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Erste Teezeremonie. Teemeister Sokei Kimura ist aus London gekommen, um das Teehaus im Humboldt Forum einzuweihen. Foto: dpa
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Trinken auf Augenhöhe Im Berliner Humboldt Forum öffnet ein Teehaus mit Ausblick

Zwei Ministerinnen und der japanische Botschafter entspannten sich bei einem Ritual des Friedens und der Wertschätzung. Tradition trifft hier auf Moderne.

Neun Grußworte sind nicht zu viel, wenn es darum geht, einen so symbolträchtigen Ort zu eröffnen wie das japanische Teehaus im Humboldt Forum. Ein Ort des tiefen Friedens soll es sein, ein Ort, an dem alle Menschen gleich sind und sich egal, woher sie kommen, auf Augenhöhe verständigen können. Hauptsache respektvoll und wertschätzend.

Wenn man heraustritt aus dem Teehaus mit der im Boden eingelassenen Feuerstelle und der Nische für die Kunst, steht man bald am Fenster und hat einen herrlichen Ausblick auf den Lustgarten und das Treiben auf der Straße. Tradition trifft auf Moderne, das passt hier natürlich besonders gut.

In den Genuss der ersten Zeremonie dieser Art, die nichts mit Kaffeekränzchen zu tun hat, sondern eher an ein religiöses Ritual erinnert, kommen am Mittwochnachmittag unter anderem die Ministerinnen Monika Grütters und Michelle Müntefering, der japanische Botschafter Hidenao Yanagi, der eigens aus London eingeflogene Teemeister Sokei Kimura, Museumsdirektor Lars-Christian Koch und Hans Dietrich Hegner von der Stiftung Humboldt Forum.

Sie alle bedanken sich vorab mit jeweils einer kurzen Rede. Besonders die Ministerinnen können die Tiefenentspannung, die dieser Ort für die Zukunft verspricht, wohl auch gut gebrauchen.

Weil sie aus dem Bundestag nicht rechtzeitig wegkamen, klackern noch ihre Absätze über den Boden. Nun stehen die schicken Schuhe verwaist vor dem frisch getauften Haus im Museum für Asiatische Kunst, während sie im Innern sitzen. Sie nehmen bauchige Schalen mit Tee entgegen, die ihnen mit weit ausgestreckten Armen von einer Frau im traditionellen Gewand aus der Hocke heraus serviert werden.

Den Alltag vergessen

„Boki-an“ heißt das neue Teehaus, dessen Namen in japanischen Schriftzeichen sie gerade enthüllt haben. Übersetzt heißt das so viel wie „Klause, um den Alltag hinter sich zu lassen“. Der Geist des Ortes wirkt auch schon: Die Ministerinnen flüstern schon nicht mehr wie am Anfang, sondern sitzen ruhig da, als sei die Welt so friedlich wie eine Teezeremonie.

Die Organisatoren haben die Wartezeit auf die Politikerinnen bestens genutzt, um den Gästen schon mal Höhepunkte der Sammlung zu zeigen, die fürs breite Publikum erst vom 23. September an zugänglich sein wird. Kurator Alexander Hofmann führt den Botschafter, der kenntnisreich immer vor den interessantesten Ausstellungsstücken stehen bleibt, vorbei an kostbaren Tuschzeichnungen und Bodhisattvas, die man sich als buddhistische Heilige vorstellen kann.

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Gäste aus Japan, darunter der Außenminister und der Architekt Jun Ura konnten wegen Corona nicht live nach Berlin kommen, übermitteln ihre Grußworte aber per Video. Das Teehaus orientiert sich in seiner Form an der Kaiser-Wilhelm-Gedächtniskirche, auch um an die Deutschland und Japan verbindenden Kriegserfahrungen zu erinnern.

Ausdrücklich will Jun Ura mit dieser lebendigen Skulptur für ein friedliches und respektvolles Miteinander plädieren. Japanpapier, lackiertes Holz, Reisstrohmatten aus Kyoto, rotbrauner Stahl und europäischer Lehmputz gehören zu den verwendeten Materialien.

160 Jahre Freundschaft

Der „Teeweg“, wie die Zeremonie in einem höheren Sinne auch als Gesamtkunstwerk beschrieben wird, soll einen sinnlichen Rahmen schaffen für die Erfahrung von Kunst, so Museumsdirektor Koch. Sie soll für die enge Partnerschaft stehen zwischen Japan und Deutschland und das Interesse füreinander weiter stärken, sagt Müntefering.

Sie soll für die Verbindung von Tradition und Gegenwart stehen und den Anspruch des Humboldt Forums unterstreichen, ein Ort interkultureller Verständigung zu sein (Grütters). Und natürlich erinnert sie an die 160-jährige Freundschaft zwischen Deutschland und Japan, sagt Botschafter Yanagi.

Als das Museum für Asiatische Kunst der Staatlichen Museen zu Berlin noch in Dahlem untergebracht war, hatten die Tee-Zeremonien viele Fans. Die müssen sich jetzt aber noch ein bisschen gedulden. Wann genau die Zeremonien für alle wieder aufgenommen werden können, hängt auch von der weiteren Corona-Entwicklung ab.

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