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In der Bezirkszentralbibliothek Tempelhof-Schöneberg sind wieder Bücher zerstört worden. imago/Joko
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Vandalismus in Berlin Schon wieder Bücher in Zentralbibliothek Tempelhof-Schöneberg zerstört

In Tempelhof-Schöneberg sind einige Bücher zum wiederholten Mal zerschnitten worden. Es ist der dritte Vorfall innerhalb weniger Monate.

Zum dritten Mal innerhalb weniger Monate sind in der Bezirks-Zentralbibliothek Tempelhof-Schöneberg, dem „Eva-Maria-Buch-Haus“, Bücher zerstört worden, in diesem Fall fünf. Dies teilte Boryano Rickum, Leiter aller Bibliotheken im Bezirk Tempelhof-Schöneberg, mit. Erneut sind dabei Titel betroffen, die sich auf kritische Weise mit rechten Tendenzen beschäftigen.

Vier der Bücher waren bereits bei den ersten Vorfällen zerschnitten worden. Darunter sind die Titel von Philip Schlaffer: „Hass.Macht.Gewalt – Ein Ex-Nazi und Rotlicht-Rocker packt aus“ und von Patrick Stegemann und Sören Musyal: „Die Rechte Mobilmachung – wie radikale Netzaktivisten die Demokratie angreifen.“ Neu zerschnitten wurde „Recht gegen Rechts Report 2020“.

Im aktuellen Fall hat der Täter oder haben die Täter Seiten herausgerissen oder kleine Gipsklumpen zwischen die Seiten gelegt und dann das Buch zugedrückt.

Die zerstörten Bücher lagen unter einem Regal, wo sie am vergangenen Freitag von Mitarbeitern der Bücherei gefunden wurden.

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Da Rickum erst interne Abläufe abgewartet hatte, teilte er die Zerstörung mit Verspätung mit. Bei der Polizei wurde Anzeige gegen Unbekannt erstattet. Tobias Dollase (parteilos für die CDU), Kulturstadtrat des Bezirks Tempelhof-Schöneberg, verurteilt den erneuten Vorfall. Dollase erklärte in einer Pressemitteilung: „Dieser wiederholte rechte Übergriff auf die Bibliothek in Tempelhof ist feige und zielt auf unsere Meinungsfreiheit und Demokratie. Und ist leider kein Einzelfall, so wurden jüngst in dieser Bibliothek wieder unbefugt Propagandamaterialien rechter Gruppierungen ausgelegt. Bibliotheken sind starke Orte des Wissens und der Freiheit, die es zu verteidigen gilt. Wir werden uns auch in Zukunft solchen rechten Angriffen gemeinsam und entschlossen entgegenstellen.“

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Rickum erklärte gegenüber dem Tagesspiegel: „Uns ist es wichtig, dass wir uns als Bibliothek mit unseren Mitteln bibliothekarischer Arbeit gegen diesen erneuten rechtsextrem motivierten Angriff erwehren und die Intention des Täters oder der Täter in ihr Gegenteil verkehren und in einen prodemokratischen Akt wandeln.“

Lesereihe als Reaktion auf die Zerstörungen

Nach den ersten Vorfällen hat die Bücherei die Lesereihe „Starke Seiten“ organisiert. Dabei lesen Autoren, deren Bücher zerstört wurden, aus ihren Werken und führen anschließend Diskussionen mit dem Publikum. Rickum sagte dazu: „Mit unserer Reihe ‚Starke Seiten' fahren wir unbeirrt fort. Wir wollen, dass die Menschen in unserem Bezirk noch stärker dazu ermuntert werden, sich kritisch mit Rechtsextremismus auseinanderzusetzen, vor allem: sich darüber auch bei uns in der Bibliothek regelmäßig gemeinsam austauschen zu können. Wir wollen also regelmäßig Öffentlichkeit zu solchen Themen schaffen.“

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