Abraham Cooper Foto: Simon Wiesenthal Center
© Simon Wiesenthal Center

Umstrittener Empfang des teheranischen Bürgermeisters Rabbiner kritisiert Michael Müller

Michael Müller (SPD) wird nach dem Empfang des Bürgermeisters von Teheran vorgeworfen, dem iranischen Regime einen Gefallen getan zu haben.

Vier Tage nach dem umstrittenen Empfang des Bürgermeisters der iranischen Hauptstadt Teheran, Pirouz Hanachi, reißt die Kritik an Michael Müller (SPD) nicht ab.

Im Anschluss an ein Treffen zwischen dem Regierenden Bürgermeister und Abraham Cooper, Rabbiner des Simon Wiesenthal Centers mit Sitz in Los Angeles, bezeichnete dieser den Empfang Hanachis als Fehler und warf Müller vor, dem iranischen Regime einen Gefallen getan zu haben. „Solche Treffen steigern deren Legitimität. Es ist ein Sieg für das iranische Regime“, erklärte Cooper.

Hanachi, der den von der USA als Terrororganisation eingestuften Revolutionsgarden angehört haben soll und im Mai am antisemitischen Al-Quds-Marsch teilgenommen hatte, nannte er einen „Kriminellen“. Statt Politikern wie ihm eine Bühne zu geben, sollte Müller iranische Oppositionelle treffen und damit ein Zeichen gegen Antisemitismus setzen, erklärte Cooper.

Dem Rabbiner zufolge reagierte Müller positiv auf den Vorschlag und versicherte, ein solches Treffen zu prüfen. Zusätzlich dazu soll es zeitnah ein weiteres Treffen zwischen Cooper und der am Montag ebenfalls anwesenden Staatssekretärin Sawsan Chebli geben, was diese wenig später bestätigte.

„Was auf den Berliner Straßen passiert, spielt weltweit eine Rolle“

Entsetzt zeigte sich Cooper über die jüngsten Fälle von Gewalt gegenüber Juden in der Stadt. Angriffe wie jener auf den Rabbiner der Jüdischen Gemeinde, Yehuda Teichtal Ende Juli, würden weit über die Grenzen Berlins hinaus Wirkung entfalten. „Was auf den Berliner Straßen passiert, spielt weltweit eine Rolle“, erklärte Cooper.

Er rief Müller dazu auf, solchen Vorfällen „positive Zeichen an die israelische Community“ entgegenzustellen. Eine Verurteilung der von der Europäischen Union als Terrororganisation eingestuften Hisbollah-Miliz könnte so ein Zeichen sein, sagte Cooper. Der symbolische Charakter solcher Erklärungen dürfe nicht unterschätzt werden, erklärte der Rabbiner, die Welt schaue auf Städte wie Berlin.

Während Müller selbst nach dem Treffen mit Hanachi versichert hatte, diesem gegenüber das Existenzrecht Israels betont sowie Demokratie und Menschenrechte beworben zu haben, zieht in den sozialen Netzwerken ein Video des iranischen Oppositionspolitikers Kazim Moussavi weite Kreise.

Der Sprecher der oppositionellen „Green Party of Iran“ hatte Müller am Freitagnachmittag am Roten Rathaus abgepasst und ihm vorgeworfen, einen Antisemiten getroffen und Israel beleidigt zu haben. Im Gespräch mit dem Tagesspiegel verteidigte der seit 30 Jahren in Deutschland lebende Moussavi die Aktion und erklärte sich dazu bereit, seinerseits an einem Treffen mit Müller teilzunehmen. Das Video der Aktion erreichte mittlerweile mehr als 50 000 Menschen.

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