Seit Januar 2016 lagern die ausgebauten Brücken auf einer Brache an der Yorckstraße Foto: Jörn Hasselmann
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Berlin-Schöneberg Sanierung der Yorckbrücken beginnt

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Ab auf den Tieflader: Nach zwei Jahren, neun Monaten und sieben Tagen Zwangspause soll es nun wirklich mit der Sanierung der Yorckbrücken losgehen.

Am Montag will die Senatsverkehrsverwaltung in einer Pressemitteilung ankündigen: „Fortsetzung der Sanierung von fünf denkmalgeschützten Yorckbrücken“. Am 29. Januar 2016 war eine erste Mitteilung der Verwaltung so überschrieben: „Sanierung beginnt am 29. Januar 2016“, als Eröffnungstermin wurde der November 2016 genannt. Die Brücken sollten den Park am Gleisdreieck mit dem gegenüberliegenden Flaschenhalspark verbinden, eine von Fußgängern und Radfahrern stark frequentierte Nord-Süd-Verbindung. Doch es kam anders.

Bekanntlich wurden vier Brücken am 2016 mit riesigen Kränen ausgehoben und auf einer Freifläche in der Nähe gelagert, hier, neben dem neuen Baumarkt, sollten sie gesandstrahlt und konserviert werden. Tatsächlich ist in diesen knapp drei Jahren aber nichts passiert, außer dass die Brücken weiter rosteten. In der neuen Pressemeldung ist von „umfänglichen Planungsanpassungen“ die Rede.

Zu spät hatten die Planer und Ingenieure erkannt, dass die Brücken nicht so einfach saniert werden können. Kurz gesagt: Die Brücken müssen heute stabiler sein als damals, auch wenn nur Radfahrer drüber rollen und keine schweren Dampfloks. Wenn ein Auto gegen eine der historischen Stützsäulen fährt, könnte ja die Brücke einstürzen – so die Sorge. Im Sommer hatte sich ein Sprecher der Verkehrssenatorin zu dieser Formulierung hinreißen lassen. Der „Lösungsfindungsprozess für standsichere Fußgängerbrücken nach aktuellem Vorschriftenwerk unter Beachtung der Denkmalschutzbelange“ sei sehr aufwendig gewesen.

Natürlich können die vier Brücken nicht an Ort und Stelle verstärkt werden, wie einst geplant. Alles wird viel komplizierter, die Kosten stiegen von 3,2 auf 4,5 Millionen Euro. Am Montag- und Dienstagabend werden die ersten zwei Brücken mit Tiefladern und Polizeibegleitung nach Hohenschönhausen zu einer Spezialfirma gefahren. Die Arbeiten geschehen in einer Halle, „Verkehrs- oder Lärmbeeinträchtigungen“ seien nicht zu erwarten, teilt die Verwaltung mit.

Beim Ausbau waren die Brücken für einen leichteren Transport geteilt worden. Foto: Jörn Hasselmann
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Belästigungen wird es aber in der Yorckstraße geben, und zwar massiv. Ab kommender Woche sollen die Widerlager der Brücken saniert werden, zunächst die auf der nördlichen Seite, ab Januar die auf der südlichen Seite. Dazu werden die Geh- und Radwege benötigt. Fußgänger müssen auf die andere Straßenseite wechseln, Radfahrer auf die Straße. Autofahrer müssen sich mit einer statt wie bisher zwei Spuren begnügen.

Im Frühjahr sollen die Brücken dann wieder eingehängt werden, dazu wird die Yorckstraße mehrere Tage komplett gesperrt. Im Sommer 2019 sollen die drei Brücken mit den Nummern 11, 14 und 17 für Fußgänger und Radfahrer fertig sein. Brücke Nummer 15 wird ein technisches Denkmal ohne Funktion. Insgesamt gibt es 30 Brücken über die Yorckstraße, nur wenige dienen der Eisenbahn.

Zwischen den beiden Parks gibt es seit 2014 immerhin eine schmale Verbindung, Brücke Nummer 10. Nach der Fertigstellung des Flaschenhalsparks hatte die Verkehrsverwaltung die Verbindung zum Gleisdreieckpark schlicht vergessen, Spaziergänger und Radfahrer mussten die stark befahrene Yorckstraße queren. Da die nächste Ampel mehrere hundert Meter weg war, kam es zu lebensgefährlichen Situationen.

Erst nachdem der Tagesspiegel darüber berichtet hatte, ging es plötzlich schnell. Innerhalb weniger Tage wurde Brücke 10 hergerichtet. Das Mini-Provisorium wurde von Berlins Bahnchef und einem Staatssekretär höchstselbst feierlich eröffnet. Wenn die vier gelagerten Brücken fertig sind, soll auch Brücke 10 noch gründlich saniert werden – so ergibt sich die Gesamtzahl von fünf zu sanierenden Brücken.

Der „Gleisdreieck-Blog“, der die Entwicklung von Park und Umgebung begleitet, spricht bei den Yorckbrücken von einem „Festival der Fehlplanung“. Auch wenn vier Brücken jetzt fast drei Jahre vergessen rumgegammelt haben, Pannen-Spitzenreiter ist ganz klar Brücke Nummer 5, weiter westlich. Sie wäre für Radfahrer ideal, weil sie den Park direkt mit dem Südkreuz verbinden würde. 2012 wurde sie zu diesem Zwecke saniert, anschließend hieß es, dass Menschen leider nicht darüber dürfen. Denkmalschutz schien nicht vereinbar mit Sicherheitsanforderungen. Die Brücke steht heute, hübsch gestrichen, ohne Anschluss sinnlos da. Eine Nutzung als Radweg ist laut Verwaltung „angedacht“. Dieser müsste über das Dach eines neu gebauten Biomarktes verlaufen.

Im Jahr 2012 war Brücke 5 saniert worden. Die Anschlüsse für den Radweg fehlen bis heute. Foto: Jörn Hasselmann
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