Hallo, Handwerker? Der S- und U-Bahnhof Yorckstraße ist ein wichtiger Umsteigeknoten, doch die Station sieht schlimm aus. Foto: Kai-Uwe Heinrich,
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Verkehr in Berlin Bahnhof Yorckstraße wird saniert – aber nur unten

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Ganz schön schäbig ist der Berliner Bahnhof Yorckstraße. Für nächstes Jahr plant die BVG einen großen Umbau des U-Bahn-Bereichs. Die S-Bahnsteige aber bleiben, wie sie sind.

Ob der U-Bahnhof Rathaus Spandau wirklich zu den zehn schönsten Stationen der Welt gehört, wie das Portal Travelcircus meint, ist sicher diskussionswürdig. Der Bahnhof Yorckstraße, der aus drei Bereichen besteht, hätte dagegen gewiss die Chance, bei den schaurigsten Stationen ganz vorn zu landen. Eine der meistgenutzten Stationen im Netz von S- und U-Bahn ist auch eine der hässlichsten. Doch jetzt ist Besserung in Sicht.

Lasst die Lamellen leuchten

Im nächsten Jahr will die BVG mit der Schönheitskur für den U-Bahnhof an der Linie U 7 (Rudow–Spandau) beginnen. Sie plant einen großen Umbau, der den 1971 eröffneten Bahnhof völlig verändern wird. Die für die Station typischen orangefarbenen Fliesen sind gefühlt schon vor einer Ewigkeit abgeschlagen worden. Gut die Hälfte war nach Angaben von Uwe Kutscher, Bauchef bei der BVG, lose. Seither dürfen Fahrgäste auf die nackten Betonwände blicken, die immerhin schnell beschmiert waren. Schöner ist es dadurch nicht geworden.

Die BVG lässt beim Umbau die Wände nun streichen; Fliesen gibt es dort keine mehr. Abschnittsweise auf den Wänden angebrachte Lamellen, die ein „Y“ (für Yorckstraße) symbolisieren, sollen das Licht unterschiedlich reflektieren. Auch die Zwischendecke soll entfernt werden, wodurch die Halle rund eineinhalb Meter höher wird. Über den Gleisen und dem Bahnsteig erwecken gebogene beleuchtende Lamellen den Eindruck einer gewölbten Decke. Das Konzept stammt von der Architektensozietät Birkel, Unger & Partner.

So soll der U-Bahnhof in Zukunft mal aussehen. Simulation: promo/Birkel, Unger, Partner
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Bis es so weit ist, passieren Fahrgäste in den Treppenhäusern und Gängen stumpf gewordene und beschmierte Fliesen, sofern vorhanden, und Stellen mit abgefallenem Putz. Schäbig beschreibt den Zustand nur unzureichend. Bis zum Beginn der Arbeiten will die BVG hier nichts mehr investieren. Ab und zu werden immerhin die noch vorhandenen Fliesen gereinigt.

Die S-Bahnsteigen bleiben unverändert – vorerst

Der Bahnhof soll aber nicht nur schöner werden, sondern für die Fahrgäste auch bequemer. Am östlichen Ende baut die BVG auf der Nordseite neben dem Biomarkt ein neues Eingangsgebäude mit einem weiteren Aufzug. Bisher gibt es nur einen Aufzug am westlichen Ende. Fahrgäste, die von dort zum Bahnsteig der S-Bahn-Linie S 1 (Potsdam–Oranienburg) wollen, müssen die Yorckstraße überqueren.

Wenn das neue Schmuckstück fertig ist, zeigen sich den Fahrgästen zwei Welten: Auf den beiden Bahnsteigen der S-Bahn, die schon lange vor dem Zweiten Weltkrieg als Provisorien gebaut worden waren, wird sich auf absehbare Zeit nichts ändern. Die Bahn will zwar die Anlagen umbauen und modernisieren, doch Termine dafür gibt es weiter nicht.

An der Station der S 2 (Blankenfelde–Bernau), in der auch die Züge der S 25/26 (Teltow Stadt–Hennigsdorf/Waidmannslust) halten, soll ein zweiter Bahnsteig mit zwei Gleisen für die S 21 genannte Verbindung zwischen dem Nordring und dem Südring mit den Zwischenstationen Hauptbahnhof, Potsdamer Platz und Gleisdreieck entstehen.

Derzeit wird erst am Abschnitt vom Nordring zum Hauptbahnhof gebaut. Die Vorentwurfsplanung für den Umbau an der Yorckstraße soll nach derzeitigem Stand voraussichtlich bis 2021 abgeschlossen sein, sagte ein Sprecher. Der Baubeginn sei aktuell allerdings nicht zu terminieren.

Keine verkürzten Wege

Einen perfekten Umsteigebahnhof wird es aber auch später nicht geben. Den Wunsch des Senats, die Bahnsteige der S-Bahn über die Yorckstraße zu legen, um den Weg zum U-Bahnhof zu verkürzen, will die Bahn nicht erfüllen – oder sich bezahlen lassen. Stattdessen sollen die Fahrgäste die Yorckstraße wie bisher auf einer neuen Brücke überqueren, weil auch die neuen Bahnsteige auf der Südseite liegen bleiben.

Immerhin kann die BVG unabhängig von den Plänen der Bahn bauen. Auch bei ihr haben sich die Arbeiten verzögert. Ob es bei den 2015 prognostizierten Kosten in Höhe von rund sieben Millionen Euro bleibt, ist auch ungewiss. Ganz untätig bleibt aber sogar die Bahn nicht. Sie lässt die 1985 errichtete Holzbrücke über der Yorckstraße, die als Provisorium gedacht war, derzeit immerhin neu streichen.

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