Zum Corona-Überblick: Alle Zahlen zu SARS-CoV-2 in Deutschland
Im Prozess um die Ermordung von Maryam H. haben nun Ermittler gegen die beiden Brüder der Ermordeten ausgesagt. Foto: Daniel Reinhardt/dpa
© Daniel Reinhardt/dpa

Verscharrt in Bayern Ermittler im Prozess um den Mord an Maryam H. gegen zwei ihrer Brüder im Zeugenstand

Kerstin Gehrke

Die Berliner Beamten berichten von ihren Ermittlungen und den Befragungen zum Hergang des Mordes an der 34-jährigen Mutter, die in Bayern verscharrt worden war.

Mantrailer-Hunde aus München waren bereits angefordert und ein Kleidungsstück des verdächtigen Sayed Yousuf H. für die Personensuchhunde bereitgelegt, als es plötzlich schnell ging. Die Freundin von H. habe ihnen den Ablageort der Leiche gezeigt, schilderte am Mittwoch ein Berliner Ermittler im Prozess um den Mord an der Afghanin Maryam H. Unter einem Baum sei sie verscharrt worden. Nicht weit entfernt vom bayerischen Donauwörth, wo Yousuf H., Bruder der Getöteten, lebte.

Sayed Yousuf H. und Seyed Mahdi H. – nach ihren Angaben 26 und 23 Jahre alt – sollen ihre Schwester am 13. Juli 2021 ermordet haben. Sie hätten die 34-jährige Mutter getötet, weil „die teilweise moderne Lebensführung“ ihrer geschiedenen Schwester nicht ihren Moralvorstellungen entsprochen habe, heißt es in der Anklage. Sie habe sich Anweisungen widersetzt und eine Liebesbeziehung geführt, obwohl sie ihr den Kontakt zu dem Mann verboten hätten.

In einem Rollkoffer sollen sie die Getötete per Zeug von Berliner nach Bayern geschafft haben. Videoaufnahmen vom Bahnhof Südkreuz hätten knapp drei Wochen nach dem Verschwinden von Maryam H. zu dem Entschluss geführt, mit einem Team nach Bayern zur reisen, schilderte eine Mordermittlerin nun. Am 3. August sei der ältere Bruder in Donauwörth vor seinem Haus festgenommen worden. Kurz darauf wurde seine Freundin, die ebenfalls in dem Ort lebt, erstmals als Zeugin befragt.

[Wenn Sie aktuelle Nachrichten aus Berlin, Deutschland und der Welt live auf Ihr Handy haben wollen, empfehlen wir Ihnen unsere App, die Sie hier für Apple- und Android-Geräte herunterladen können.]

Freundin eines Verdächtigen wirkte bei Befragung überfordert

Bei der Frau handelt es sich um eine verheiratete Ungarin. „Sie wirkte überfordert mit der Situation und schüchtern“, so die Beamtin im Zeugenstand. Nur schleppend habe die Frau geantwortet. Als Maryam H. verschwunden war, habe Yousuf H. davon gesprochen, dass sie möglicherweise wegen der Schleusung einer Schwester in die Türkei gereist sei. Zum großen Koffer habe die Freundin von H. erklärt, er habe „Kleidungsstücke, Handtücher, Ventilator und Beistelltisch“ von Berlin mitbringen wollen. Sie habe ihn und seinen Bruder Mahdi H. am Abend des 13. Juli vom Bahnhof in Donauwörth mit ihrem Auto abgeholt.

Schaufeln und Handschuhe wurden im örtlichen Baumarkt besorgt

Handydaten wurden ausgewertet – die Freundin habe von sich aus den Code zum Entsperren ihres Mobiltelefons genannt, so die Ermittler. Laut Standortdaten war sie einen Tag nach der Tat in einem Baumarkt und dann kurz keine 30 Kilometer entfernt an einem kleinen Ort. Mit H. sei sie laut Ermittlungen unterwegs gewesen. Kassen in dem Baumarkt seien ausgewertet worden. Ein Bon stach heraus: Schaufeln und Handschuhe wurden erworben und bar bezahlt. 23 Kilometer fuhren sie laut Ermittlungen danach in eine abgelegene Gegend an einem Hang. Am 5. August wurde die Leiche entdeckt. Die Kollegen aus Bayern hätten den Fundort übernommen, so einer der Ermittler.

Die beiden Brüder haben bislang zu den Vorwürfen geschwiegen. Die Freundin des älteren Angeklagten hatte über ihren Anwalt mitgeteilt, dass sie sich auf ein Schweigerecht berufen wolle. Der Prozess wird am Freitag fortgesetzt.

Zur Startseite