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Reisende gehen ein einem Flughafen mit Koffern durch die Abflughalle. Foto: Henning Kaiser/dpa
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Urlaubsrückkehrer in Berlin Viele Corona-Fälle nach Spanien-Reisen – hohe Dunkelziffer

Von Flugreisenden erhalten die Berliner Bezirke digitale Einreiseanmeldungen. Doch wer etwa mit dem eigenen Auto oder per Bus kommt, fällt durchs Raster.

Zwei Drittel der Neuinfektionen in Berlin-Reinickendorf rechnet Amtsarzt Patrick Larscheid „türkischen Reiserückkehrern“ an. Von 619 Rückkehrern in einer Woche seien 60 positiv getestet worden, sagte der Medizinische Direktor des Gesundheitsamtes. 45 Personen seien als Deutsche mit türkischem Migrationshintergrund oder in Berlin lebende türkische Staatsbürger identifiziert worden.

Larscheid betonte, dass das eine Momentaufnahme aus der vergangenen Woche sei. „Jetzt geht die Tendenz der positiv getesteten Reiserückkehrer mehrheitlich in Richtung Balkan und Spanien“, sagte Larscheid am Montag. Man müsse die Entwicklung beobachten, lautet seine Einschätzung. Andere Bezirke können nicht bestätigen, dass zwei Drittel der positiv Infizierten gerade aus der Türkei zurückgekehrt sind.

Der Neuköllner Amtsarzt Nicolai Savaskan sagte, von rund 400 Reiserückkehrern pro Woche würden rund 40, also zehn Prozent, positiv getestet. Die Fallermittler würden dann eine „Reiseanamnese“ erstellen: Wo war die Person im Urlaub, hat sie dort Feste oder Clubs besucht, gab es Kontakt mit Verwandten?

Dabei sind die Ermittler darauf angewiesen, dass die positiv Getesteten kooperieren und wahrheitsgemäß antworten. „Wir wollen als Partner, nicht als Hygienepolizei wahrgenommen werden“, sagte Savaskan. In Neukölln würden derzeit viele positiv Getestete nach einem Urlaub in Spanien oder Griechenland registriert.

„Wir wollen als Partner, nicht als Hygienepolizei wahrgenommen werden“

Falko Liecke (CDU), für Jugend und Gesundheit zuständiger Stadtrat und stellvertretender Bezirksbürgermeister, sagte, dass in Neukölln 10.417 Reiserückkehrer aus Risikogebieten vom 1. bis 23. Juli registriert wurden, die sich über die digitale Einreiseanmeldung angemeldet hatten. Darunter kamen 5498 aus der Türkei, von denen elf Personen positiv getestet wurden.

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1971 Reiserückkehrer waren zuvor in Spanien. Darunter verzeichnete das Neuköllner Gesundheitsamt 16 positiv Getestete. Aus Griechenland reisten 787 zurück nach Berlin, darunter waren zwei positiv Getestete. Und aus den Niederlanden kamen 364 Reiserückkehrer. Drei davon wurden positiv auf Corona getestet.

In Charlottenburg-Wilmersdorf wurden seit dem 27. Juni 445 positiv getestete Fälle gezählt. Amtsärztin Nicoletta Wischnewski sagte, bei rund 50 Personen konnte ermittelt werden, dass die Infektion mit einer Reise zusammenhing. Bei den restlichen Fällen habe man diesen Kontext nicht eindeutig herstellen können. Die Reiserückkehrer seien aus allen möglichen Ländern gekommen: Spanien, Dänemark, Griechenland, Türkei, Italien und aus Russland.

Tempelhof-Schöneberg hatte rund 10.000 Reiserückkehrer in den vergangenen 3,5 Wochen. Gesundheitsstadtrat Oliver Schworck (SPD) sagte, dass darunter 39 positiv getestet wurden. Rund 60 Prozent der positiv getesteten Reiserückkehrer wären aus Spanien gekommen.

Für Friedrichshain-Kreuzberg wurden in der Woche vom 12. bis 18. Juli 5041 Reiserückkehrer registriert. 72 Personen wurden in dieser Woche positiv getestet, wobei die Sprecherin des Bezirks, Sara Lühmann, betonte, dass es keine Statistik und Zahlen gebe, wie viele der 72 Positivfälle auf Reisen zurückzuführen sind. Vom Bezirk Mitte gab es auf Anfrage bis Dienstagvormittag keine Stellungnahme.

Hohe Dunkelziffer bei Reiserückkehrern

Die Dunkelziffer, wie viele Reiserückkehrer ein positives Testergebnis haben, ist vermutlich sehr groß. Denn viele Reisende kehren per Bus oder mit dem eigenen Fahrzeug zurück nach Berlin. Von denen erhalten die Bezirke keine digitalen Einreiseanmeldungen.

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Einreisende aus allen Risikogebieten im Ausland müssen sich vor der Einreise digital anmelden. Vollständig Geimpfte und Genesene können auf dem Portal entsprechende Nachweise hinterlegen. Rückreisende aus Risikogebieten müssen einen Test vorlegen. Bei Einreisen aus Virusvarianten-Gebieten darf der Test nicht älter als 24 Stunden, PCR-Tests nicht älter als 72 Stunden sein.

Wer aus einem Hochrisikogebiet (Hochinzidenzgebiet oder Virusvarianten-Gebiet) einreist, muss den Test vor Einreise machen. Außerdem müssen Quarantäneregeln eingehalten werden. Ab Dienstag gelten die Niederlande und Spanien nach einer Hochstufung des Robert Koch-Instituts wieder als Hochinzidenzgebiete.

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