Eigentlich ganz schön. Kaum zu glauben, dass der Olivaer Platz radikal und teuer umgestaltet werden soll. Foto: Tsp
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Umgestaltung der Stadt Erleuchtet die Planer!

Peter Becker
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Obdachlose, marode Schulen, Baustellen: Berlin hat viele Probleme. In den Bezirken aber wird immer wieder sinnlos Geld verpulvert. Wie gerade jetzt am Olivaer Platz.

Das Leben ist eine Baustelle und Berlin allzeit im Werden, also eine ewige Großbaustelle. Leider färbt die Weisheit solcher Sprüche eher selten auf ihren Gegenstand ab. Oft genug ist da von „Planungswahnsinn“ die Rede. Um manche Verrücktheit im Großen zu begreifen, hilft freilich der Blick aufs Detail. Jüngstes Beispiel ist in Charlottenburg-Wilmersdorf die Umgestaltung des Olivaer Platzes. Um sie tobt seit Jahren ein Bürgerinitiativenkrieg, und zu Beginn dieser Woche hat der Bezirk dort mit ersten Abholzungen begonnen.

Hat Berlin nicht andere Sorgen?

Gewiss gibt es anmutigere Orte in unserem Hauptstädtchen. Aber so richtig mies oder fies ist das von Bäumen und Büschen umstandene Rechteck vor der Einmündung der Lietzenburger Straße in den Kurfürstendamm nun wirklich nicht. Vor allem im Frühjahr blüht da längsrum der Flieder, und der Autoparkplatz auf dem einen Teil der, ja, Halbgrünanlage verschwindet hinter den Sträuchern und Laubbäumen. Jetzt aber liegen am Rand hin zur Lietzenburger Straße dicke Haufen von weggeschnittenem Buschwerk. War das auch der Flieder, dann wären diese Zeilen ein Wutanfall.

In jedem Fall sind sie eine Warnung. Man fragt sich nämlich: Hat Berlin, hat ein Bezirk wie Charlottenburg-Wilmersdorf, wo die Obdachlosen auch diesen Winter wieder unter den Brücken liegen, wo Schulen marode sind und vorhandene Baustellen schier endlos, wo Anwohner spenden müssen, damit gestürzte, gefällte Bäume noch ersetzt werden, hat Berlin also nicht ganz andere Sorgen, als einen im Ganzen recht akzeptablen kleinen Stadtplatz ohne Not für mehrere Millionen Euro (jahrelang) umzubauen?

Ein mahnendes Exempel: der Lehniner Platz

Tatsächlich gibt es seit 2010 immer wieder modifizierte, von zahllosen Bürgerversammlungen, einem landschaftsgärtnerischen Wettbewerb und heftigen Diskussionen auf Senats- und Bezirksebene begleitete Planungen. Die Zahl der bislang gut 120 Parkplätze soll um die Hälfte reduziert werden, der Baum- und Buschbestand durch Fällungen, Ausgrabungen, Umsetzungen oder gar den Verkauf (sic!) von Pflanzen gelichtet werden: zugunsten einer zentralen Wiese und eines neuen Kinderspielplatzes. Die bisherigen Beete, Sitznischen und steinernen Einfassungen werden entfernt, und eine Café-Kiosk-Wurstbude an der Bushaltestelle am westlichen Rand des Platzes will man abreißen für ein als begrünter Pavillon gedachtes „Gartencafé“.

Das klingt zumindest gut gemeint. Aber ein mahnendes Exempel bietet der wenige Gehminuten entfernte, am Kurfürstendamm gegenüber der Schaubühne liegende Lehniner Platz. Dort wurden sämtliche, von Anwohnern und Theaterbesuchern genutzten Parkplätze ersatzlos geräumt, dafür eine Boule-Bahn angelegt – neben einer leeren Pflasterfläche und einem monströsen, flachen, an eine Grabplatte gemahnenden Wasserbecken aus schwarzem Stein. Boule spielt dort, direkt am verkehrsreichen Ku’damm, auch nach Jahren niemand, und das düstere Feuchtbecken nervt Eltern von Kleinkindern, die darauf ausglitschen können. Außerdem wurde einer der letzten schönen Kioske mit internationaler Presse im alten Großstadt-Boulevardstil abgerissen und ein dort vorgesehener Cafépavillon nie gebaut.

Wer soll auf diesem Spielplatz spielen?

Ich bezweifle, dass ich meine Kinder oder Enkel angesichts vieler anderer wunderbarer Spielplätze ausgerechnet auf dem Olivaer Platz, der doch einer größeren Verkehrsinsel gleicht, je rumtollen ließe. Nun verweisen die Umgestalter auf ein (umstrittenes) Lärmgutachten und beschwören mal wieder was? Natürlich Tempo 30 als Berliner Verkehrsberuhigungszauber. Außerdem sollen die Autos nach dem Wegfall von mindestens 60 Stellplätzen an die Lietzenburger umziehen, wo es ohnehin am Parkraum fehlt. Im Übrigen gilt ein Umbauargument der „mangelnden Sicherheit für unbegleitete Frauen nachts im Park“. Im „Park“! Es gebe zu viele dunkle, schwer einsehbare Ecken. Mag sein. Doch bräuchte es für ein neues Licht- und Sichtkonzept keinen millionenteuren Gesamtumbau. Nur etwas mehr Licht in manchem Planungskopf. Statt des scharfen Blicks für das Unwesentliche.

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