Er will nicht die ganze Welt ändern, aber etwas lostreten: Waldemar Zeiler, Initiator des "Unfuck the world"-Town-Hall-Meetings. Foto: Kristin Kruthaup/dpa
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„Unfuck the world“ in Berliner Markthalle „Jede Veränderung beginnt mit einer Diskussion“

Die Markthalle Neun als Thinktank. Das Town Hall Meeting bringt Menschen zusammen, die die Welt retten möchten. Ein Gespräch mit dem Initiator Waldemar Zeiler.

„Unfuck the world“ – unter diesem Motto steht das Town Hall Meeting am Mittwoch in der Martkhalle Neun. Ist das nicht ein etwas zu großes Vorhaben für eine vierstündige Abendveranstaltung?

Ja, absolut, und wiederum auch nicht. Jede Veränderung beginnt mit einer kleinen Idee oder einer Diskussion. Das Thema ist natürlich groß gewählt und wir haben nicht den Anspruch, die ganze Welt zu ändern, aber etwas loszutreten. Wir wollen Menschen aus verschiedenen Bereichen zusammenbringen. Und die lassen dann die Synapsen knallen und da entsteht vielleicht etwas Tolles. Und ansonsten haben wir einfach ganz viel Spaß zusammen.

Warum muss man die Welt überhaupt „unfucken“?

Etwas zu „unfucken“ bedeutet für uns, ein Problem zu lösen. Aufhänger ist sicherlich die Klimakrise. Dass wir jetzt neun oder zehn Jahre Zeit haben, die Krise, in der wir schon sind, abzuwenden und klimaneutral zu werden. Das wirkt sich auf ganz viele Bereiche aus: Wirtschaft, Politik, Banking, aber auch Fashion zum Beispiel. Ungleichheit ist ein anderes großes Thema. Ein Prozent der Menschheit besitzt mehr als 50 Prozent des globalen Vermögens. Und wir haben in der Vergangenheit gesehen, was passiert, wenn die Schere zu weit auseinandergeht. Das sind natürlich zwei Riesenthemen, mit denen man schon sehr lange beschäftigt ist.

Als Thinktank zu den großen Fragen unserer Zeit bewerben Sie den Abend. Wie kann man sich die Veranstaltung denn vorstellen?

In der Markthalle Neun gibt es normalerweise Essen aus aller Welt an verschiedenen Ständen, da kann man ganz viel probieren. Wir haben uns gedacht, wir bauen die Stände auf, aber anstatt dort Essen zu verkaufen, stellen wir Leute rein, die Wissenshäppchen vermitteln. Wir vergeben dann bei jedem Stand Stempel, wie auf dem Jakobsweg. Als Motiv natürlich eine Vagina oder ein Penis, es geht schließlich ums „unfucken“. Es gibt aber auch eine Bühne, wo jeder Stand einen kleinen Pitch präsentiert. Das können Interviews sein oder kurze Vorträge. Das Ganze ist ein Experiment, das ist uns wichtig. Es steckt kein professionelles Team dahinter. Ob es gelingt, hängt davon ab, wie wissenshungrig die Besucher sind. Kann auch sein, dass das Format nicht funktioniert. Aber ich glaube, es wird gut.

Auf welche Vorträge freuen Sie sich besonders?

Ich freue mich auf jeden Fall auf Fridays for Future Berlin. Die haben einen Stand und ich werde sie interviewen. Auch Luisa Neubauer ist dabei. Direkt daneben werden die Scientists for Future mit ihrem Initiator Gregor Hagedorn stehen. Der Professor Günter Faltin, der das Ökonomie-Buch „David gegen Goliath“ geschrieben hat, hält einen Vortrag über das Thema „Unfuck the economy“. Außerdem kommt Christina Lunz. Sie hat das „Centre for Feminist Foreign Policy“ mitbegründet und ist Beraterin für das Auswärtige Amt.

Die Journalistin Eva Schulz von Deutschland 3000 wird zusammen mit Correctiv über „Unfuck media“ sprechen. Und Michael Bohmeyer, Gründer von „Mein Grundeinkommen“ über „unfuck income“. Es wird keine Frontalvorträge geben, sondern die Besucher sollen mit einbezogen werden. Und sie können an Biertischen auch selber ein Thema aufmachen, über das sie sprechen wollen. Das Event ist nicht kommerziell, der Eintritt ist frei, wir haben keinen Sponsor, und werden auch selbst keine Werbung machen. Es geht uns einfach um den Austausch.

Waldemar Zeiler, 36, ist Mitgründer von „Einhorn“, ein Berliner Start-up, das vegane und nachhaltige Kondome und Periodenprodukte verkauft. Das Town Hall Meeting findet am Mittwoch, 17. Juli, von 18 bis 22 Uhr, in der Markthalle Neun, Eisenbahnstraße 42/43 in Kreuzberg statt. Um Anmeldung wird gebeten: www.eventbrite.com/e/unfuck-the-world-town-hall-meeting-berlin-tickets-61376435571

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