Wenig Betrieb herrscht am "Otto Lilienthal" Flughafen in Tegel. dpa
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TXL und Corona Es wäre ein Fehler, den Flughafen Tegel weiter offen zu halten

Durch die Krise gibt es in Berlin 90 Prozent weniger Flugverkehr. Deswegen muss über Konsequenzen nachgedacht werden. Ein Kommentar.

Wenn am Montag die Gesellschafter der Berlin-Brandenburger Flughäfen Tegel und Schönefeld tagen, werden sie dem Thema „Corona und die Folgen“ die größte Aufmerksamkeit widmen müssen. Das Passagieraufkommen ist um mehr als 90 Prozent eingebrochen. Im Terminal A in Tegel herrscht gespenstische Leere. Hier werden weder startende noch landende Maschinen abgefertigt. Das Wenige, was an Flugverkehr übrig geblieben ist, verliert sich im einstigen Air-Berlin-Terminal C. Auch hier herrscht unwirkliche Stille.

Der Berliner Finanzsenator Matthias Kollatz war nicht, wie im Moment kolportiert wird, der erste, der sich deshalb für eine vorübergehende Schließung Tegels aussprach. Solche Gedanken wurden schon zuvor in Aufsichtsratskreisen diskutiert. Wirtschaftlich vernünftig wäre es.

Rettung durch Regierungsflieger?

Teure Doppelstrukturen aufrecht zu erhalten, wenn der verbleibende Luftverkehr problemlos in einem einzigen Gebäude von Schönefeld-Alt abgewickelt werden könnte, ist besonders absurd, da das Unternehmen FBB ohnedies schon in den roten Zahlen ist. Es bräuchte von den Banken dringend neue Mittel.

Die werden aber kaum weitere Kredite ausreichen, wenn das kaufmännische Verhalten der Flughafengeschäftsführung so unvernünftig ist. Nur der Gesellschafter Bund verschließt sich noch einer Betriebsunterbrechung. Begründet wird das mit Frachtflügen und Urlaubsrückkehrern, für die TXL offen bleiben müsse. Aber es geht dem Bund vermutlich auch hier nur um die Struktur für Regierungsflieger. In Kreisen der Bundesregierung sind die Sympathien für Schönefeld, egal ob alt oder neu, eher unterentwickelt.

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Misstrauen legitim, Unterlassung ein Fehler

Aber sind am Ende nicht doch die Sorgen berechtigt, eine vorläufige Schließung von Tegel würde nur der Auftakt für das vorgezogene Ende des traditionsreichen, einstmals wichtigsten, West-Berliner Flughafens sein? Ein Trick also der BER-Anhänger? Und wenn schon einen Flughafen vorläufig schließen, warum dann nicht den alten in Schönefeld? Das Misstrauen ist legitim.

Aber da Schönefeld gerade mit erheblichem Aufwand modernisiert wurde, und die gesamte Flugsicherung von dort arbeitet, in TXL aber jede Grundsanierung unter Hinweis auf die baldige Schließung unterblieb, wäre dieses Vorgehen unlogisch.

Keiner kann heute ausschließen, dass eine Unterbrechung des Betriebs in Tegel über den 31. Oktober, den geplanten Eröffnungstermin des BER, hinaus dauert. Dann begänne der offizielle, halbjährige Countdown für TXL, ohne dass der Airport überhaupt wieder eröffnet wird. Aber es deswegen zu unterlassen, wäre ein Fehler. Niemand weiß heute, wann die Wissenschaft ein Corona-Mittel gefunden haben wird, das freies Reisen wie früher wieder erlaubt.

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