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Das Autobahndreieck Funkturm in Charlottenburg: ein Rundblick in den frühen Abendstunden. Foto: IMAGO/PEMAX
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Umbau des Dreiecks Funkturm Bürger und Politiker ärgern sich über sture Autobahn-Planer

Ab 2023 soll die Stadtautobahn in Charlottenburg modernisiert werden. Doch über die Einzelheiten wird gestritten, im Bezirk fühlen sich viele ausgebootet.

Das Umbaukonzept für das marode Autobahndreieck Funkturm stößt in Charlottenburg-Wilmersdorf auf starke Kritik – und sowohl Anwohner als auch Politiker fragen sich, ob die staatliche Planungsgesellschaft Deges überhaupt willens ist, noch etwas zu ändern. Das zeigte eine Sitzung der drei Ausschüsse für Verkehr, Umwelt und Stadtentwicklung der Bezirksverordnetenversammlung (BVV) am Mittwoch. Als Gäste nahmen rund 100 Bürger teil, vor allem aus den Siedlungen Eichkamp und Heerstraße. Einige hatten zuvor am Rathaus Charlottenburg für „nachhaltige“ und „stadtverträgliche“ Lösungen demonstriert.

Avus-Anschluss für die Messe Berlin

Besonders umstritten ist eine neue Zufahrt in Höhe der Jafféstraße und des Messedamms. Sie soll das Messegelände mit der Avus verbinden und die Anschlussstelle Messedamm ersetzen. Überlegungen für eine Brücke zur Avus sind vom Tisch, nun ist von einem Tunnel die Rede. Gleichwohl werde überregionaler Verkehr durch Stadtstraßen fließen und damit auch die "Unfallgefahr erhöht", beklagte der Siedlerverein Eichkamp. Der Berliner Deges-Chef Andreas Irngartinger widersprach: „Wir leiten keinen Verkehr durch die Siedlung Eichkamp.“
Bezirksbaustadtrat Oliver Schruoffeneger (Grüne) warb dafür, die neue Zufahrt weiter von der Wohngegend entfernt „nördlich der Avus-Tribüne“ anzulegen. So hatte er es bereits im Dezember in einem Positionspapier gefordert, das von der BVV-Mehrheit unterstützt wird.

Karte: Geplanter Umbau am Dreieck Funkturm - Infografik

Wie schnell darf künftig gefahren werden?

Ein weiterer Konflikt dreht sich um das Tempolimit am Autobahndreieck. Das Bezirksamt wünscht sich 50 bis 60 km/h, um den Lärm und den Flächenverbrauch zu senken. Dagegen will die Deges das jetzige Tempo von 80 km/h beziehungsweise 60 km/h an Rampen beibehalten. Die Planer glauben übrigens, dass die Verkehrsbehörden künftig auch auf der ganzen Avus Tempo 80 anordnen werden. Bislang gilt dies dort nur in Teilen, etwa neben der Siedlung Eichkamp. Größtenteils sind 100 km/h erlaubt.

Zum Verdruss der Zuhörer präsentierte die Deges ihre „Vorzugsvariante“ genauso wie bei der ersten Informationsveranstaltung im vorigen November. Grünen-Fraktionschef Christoph Wapler sprach von einer „schlechten Planung“, bei der es anscheinend keinen Unterschied mache, ob „auf der grünen Wiese oder in der gewachsenen Stadt“ gebaut werde. Die Berliner Grünen-Abgeordnete Petra Vandrey nannte es „einen Witz“, dass die Deges versuche, sieben Meter hohe neue Lärmschutzwände „den Anwohnern als Vorteil zu verkaufen“.

Teil-Überbauung der A100 wird geprüft

Die FDP-Fraktion bedauerte, die von Landes- und Bezirkspolitikern geforderte „Deckelung“ von Teilen der A100 werde „außer Acht gelassen“. Martin Burth (SPD) vermisste eine Einbeziehung der Ideen für die Wiederbelebung des Internationalen Congress Centrums (ICC). Denn manche Architektenentwürfe sehen rundum Grünflächen über der Autobahn vor. Die Deges teilte mit, sie bereite in Absprache mit der Senatsverkehrsverwaltung eine Machbarkeitsstudie zur Deckelung vor. Die hohen Kosten für neue Tunnel müsste vermutlich das Land Berlin tragen: „Wer bestellt, bezahlt“, hieß es.

Ende Februar geht die Bürgerbeteiligung weiter

Für den 26 und 27. Februar ist eine öffentliche „Themenwerkstatt“ geplant. Interessierte können sich ab dem 20. Januar unter www.deges.de anmelden. Bezirksverordnete wie Wolfgang Tillinger (SPD) befürchten jedoch, dass es „wohl mehr eine Informationsveranstaltung als eine Bürgerbeteiligung wird“.

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