Drei Köchinnen schauen in der veganen Mensa auf dem Campus der Technischen Universität auf einen Monitor mit dem aktuellen Speiseplan. Foto: Monika Skolimowska/dpa
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Vegane Mensa in Berlin Eine Trennung von den Fleischessern hilft niemandem

Das Studierendenwerk Berlin eröffnet eine Vegan-Mensa. Das ist falsche Identitätspolitik für eine kleine Gruppe. Ein Kommentar.

Es gibt ein Leben ohne Fleisch. Sei es aus Gewissensgründen, aus Überzeugung, für die Gesundheit. Das Berliner Studierendenwerk hat nun an der Technischen Universität eine Vegan-Mensa eröffnet. Ja, eine Mensa nur für den Verzehr von veganen Speisen, in denen keine tierische Produkte enthalten sind. Wer es mag und möchte.

Vegetarisches gibt es in jeder Mensa

Das Studierendenwerk, das seit geraumer Zeit nicht mehr Studentenwerk heißt, ist nach eigener Auskunft eine „Anstalt des öffentlichen Rechts und daher mit einer öffentlichen Aufgabe betraut“, nämlich die „Versorgung von Studierenden sicher zu stellen“.

An der Freien Universität gibt es schon seit 2010 Deutschlands erste vegetarische Mensa „Veggie No. 1“. Die Nachfrage ist groß, heißt es. Vegetarier essen kein Fleisch, nehmen aber zumindest tierische Produkte zu sich, etwa Milch, Käse, Eier. Das neue Vegan-Restaurant heißt nun „Veggie 2.0“.

Derlei bleibt ein Nischenangebot, so das Studierendenwerk. Die meisten Gäste werden in den üblichen Mensen gezählt. Auch dort gibt es nicht nur Fleischgerichte, sondern auch „täglich ein bis zwei vegetarische“ oder „vegane Essen, viele vegetarische und vegane Beilagen sowie ein Klimaessen aus rein veganen Zutaten“.

Jeder bleibt in seiner Ernährungsblase

Gegen den Vegan-Trend ist nichts einzuwenden. Die Menschen ernähren sich bewusster, Essen wird politischer. Das ist gut so. Und doch hat eine Vegan-Mensa einen Beigeschmack, in vielerlei Hinsicht. Das politische Statement verpufft. Die Fleischesser und jene, die vegan und vegetarisch für Quatsch oder für gefährliche Mangelernährung halten, bleiben unter sich.

Die Auseinandersetzung an der Essenausgabe mit Fragen nach einer ausgewogenen Ernährung und nach der Herkunft des Mittagsmahls wird gemieden. Stattdessen bleiben jene, die für sich in Anspruch nehmen, sich bewusster und respektvoller gegenüber ihrer Umwelt zu ernähren, unter sich.

Das ist Identitätspolitik mit Nahrungsmitteln für eine kleine Gruppe. Und die Fleischesser kommen nicht mehr mit den Veganern an einen Tisch – jedenfalls wird bewusst die Chance zur Begegnung gesenkt. Jeder bleibt in seiner Filter- oder Ernährungsblase.

Hinzu kommt: Das Studierendenwerk wird finanziert durch das Land Berlin und Beiträge der Studenten. Seine Aufgabe ist es nicht, Identitätspolitik durch einen getrennten Mittagstisch zu betreiben. Sehr wohl wäre es seine Aufgabe, eine Atmosphäre zu schaffen, in der sich beide, jene, die Fleisch essen, und jene, die es ablehnen, wiederfinden, sich begegnen und tolerieren. Und bestenfalls über ihre Ernährung ins Gespräch kommen.

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