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Menschen flanieren am 2. Adventsonntag, an einem verkaufsoffener Sonntag, über die Friedrichstrasse in Berlin. Foto: imago images/Emmanuele Contini
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Verschärfter Lockdown in Berlin Das Vorgehen ist konsequent inkonsequent

Berlin macht dicht. Aber erst in zwei Wochen. Das steigert vor allem eines: die Gefahr, dass die Zahlen weiter hoch gehen. Ein Kommentar.

Das Schlimmste an dem neuerlichen Lockdown ist nicht der Lockdown selbst, sondern seine lange Ankündigung. Berlins Regierender Bürgermeister Michael Müller erklärt 14 Tage vor Weihnachten, dass kurz vor Weihnachten die Läden schließen.

Das einzige, was er damit erreichen wird, sind panische Weihnachtseinkäufer:innen, die die letzten offenen Geschäfte und Einkaufszentren stürmen werden. Vermutlich schon am Wochenende. Und damit erreicht die Hauptstadt das Gegenteil dessen, was sie mit dem Lockdown erreichen wollte: eine Beruhigung der Lage.

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Die ist aber dringend notwendig, denn die Zahl der Toten steigt und die der Neuinfektionen bleibt auf einem viel zu hohen Niveau. Immerhin hat Berlin eine Lernkurve genommen. Noch im Frühjahr wirkte Müller wie ein Zauderer, einer, der zur Jagd auf das Virus getragen werden musste. Heute wirkt er konsequenter. Aber er ist es faktisch nicht. Die Schulen sollen unter allen Umständen bis zum Schluss offen bleiben.

Aber zu welchem Preis? Statt jetzt rasch die Schulen und Kitas zu schließen, setzt man Lehrer:innen, Schüler:innen und Erzieher:innen noch eine Woche lang einem unnötigen Risiko aus, nur um am Ende sagen zu können: Wir haben die Schulen offen gelassen.

Ja, Politik muss abwägen. Aber in Zeiten einer solchen Pandemie geht es hauptsächlich um die Abwägungsfrage: Was rettet Leben?

Ein über Wochen angekündigter Lockdown zählt nicht dazu, sondern nur das schnelle Herunterfahren. Geht nicht? Zu kompliziert? Im Frühjahr ging es ruckzuck, und es hat geholfen, die erste Welle abzufedern.

Jetzt macht es Sachsen vor – auch wenn das letztlich ein Eingeständnis ist, die Lage über Monate falsch eingeschätzt zu haben. Aber diesen Kardinalfehler hat die sächsische Politik nicht allein gemacht, das waren alle zusammen. Statt in homöopathischen Dosen den Lockdown zu verabreichen, wäre ein klarer, schneller und vor allem einheitlicher Schnitt besser gewesen – damals wie heute.

Natürlich könnte man auch jetzt noch auf die Eigenverantwortung der Bürger:innen verweisen. Wie das in einigen Teilen Berlins funktioniert hat, konnte man in den vergangenen Monaten sehen. Viele hielten sich an die Regeln, zu viele aber nicht. Das Vorgehen Berlins ist vor allem eines: konsequent inkonsequent.

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