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In der Zentrale der Mainzer Niederlassung des Impfstoffherstellers Biontech zeigt man sich verärgert über die Aussagen der Berliner Gesundheitssenatorin. Foto: imago images/Jan Huebner
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Verkürzte Informationen über angebliche Lieferpanne Berlins Gesundheitssenatorin verärgert Impfstoffhersteller Biontech

Zwei Impfzentren mussten am Dienstag schließen, die Gesundheitsverwaltung erklärt das mit einer Lieferpanne. Biontech und Gesundheitsministerium widersprechen.

Es war eine Meldung, die für Unverständnis sorgte, für neue Sorgenfalten in den Gesichtern der Verantwortlichen: Zwei Berliner Impfzentren mussten am Dienstag geschlossen werden, weil es an Impfdosen fehlte. Termine wurden kurzfristig abgesagt.

Doch die Senatsverwaltung für Gesundheit bemühte sich schnell um Schadensbegrenzung: alles halb so wild. Ein technischer Defekt bei der Lieferung sei Schuld, alle Termine würden in den kommenden drei Tagen nachgeholt. Allerdings ließ die Öffentlichkeitsarbeit von Gesundheitssenatorin Dilek Kalayci (SPD) zum wiederholten Mal wichtige Details weg - und gab so die Schuld an den Hersteller weiter.

Das Biotechnologieunternehmen Biontech, das für die Lieferung verantwortlich war, hat sich am Mittwoch deshalb verärgert über die Aussagen der Berliner Gesundheitsverwaltung gezeigt. In beiden am Dienstag geschlossenen Zentren wird der Impfstoff von Biontech verimpft. Das Unternehmen widerspricht nun der Darstellung der Gesundheitsverwaltung.

"Wir sind irritiert über die Mitteilung, dass die beiden Corona-Impfzentren Messe und Arena Berlin wegen 'ausbleibender Nachlieferung von Impfstoff' am Dienstag schließen mussten", sagte eine Biontech-Sprecherin dem Tagesspiegel am Mittwoch.

"Die Lieferung war ursprünglich für Mittwoch geplant gewesen und so auch an alle Beteiligten kommuniziert worden. Der Senat hatte beim Bundesgesundheitsministerium eine frühere Lieferung am Dienstag angefragt - es war demnach eine vorgezogene Lieferung."

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Die Lieferung sei dann auch am Dienstagnachmittag gegen 15 Uhr angekommen, sagte die Sprecherin weiter. "Ohne ein technisches Problem und eine Routenumstellung wäre sie sogar bereits am Dienstagmorgen eingetroffen."

Eine Mitteilung des Bundesministeriums für Gesundheit (BMG) vom Dienstag bestätigt die Darstellung von Biontech. „Die Länder wurden seitens des BMG am 25. März über die eintägige Verschiebung der Liefertermine mit dem Impfstoff von Biontech aufgrund des gestrigen Feiertags informiert. Die Lieferung nach Berlin wurde für den7. April 2021 geplant und dementsprechend kommuniziert", hieß es aus dem Ministerium.

Die Senatsverwaltung sei am Montag an das BMG mit der Bitte herangetreten, die Lieferung um einen Tag vorzuziehen, da andernfalls Engpässe zu erwarten seien. "Es ist zum wiederholten Male vorgekommen, dass Lieferpläne kurzfristig für Berlin angepasst wurden", teilte das Ministerium mit.

Die deutsche Impfstoffstrategie beruht zum großen Teil auf den Vakzinen des Herstellers Biontech. Foto: AFP/Ina Fassbender Vergrößern
Die deutsche Impfstoffstrategie beruht zum großen Teil auf den Vakzinen des Herstellers Biontech. © AFP/Ina Fassbender

"Trotz des zeitlich kurzen Vorlaufs und der Feiertage erfolgte die Lieferung nach Berlin insbesondere Dank der Flexibilität seitens Biontech gegen 16.00 Uhr am 6. April 2021 und damit kurzfristig einen Tag früher als ursprünglich avisiert.“

Am Kommunikations-Stil der Pressestelle gibt es Kritik

Der Vorfall reiht sich ein in die Kommunikationsstrategie der Gesundheitsverwaltung: Kritische Nachfragen werden oft erst nach Tagen, gar nicht oder mit einem einzigen Satz beantwortet. Die Antworten sind selten falsch, aber geben oft auch nicht den Kern der Sache wieder. Manchmal sind sie auch geschönt: Bei der Eröffnung der Covid-19-Klinik etwa lag noch keine Betriebserlaubnis vor, die Klinik war überhaupt nicht einsatzbereit, wie Tagesspiegel-Recherchen gezeigt hatten.

In internen Presse-Runden, in denen Kommunikation zwischen Senatsverwaltungen abgestimmt wird, sind die Öffentlichkeitsarbeiter von Dilek Kalayci nur selten vertreten, heißt es aus Senatskreisen. Die Kommunikation mit den Amtsärzten läuft schon länger vor allem über offene Briefe. Sonst, so heißt es aus Amtsärztekreisen, fänden sie kaum Gehör in der Verwaltung. Wer in der Pressestelle anruft, soll eine Nachricht auf dem Band hinterlassen - das ist aber seit fast einem Jahr voll.

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