Die große Leere. Flughafenchef Engelbert Lütke Daldrup möchte Tegel für zwei Monate schließen. Foto: dpa
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TXL und Corona Lufthansa warnt vor Schließung

Die Lufthansa wehrt sich gegen die Tegel-Stilllegung – Flughafenchef Daldrup will alles in Schönefeld bündeln. Am Freitag soll eine Entscheidung fallen.

Die Lufthansa warnt davor, den Berliner Flughafen Tegel früher stillzulegen, selbst wenn das befristet würde. Der Countdown dafür läuft: Flughafenchef Engelbert Lütke Daldrup hält daran fest, Tegel ab Mai für zwei Monate außer Betrieb zu nehmen, nachdem der Flugverkehr mit der Coronavirus-Pandemie zusammengebrochen ist.

Das bekräftigte Lütke Daldrup am Sonntag auf Anfrage. Am Freitag wollen die Gesellschafter und der Aufsichtsrat der Flughafengesellschaft Berlins, Brandenburgs und des Bundes (FBB) über die temporäre Tegel-Schließung entscheiden. Die wenigen Flüge, die es gibt, würden dann alle am Schönefelder Airport (SXF) abgewickelt.

Die Lufthansa, größte Airline in Deutschland, lehnt das ab. „Der Flughafen Berlin-Tegel sollte bis zur Eröffnung des neuen Hauptstadtflughafens BER offen bleiben“, sagte Lufthansa-Sprecher Steffen Milchsack dem Tagesspiegel. Bislang ist Tegel, wo die Lufthansa im Hauptterminal ihre Abfertigungsschalter hat, der Berliner Stützpunkt der Airline.

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Sie müsste nach Schönefeld/Alt umziehen und bald weiter zum BER, der am 31.Oktober ans Netz gehen soll. „Eine vorzeitige Schließung hieße, dass wir zwei Umzüge statt einem stemmen müssten. Das wäre mit erheblichem operationellem Aufwand und immensen Zusatzkosten verbunden“, sagt Milchsack. „Das ist in der ohnehin wirtschaftlich enorm angespannten Lage nicht zu leisten. Insbesondere für die Basis der Eurowings wäre ein solcher Stationswechsel von Tegel nach Schönefeld so kurzfristig derzeit nicht darstellbar.“

Weniger als 1000 Passagiere pro Tag

Auch Lütke Daldrup begründet die Tegel-Stilllegung mit den Kosten. Er verfolge dies „schweren Herzens, und auch nur, solange es keinen Bedarf gibt“. Der Flugverkehr sei inzwischen auf ein Prozent des früheren Normalbetriebes zusammengebrochen. „In Tegel werden zurzeit an einem Tag weniger als eintausend Passagiere abgefertigt“, sagte er. „Auf den Anzeigetafeln können wir derzeit die Flüge für drei Tage im Voraus anzeigen, früher war dort Platz für eine Stunde.“

Vor der Coronakrise waren es an beiden Airports 100 000 Passagiere am Tag, davon rund 75 000 in Tegel. „Und es ist leider nicht absehbar, wann sich die Lage entspannt“, sagte Lütke Daldrup. Der Aufwand, da zwei Flughäfen in Betrieb zu halten, sei zu hoch.

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Mit einer befristeteten Stilllegung, bei der die Betriebspflicht ausgesetzt wäre und etwa die Flughafenfeuerwehr nicht im Ein–Schicht-System vor Ort sein müsste, könnten nach seinen Angaben monatlich sieben Millionen Euro eingespart werden. „Das sind pro Tag 200 000 Euro.“

Freie Hand für Flughafenchef

Die Einwände der Lufthansa hält Lütke Daldrup nicht für stichhaltig. „Früher hatten wir über 700 Flüge täglich im TXL, heute sind es etwa 10 bis 20 - davon einige der Lufthansa“, sagte er. „ Mit 4 bis 5 Lufthansa-Flügen täglich ist der Umzugsaufwand von TXL nach SXF bzw. später dem BER sehr gering.“

Dass Schönefeld offen bleibt und nicht Tegel, begründet der Flughafenchef so: In SXF sei 24-Stunden-Betrieb möglich, werde bereits jetzt der überwiegende Frachtverkehr abgewickelt, gebe es ein „Medical Assessment Center“, in dem Flüge mit Seuchenverdacht betreut werden können. Außerdem könne der Betrieb in SXF mit Vorbereitungen für den BER–Start verbunden werden.

Trotzdem waren der Bund, aber auch Brandenburg bisher dagegen, nur Berlin dafür. Am 31.März hatten Gesellschafterversammlung und Aufsichtsrat die Entscheidung vertagt, Lütke Daldrup aber freie Hand gelassen, die Vorbereitungen voranzutreiben.

Deutet sich Bewegung an?

Damals hatte der Bund argumentiert, dass man wegen der unklaren Pandemie-Lage eine flexible Infrastruktur brauche. „Die Verlegung der Versorgung auf einen Standort und damit allein auf das Land Brandenburg bietet in dieser Situation keine ausreichende Sicherheit.“ Auch das Einsparargument sahen Bund und Brandenburg skeptisch, da auch eine kurzfristige TXL-Wiederinbetriebnahme Kosten verursachen würde.

Deutet sich nun Bewegung an? Das Bundesverkehrsministerium (BMVI) legt sich öffentlich jedenfalls nicht auf ein Nein fest. „In der Gesellschafterversammlung am 29.April wird das BMVI gemeinsam mit den Mitgesellschaftern eine erneute Bewertung der Lage vornehmen“, erklärte ein Sprecher am Sonntag. Diese könne man „zum jetzigen Zeitpunkt“ nicht vorwegnehmen.

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