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Bisher ist hier, an der Warschauer Straße, die Endhaltestelle der M10. In ein paar Jahren soll sie bis zum Hermannplatz führen. Foto: imago/Jürgen Ritter
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Verlängerung der M10 bis Berlin-Neukölln Tram soll künftig durch den Görlitzer Park fahren

Lange wurde diskutiert, nun soll es der Senat beschließen: Die M10 wird bis zum Hermannplatz verlängert. Die neue Strecke führt durch den Görlitzer Park.

Vor der Pandemie galt die Straßenbahnlinie M10 als Partytram. In einigen Jahren soll sie auch in dieser Funktion von Friedrichshain weiter bis zu ihrer künftigen Endhaltestelle am Hermannplatz in Neukölln fahren. Nun steht der Streckenverlauf für die Verlängerung der wichtigen Tramlinie fest: Die Straßenbahn wird auf ihrem Weg nach Neukölln durch den Görlitzer Park fahren.

Auch die Variantenfestlegung für die Tangentialstrecke Pankow-Heinersdorf-Weißensee liegt vor und soll nun von den Berliner Verkehrsbetrieben geplant werden. Das geht aus zwei Beschlussvorlagen von Verkehrssenatorin Regine Günther (Grüne) für die kommende Senatssitzung am Dienstag hervor, die dem Tagesspiegel vorab vorliegen.

Sieben Trassenverläufe sind in den vergangenen Jahren vom Unternehmen VerkehrsConsult Dresden-Berlin GmbH im Auftrag der Senatsverkehrsverwaltung für die M10-Verlängerung untersucht worden. Die Entscheidung fiel nun auf die direkteste Verbindung unter den Varianten: Die Straßenbahnlinie soll von der bisherigen Endstation am S- und U-Bahnhof Warschauer Straße aus über die Oberbaumbrücke führen.

Von dort folgt die Vorzugsvariante immer geradewegs dieser Straßenachse: Zunächst durch die Falckensteinstraße, dann quert sie den Görlitzer Park, verläuft weiter entlang der Glogauer und Pannierstraße und biegt dann schließlich in nordwestlicher Richtung in die Sonnenallee ab.

Von dort sollen die Bahnen in Richtung Hermannplatz fahren. Am Platz selbst werden sie jedoch nicht halten. Die Endstation wird sich stattdessen nördlich des Hermannplatzes in der Urbanstraße befinden, heißt es in der Vorlage.

Fest steht damit, dass die Tramtrasse den Görlitzer Park zerschneiden wird. Diese Trassenführung hatte sich im Vorfeld bereits angedeutet – und immer wieder Kritik hervorgerufen. Die Straßenbahnstrecke würde die einzige Grünanlage im dicht bebauten Osten Kreuzbergs in zwei Hälften teilen.

Zuletzt hatte sich die Linke-Fraktion in Friedrichshain-Kreuzberg im Februar mit einem Antrag in der Bezirksverordnetenversammlung gegen eine solche Gleisführung gestellt. Weitere Diskussionen scheinen angesichts der Entscheidung programmiert.

Die Verkehrssenatorin betont in der Senatsvorlage hingegen den verkehrlichen Nutzen der Strecke. Die geplante Verbindung zwischen den Linien U7 und U8 am Hermannplatz mit der S-Bahn an der Warschauer Straße würde „zu einer besseren Netzverknüpfung und einer deutlich besseren Anbindung des östlichen Kreuzbergs und des nördlichen Neuköllns an den öffentlichen Schienenverkehr führen“, schreibt Günther.

Die Kosten liegen bei 62 Millionen Euro

Die Kosten für den 2,9 Kilometer langen Trassenbau sowie dessen Planung liegen ihr zufolge bei 62 Millionen Euro netto. Doch das Land Berlin kann sich berechtigte Hoffnungen machen, dass der Bund einen Großteil dieser Summe bezuschusst. Denn auffällig ist die gute Nutzen-Kosten-Bewertung des Projekts.

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Die Tramstrecke in der ausgewählten Variante kommt auf einen Wert von 2,87 das deutet auf das sehr hohe Fahrgastpotenzial der Verbindung hin. Damit der volkswirtschaftliche Nutzen nachgewiesen ist und Fördergelder beantragt werden können, muss das Verhältnis mindestens bei 1 liegen.

Die Verkehrsverwaltung werde daher nun Verhandlungen mit dem Bund aufnehmen, um den Bau der Straßenbahnlinie nach Neukölln durch das Gemeindeverkehrsfinanzierungsgesetz (GVFG) bezuschussen zu lassen, schreibt die Grünen-Politikerin. In dem Förderprogramm des Bundes stehen für Verkehrsprojekte in Deutschland ab diesem Jahr insgesamt eine Milliarde Euro zur Verfügung. 2025 soll die annualisierte Summe auf zwei Milliarden verdoppelt werden.

Mit dem erwarteten Beschluss wird der Senat nun die Berliner Verkehrsbetriebe beauftragen, die weitere Planung sowie das Planfeststellungsverfahren voranzutreiben und den Bau zu organisieren. Straßenbahnen sollen auf der neuen Strecke nach aktueller Planung ab dem Jahr 2028 rollen – und damit bis zu zwei Jahre später als ursprünglich erwartet.

Enorme Verzögerungen bei fast allen Tramprojekten

Schon in der aktuellen Legislatur ist es – wie bei fast allen Tramprojekten zuletzt – zu enormen Verzögerungen gekommen. Die nun vorliegende Entscheidung hätte schon im Frühjahr 2019 fallen sollen.

Gefallen ist auch die Entscheidung für die Trasse der Tangentialverbindung von Pankow über Heinersdorf nach Weißensee. Bislang enden die Tramlinien 12 und 27 am Pasedagplatz in Weißensee. Künftig sollen sie von dort bis zum S-Bahnhof Pankow führen. Sie folgt dafür der Rennbahnstraße und anschließend dem Verlauf der Romain-Rolland-Straße.

Am Knotenpunkt Blankenburger Straße/Romain-Rolland-Straße soll die Trasse die geplante Straßenbahnverlängerung in den Blankenburger Süden kreuzen und einen Umstieg ermöglichen.

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Im weiteren Verlauf folgt die Neubaustrecke weiterhin der Romain-Rolland-Straße bis zum Ende der Bebauung an der Kolonie Nordland und biegt nach Westen in Richtung S-Bahnhof Pankow-Heinersdorf ab. Vor Erreichen des Ensembles „Betriebswerk Pankow“ schwenkt die Trasse nach Südwesten entlang des alten Lokschuppens und unter dem Brückenbauwerk der Prenzlauer Promenade hindurch.

Von dort aus folgt die Strecke zunächst dem Verlauf der Stettiner Bahn in Richtung S- und U-Bahnhof Pankow, bevor sie nach circa 250 Metern Richtung Süden dreht. Anschließend sollen die Bahnen künftig parallel zur Granitzstraße auf dem Entwicklungsgelände des Pankower Tors bis zum S- und U-Bahnhof Pankow fahren, ehe sie die Bestandsstrecke erreichen.

Auch in diesem Fall fiel die Nutzen-Kosten-Untersuchung positiv aus, wenn auch mit einem Wert von 1,15 deutlich knapper. Bundesförderung will Verkehrssenatorin Günther auch für dieses Projekt beantragen. Dessen Kosten haben sich während der Planung deutlich erhöht. Statt der im Nahverkehrsplan genannten 60 Millionen Euro kalkulieren die Planer für die 3,8 Kilometer lange Strecke nun mit Ausgaben von 75,5 Millionen Euro netto. Auch hier sollen die ersten Trams 2028 fahren, zwei Jahre später als geplant.

Auch wenn das Tempo des Koalitionsvertrags nicht gehalten werden könne, arbeite man kontinuierlich am Ausbau der Straßenbahn, sagte Verkehrspolitiker Harald Moritz (Grüne). „Wir wollen die Verkehrswende und schaffen dafür den notwendigen Ausbau der öffentlichen Verkehrsmittel“, sagte er.

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