Pola Negri und Harry Liedtke in einer Szene aus dem Film „Sumurun“ von Ernst Lubitsch. Foto: picture-alliance
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Ufa-Filmnächte Liebe, Lust und und Leidenschaft

Ende August zeigen die Ufa-Filmnächte Stummfilm-Klassiker auf der Museumsinsel. Diesmal ist mit „Sumurun“ sogar ein Film dabei, der Thomas Mann zu einer Episode in seinem Roman „Der Zauberberg“ inspirierte.

Überlassen wir dem Filmkritiker Hans Castorp eine erste Vorstellung des Films: „Es war eine aufgeregte Liebes- und Mordgeschichte, die sie sahen, stumm sich abhaspelnd am Hofe eines orientalischen Despoten, gejagte Vorgänge voll Pracht und Nacktheit.“ Hans Castorp? Zugegeben, kein hauptamtlicher Rezensent, vielmehr Patient im Sanatorium Berghof in Davos, den es an einem Abend mit seinen Begleitern in ein dortiges Bioskop- Kino verschlagen hat, zu Ernst Lubitschs Stummfilm „Sumurun“. Thomas Mann hat die abenteuerliche Geschichte aus dem alten Bagdad der Harems, Scheichs, Tänzerinnen und Eunuchen am 23. September 1920 im Münchner Lichtspieltheater Sendlingertor gesehen und war davon so beeindruckt, dass er das cineastische Erlebnis gleich in seinem Roman „Der Zauberberg“ verarbeitete und seinen etwas unbedarften Helden Castorp ebenfalls solch einen Kinoabend erleben ließ.

Kinohistorisch gesehen, befinden sich die Zuschauer, die am 23. August im Kolonnadenhof der Museumsinsel, gegenüber der Alten Nationalgalerie Lubitschs „Sumurun“ genießen, also in bester Gesellschaft. Zum bereits achten Mal laden Bertelsmann und Ufa an drei Sommerabenden zu den Ufa-Filmnächten ein. Zunächst vor der Orangerie im Schlosspark Sanssouci, dann auf dem Schinkelplatz in Berlin-Mitte ausgerichtet, finden die dem deutschen Stummfilmerbe gewidmeten Nächte seit 2014 unter freiem Himmel auf der Museumsinsel statt, vor jeweils über 800 Gästen pro Abend.

Elisabeth Bergner in einer klassischen Hosenrolle

Die Reihe wird am 22. August mit „Der Geiger von Florenz“ eröffnet, 1925 in den Berliner Efa Ateliers, in der Mark Brandenburg sowie am Luganer See gedreht und am 10. März 1926 im Gloria-Palast am Kurfürstendamm uraufgeführt. Unter der Regie ihres späteren Ehemannes Paul Czinner trat Elisabeth Bergner, Traumfrau jener Jahre, 1933 als Jüdin mit ihrem Mann emigriert, in einer klassischen Hosenrolle auf.

Die Ufa-Filmnächte an der Alten Nationalgalerie gehören zu Berlins beliebtesten Open-air-Spielstätten. Foto: Thomas Ecke/Berlin Vergrößern
Die Ufa-Filmnächte an der Alten Nationalgalerie gehören zu Berlins beliebtesten Open-air-Spielstätten. © Thomas Ecke/Berlin

Sie spielt die junge lebenslustige Renée, die auf Betreiben ihrer Stiefmutter ins Internat abgeschoben wird und dort auch die Ferien über bleiben soll, aber das lässt sie sich nicht bieten. Sie verkleidet sich als Junge, reist in die Toskana, lernt in Florenz einen Künstler kennen, der den „Jungen“ als „Geiger von Florenz“ porträtiert und damit einen Riesenerfolg landet. Auch der Vater im fernen Deutschland sieht eine Abbildung, erkennt seine Tochter – nun, es mündet in ein klassisches Happy End. Musikalisch untermalt wird die Geschichte durch eine Neukomposition von Uwe Dierksen, der diese mit seinem Ensemble auch aufführt.

Pola Negri als verführerische Tänzerin

Am folgenden Abend dann „Sumurun“ von Ernst Lubitsch, 1920 uraufgeführt. Der Regisseur spielt selbst mit, mimt einen Buckligen, dessen Rolle ein wenig an den Quasimodo, den Glöckner von Notre-Dame, erinnert – eine traurige Nebenfigur, die aber der Handlung die entscheidende, wenngleich blutige Drehung hin zum – ja, auch hier – Happy End bringt. Jedenfalls ist sie dies für den schmucken Stoffhändler Nur-al-Din (Harry Liedtke) und die schöne Sumurun, die Lieblingsfrau des alten Scheichs (Paul Wegener).

Ganz und gar nicht glücklich endet es aber für diesen selbst, auch nicht für seinen Sohn (Carl Clewing) und schon gar nicht für die schöne Tänzerin (Pola Negri), die beiden den Kopf verdreht hat. Überlebenschancen in diesem Dreieck der Leidenschaft: gleich Null. Zu dieser Melange aus Liebe, Lust und Leidenschaft gibt es eine Neukomposition von Trioglycerin.

Sittenapostel in der Pariser Unterwelt

Den Dreiklang der Ufa-Stummfilme beschließen am 24. August „Die Apachen von Paris“ von Nikolai Malikoff (1927) – eine deutsch-französische Komödie über die Doppelmoral von Sittenaposteln, die sich diesmal die kleinkriminellen Bewohner der Viertel Bastille und Montmartre, eben die Apachen von Paris, für ihre Bekehrungsversuche auserkoren haben. Die Musik dazu liefert die holländische Komponistin und Pianistin Maus Nelissen & The Sprockets, ebenfalls mit einer Neukomposition.

Die Ufa-Filmnächte finden vom 22. bis zum 24. August 2018 auf der Museumsinsel in Berlin-Mitte statt. Mehr Infos unter www.ufa-filmnaechte.de

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