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Beatrice Kramm gratuliert ihrem Nachfolger Daniel-Jan Girl an der Spitze der Berliner Industrie- und Handelskammer. Foto: Kevin P. Hoffmann
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Überraschende Wahl Berlins IHK macht Digital-Unternehmer Girl zum Präsidenten

Damit hatte niemand gerechnet: Der 40-jährige Daniel-Jan Girl folgt Beatrice Kramm an der Spitze der Industrie- und Handelskammer nach. Kramms Kandidat verlor.

Große Überraschung für viele externe Beobachter und Insider der Berliner Industrie- und Handelskammer (IHK): Die Vollversammlung, das oberste beschlussfassende Gremium der Kammer, hat am Dienstagnachmittag Daniel-Jan Girl zum neuen Präsidenten gewählt.

Der 40-jährige Digital-Unternehmer trat damit die Nachfolge von Beatrice Kramm an. Die 55-Jährige hatte das Ehrenamt vor fünfeinhalb Jahren vom ehemaligen DIHK-Präsidenten und Alba-Miteigentümer Eric Schweitzer übernommen – als erste Frau.

Als Kramm im Juni mitteilte, dass sie nicht für eine zweite Amtszeit kandidieren werde, war dies ebenfalls eine Überraschung. Kramm nominierte damals das Präsidiumsmitglied Tobias Weber als ihren Nachfolger. Es galt als ausgemacht, dass der Geschäftsführer des Familienunternehmens City Clean zum Präsidenten gewählt wird.

Doch Ende vergangener Woche erklärte Girl seine Kandidatur für das Amt. Girl, Gründer der Deutschen Gesellschaft für multimediale Kundenbindungssysteme mbH, einer Firma mit 17 Mitarbeitenden, erhielt bei einer geheimen Abstimmung 46 Stimmen, Favorit Tobias Weber nur 21. Es gab drei Enthaltungen.

Girl leitet bereits den Ausschuss Digitale Wirtschaft

Girl ist gebürtiger Berliner und seit 2004 Mitglied der Vollversammlung der IHK Berlin, seit 2017 ist er im Präsidium sowie Vorsitzender des Ausschusses Digitale Wirtschaft. Auf die Frage, ob er mit der Wahl gerechnet habe, sagte er dem Tagesspiegel: „Ich hatte es mir gewünscht, aber es wird nun ein paar Tage dauern, bis ich realisiere, was hier passiert ist.“ Es werde ihm aber eine Freude sein, sich an dieser Stelle für die Berliner Wirtschaft einzusetzen.

Berlins Regierender Bürgermeister Michael Müller mit der ausgeschiedenen IHK-Präsidenten Beatrice Kramm und ihrem Nachfolger Daniel-Jan Girl. Foto: Kevin P. Hoffmann Vergrößern
Berlins Regierender Bürgermeister Michael Müller mit der ausgeschiedenen IHK-Präsidenten Beatrice Kramm und ihrem Nachfolger Daniel-Jan Girl. © Kevin P. Hoffmann

Für den Abend hatte die IHK rund 250 Gäste aus Politik und Wirtschaft zu einem Festakt in ihre Zentrale, das Ludwig-Erhard-Haus in der Charlottenburger Fasanenstraße, geladen – unter 3G-Bedingungen (geimpft, genesen oder getestet). Berlins Regierender Bürgermeister Michael Müller (SPD) bedankte sich bei Kramm für die gute Zusammenarbeit. Von Anfang an sei es eine Freude gewesen: Ob Steuerungskreis Industriepolitik, Arbeitskreis Mobilität und viele andere Treffen, es sei immer „konstruktive Sacharbeit gewesen“.

Senatorin Pop: Haben die Berliner Wirtschaft gerockt

Wirtschaftssenatorin Ramona Pop (Grüne) sagte, beide Frauen hätten es in Spitzenpositionen geschafft und die Berliner Wirtschaft gerockt – „wollen wir mal sehen, wie das jetzt so weiter geht“. In der Coronakrise seien sie nicht immer einer Meinung gewesen – was Kramm in ihrer Rede bestätigte –, doch beide hätten die Berliner Wirtschaft durch die Coronakrise geführt. „Die IHK hat uns auch mal Dampf gemacht“, sagte Pop.

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Kramm bedankte sich in ihrer Rede bei Müller, Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern und beim langjährigen Hauptgeschäftsführer Jan Eder, der durch den Abend führte: „Eder ist in meinen Augen der beste Geschäftsführer für diese IHK. Das einzige Problem: Er weiß es auch.“

IHK-Zentrale wird für 13 Millionen Euro umgebaut

Sie beglückwünschte ihren Nachfolger Girl. Auf die Niederlage des von ihr nominierten Kandidaten Weber ging sie nicht ein. Girl sagte in seiner sehr kurzen Antrittsrede an Kramm: „Ich werde Sie vermissen“, und bat darum, sie auch einmal anrufen zu dürfen. Zum Abschied überreichte Eder Kramm ein Foto, gemacht vom Künstler Jim Rakete „in voller Lebensgröße“, schwarz-weiß. Kramms Vorgänger waren alle in Öl gemalt worden.

Die IHK und ihre Gäste feierten bei der Gelegenheit auch den Umbau des Empfangsbereichs des Ludwig-Erhard-Hauses zum „Welcome Business Center“. Knapp 13 Millionen Euro hatte die Kammer dafür veranschlagt. Man sei optimistisch, dass man die in der Summe enthaltene Reserve für unkalkulierbare Risiken nicht brauche und deshalb erkennbar weniger ausgegeben haben werde, sagte Kammer-Sprecherin Claudia Engfeld.

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