Das Zweigstellen-Gebäude des Dessauer Umweltamtes am Berliner Bismarckplatz wird aufwendig umgebaut. Foto: Mike Wolff
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UBA in Berlin 40 Millionen Euro fürs alte Haus vom Umweltbundesamt

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Das Haus am Bismarckplatz wird für mehr als 40 Millionen Euro saniert. Die Labore ziehen nach Marienfelde, Dahlem wird aufgegeben.

Sie sind noch da. Das Umweltbundesamt (UBA) musste zwar 2005 als Ausgleich zum Regierungsumzug seinen Hauptsitz nach Dessau verlegen, doch in Berlin gibt es weiter mehr als 500 Mitarbeiter. Jetzt soll das hiesige Hauptgebäude am Bismarckplatz umgebaut werden – nach ersten Schätzungen für mehr als 40 Millionen Euro.

Das zwischen 1935 und 1938 für die damalige Reichsleitung des nationalsozialistischen Reichsarbeitsdienstes errichtete Gebäude soll nach Angaben des Amtes wieder ein reines Bürogebäude werden. Nach dem Krieg war dort die Tageszeitung „Telegraf“ gedruckt worden. Heute sind hier auch Labore untergebracht. Diese Anlagen werden an den Schichauweg in Marienfelde verlegt, wo es bereits Labore und Anzuchtanlagen für Schadtiere wie Schaben oder Kopfläuse gibt.

Der Standort Corrensplatz in Dahlem wird aufgegeben

Zum Umbauprogramm gehören nach Angaben des Amtes das Beseitigen von Schadstoffen, das Modernisieren der Haustechnik, das Ertüchtigen der Statik sowie eine energetische Sanierung, um den Energieverbrauch zu reduzieren.

Nach dem Umbau wird der Standort Corrensplatz in Dahlem aufgegeben. Die etwa 140 Mitarbeiter wechseln dann an den Bismarckplatz. Auch die Dahlemer Labore wandern nach Marienfelde. Noch nicht entschieden ist, ob ein Haus weiter genutzt wird.

Während des Bauens müssen die mehr als 300 Beschäftigen das Haus am Bismarckplatz verlassen. Für etwa vier Jahre muss eine Interimslösung gefunden werden. Nicht ausgeschlossen sei, dass es dafür zwei Standorte gebe, heißt es.

"Politische Umweltverschmutzung"

Das Umweltbundesamt hatte seine Arbeit im Sommer 1974 mit rund 170 Mitarbeitern in Berlin aufgenommen. Heute hat es rund 1500 Beschäftigte. Nachdem die Bundesregierung beschlossen hatte, ein solches Amt zu schaffen, bewarben sich zahlreiche Städte um den Standort. West-Berlin lag zunächst beim Ranking an letzter Stelle.

Favorisiert waren Kaiserslautern, Karlsruhe, Kassel, Mannheim und Bonn. Doch der damalige Regierende Bürgermeister Klaus Schütz (SPD) konnte dann doch Innenminister Hans Dietrich Genscher (FDP) überzeugen, das Amt in West-Berlin anzusiedeln, wie es in der Chronik des Amtes heißt. Nachgeholfen hatte der damalige Berlin-Beauftragte Egon Bahr.

Die DDR-Führung schäumte, weil so eine weitere Bundesbehörde nach West-Berlin kam. Das „Neue Deutschland“ sprach von einer „politischen Umweltverschmutzung“. Erst nach einem Gespräch von Bundeskanzler Helmut Schmidt (SPD) und Genscher mit dem sowjetischen Staats- und Parteichef Leonid Breschnew glätteten sich die Wogen.

Die Bezeichnung Umweltbundesamt hatte die Bundesregierung gewählt – noch vor der Standortwahl. Jahrelang war kolportiert worden, man habe nur mit Rücksicht auf die DDR auf den Namen „Bundesamt für Umweltschutz“ verzichtet.

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