den Fahrrädern. Die Fahrer demonstrieren seit Wochen gegen die Arbeitsbedingungen bei dem jungen Start-Up. Foto: Annette Riedl/dpa
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Verstöße gegen Arbeitsschutz Berliner Senat leitet Bußgeldverfahren gegen Lieferdienst Gorillas ein

Neue Probleme für das Start-up Gorillas: Die Berliner Arbeitsverwaltung hat bei Kontrollen Verstöße festgestellt und ermittelt jetzt.

Die Berliner Senatsverwaltung für Arbeit und Soziales hat ein Bußgeldverfahren gegen das Start-up Gorillas eingeleitet. Dabei soll es um Verstöße gegen das Arbeitsschutzgesetz gehen, wie eine Sprecherin von Arbeitssenatorin Elke Breitenbach (Linke) der "Berliner Morgenpost" sagte. Um welche Verstöße es sich genau handelt, wollte die Verwaltung aus Datenschutzgründen nicht sagen.

Die Probleme sollen aber bei Kontrollen in mindestens 13 unterschiedlichen Gorillas-Stützpunkten in der Stadt aufgefallen sein. „Offenbar spielt der Arbeitsschutz bei den Gorillas und anderen Lieferdiensten nur eine untergeordnete Rolle. Das nehmen wir nicht hin", sagte Senatorin Breitenbach der "Berliner Morgenpost".

Der Lieferdienst wirbt damit, Bestellungen durch Fahrradkuriere innerhalb von zehn Minuten an die Haustür zu liefern. Das Unternehmen expandierte in den vergangenen Monaten rasant, sein Wert wird mittlerweile auf eine Milliarde Euro taxiert. Zuletzt war das Start-up aber durch Proteste von Kurier-Fahrern in die Kritik geraten, die die Arbeitsbedingungen öffentlich anprangerten und Lager bestreikten.

Ein Zusammenschluss von Fahrern, das "Gorillas Workers Collective", beklagt Unregelmäßigkeiten bei der Bezahlung, hohen Druck, befristete Verträge, Materialmängel an den elektrischen Dienstfahrrädern und viel zu schwere Warensendungen.

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Zwar hat das Start-up bereits Verbesserungen in Aussicht gestellt, diese werden jedoch von den organisierten Fahrern nicht als ausreichend bewertet. Allerdings vertritt das "Gorillas Workers Collective" nur einen Teil der Fahrer des Unternehmens.

Gorillas weist Vorwürfe zurück - sieht sich als "guter Arbeitgeber"

Selbst Bundesarbeitsminister Hubertus Heil (SPD) hatte die Protestierenden kürzlich besucht – und dem Senat empfohlen, die Arbeitsbedingungen genau unter die Lupe zu nehmen. Dies scheint mittlerweile geschehen. Zur Höhe möglicher Bußgelder machte die Senatsverwaltung keine Angaben. Grundsätzlich sind bei Verstößen aber Strafen von bis zu 15.000 Euro pro Fall und Arbeitgeber möglich.

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Das Start-up verteidigt sich gegen die Vorwürfe und weist sie zurück. Auf Anfrage der "Berliner Morgenpost" teilte das Unternehmen mit: „Weniger als zwei Prozent unserer Rider haben im Juni 2021 Zahlungen erhalten, die nicht akkurat waren. Sowas darf nicht passieren, das ist uns sehr bewusst. Wir haben mittlerweile unsere Strukturen und Systeme an unser außergewöhnliches Wachstum angepasst und sie fit für die Zukunft gemacht.“

Alle gemeldeten Diskrepanzen habe Gorillas „selbstverständlich vollständig beglichen“. Man betrachte sich selbst als guter Arbeitsgeber. Speziell zum Bußgeldverfahren will sich das Unternehmen erst Anfang der Woche äußern.

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