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Katharina Thalbach und Martin Woelffer haben bereits die Kartons gepackt für den Umzug ins Schillertheater. Foto: DAVIDS/Sven Darmer
© DAVIDS/Sven Darmer

Umzug ins Schiller-Theater Ku'damm-Bühnen stellen neues Programm vor

Markus Lücker

Die Komödie am Kurfürstendamm zieht um. Im Programm für die kommende Spielzeit dreht sich alles um die liebe Familie.

An der Wand prangt ein Banner mit Foto vom Schiller-Theater. Auf der Bühne stehen die Umzugskartons bereit: In der Komödie am Kurfürstendamm ist alles auf den Start im Übergangshaus in der Bismarckstraße ausgerichtet. Am Freitag stellte Hausdirektor Martin Woelffer den Spielplan für die kommende Saison 2018/ 2019 vor. Den Start macht Autor John von Düffel mit einer Adaption des Films „Willkommen bei den Hartmanns“. Die Uraufführung ist für den 23. September 2018 angedacht.

Viel steht noch nicht. Weder Stück noch Besetzung sind bislang final. In der 2016 erschienenen Filmvariante nimmt die Familie Hartmann den aus Nigeria Geflüchteten Diallo Makabouri auf. Das führt nicht nur innerhalb der Familie zu Spannungen, sondern auch zu einem Angriff von Rechtsradikalen. Woelffer sagte, dass die Handlung von München nach Berlin verlegt werde. „Hier ist die ganze Problematik ein bisschen rauer, ein bisschen näher.“

Für viele der Schauspieler und Regisseure ist der Umzug ins Schiller-Theater mit heftigen Emotionen verbunden. Der bisherige Standort am Kurfürstendamm soll abgerissen werden. Das Schiller-Theater wird bis 2021 als Übergangshaus dienen. Dann soll die Komödie an den alten Ort zurückkehren, diesmal allerdings in den Keller des dort neu errichteten Gebäudes. Nur das Foyer wird oberirdisch sein. Der Streit über die Zukunft des Theaters hatte sich über 15 Jahre hingezogen.

Die bei der Programmvorstellung anwesende Schauspielerin Katharina Thalbach nannte es eine Schande und kulturlos, wie mit den historischen Theatern des Berliner Regieinnovators Max Reinhardt umgegangen werde. „Ich kann gar nicht sagen, wie ich mich schäme für meine Stadt.“ Deshalb habe sie auch gezögert, als eine Rolle im neuen Haus angeboten wurde.

Rückzug in die Familie

Für Thalbach ist der Umzug an das Schiller-Theater auch eine Rückkehr. 1992 spielte sie hier unter Regie ihres Vaters Benno Besson den Außerirdischen Hase Hase im gleichnamigen Stück. 27 Jahre später soll Thalbach im Januar erneut die alte Rolle spielen. Sie sei wieder der Hase, „wenn auch ein alter Hase“. Dass sie die Rolle überhaupt angenommen hat, liege an der neuen Regie. Die übernimmt die ursprüngliche Autorin des Stücks und ehemalige Lebensgefährtin von Benno Besson, Coline Serreau.

Die insbesondere für ihre Filmarbeiten berühmte Französin hat den Dramentext für die Neuauflage überarbeitet. In der ursprünglichen Fassung erzählt die Komödie von einer Familie in der Krise. Der Vater wird arbeitslos, eine der Töchter hat sich von ihrem Mann geschieden und zieht wieder bei ihren Eltern ein. Die Hoffnung der Familie, der angeblich Medizin studierende älteste Sohn der Familie, verkauft heimlich Waffen an Terroristen.

Letzteres sei es auch, was die Überarbeitung des Stücks notwendig gemacht habe, erklärte Serreau Die politische Situation habe sich verändert, erklärte Serreau. Gleiches gelte für den Terrorismus. „Ich habe das Stück so verändert, dass es von uns spricht in der jetzigen Zeit.“ In dieser neuen Zeit sei die Familie ein Rückzugsort und Ankerpunkt für unser Leben.

Trotz der ganz persönlichen Familienzusammenführung am Schiller-Theater bleibt die Rückkehr für Thalbach bizarr. 1993 mussten sie und das restliche Ensemble das Haus verlassen. Der Senat hatte das Theater aus finanziellen Gründen geschlossen „und jetzt gehen wir wieder in die alte Bruchbude zurück“, sagt Thalbach. Die Premiere für „Hase Hase“ soll am 20. Januar 2019 laufen. Weitere Kooperationen mit Coline Serreau sind bereits im Gespräch.

Das Theater öffnet sich

Die Familienthematik zieht sich in verschiedenen Formen durch einen Großteil des bislang bekannten Programms. In „Komplexe Väter“ spielen Jochen Busse und Hugo Egon Balder zwei altgewordene Familienväter, die um eine Ziehtochter buhlen.

Laut Martin Woelffer zwinge das neue Haus auch dazu, über neue Stilrichtungen nachzudenken. Das Schiller-Theater habe eine lange Tradition des klassischen Sprechtheaters. Namen wie Brecht und Shakespeare werden in den Raum geworfen. Dieser Wechsel im Programm liegt nicht allein an der Tradition, sondern auch am Standort des Hauses. Am alten Standort gäbe anders als am Kurfürstendamm keine Laufkundschaft, sagte Woelffer. Gemeint sind spontane Theaterbesucher, die sich beim Vorbeigehen durch Reklame zum Kartenkauf überzeugen lassen.

Eine Herausforderung sei es, das bisherige Publikum auch ins neue Haus zu bringen und gleichzeitig neues Publikum anzuziehen. Deshalb solle das Programm geöffnet werden. Über eine Kooperation mit der für ihre Tanzchoreographien bekannte Gruppe Sasha Waltz & Guests werde bereits diskutiert. Die letzte Vorstellung am alten Standort findet am 27. Mai statt.

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