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Parkour - die Herausforderung für urbane Akrobaten

Abgekürzt. Ben Scheffler nimmt gerne den direkten Weg. Mauern sind kein Hindernis für „Traceure“, wie sich Parkour-Sportler untereinander nennen. Foto: William Veder
Trendsportarten in Berlin Slackline, Jugger, Parkour, Bouldern und Bootcamp

Für wen: Urbane Akrobaten
Trainingseffekt: Wendigkeit und Wagemut
Kosten: Umsonst, Training ab 10 €
Wo und wann: Bernburger Treppe am Potsdamer Platz, jeden zweiten Sonntag um 13 Uhr Teamtraining (nächster Termin: 13.9.), kostenlos und ohne Anmeldung. Näheres unter parkourone.com.
Infos: free1germany.de und doparkour.de

Ein schwarzer Golf, Fahrschulauto, macht eine Vollbremsung. Von 50 auf null in nur einem Augenaufschlag. Fahrlehrer und Schüler schauen aus der Windschutzscheibe nach oben, gut sechs Meter in die Höhe. An einer Wand, die zum Grundstück des Velodrom im Prenzlauer Berg gehört, hängt Ben Scheffler, 28, Körperhaltung in einer Mischung aus Katze und Spiderman.

Es dauert ein paar Sekunden, bis der perplexe Fahrschüler weiterfährt. Als das Auto um die Ecke gebogen ist, schwingt sich Ben nach oben, zurück auf den oben gelegenen Parkplatz, klettert an der nächsten Wand hoch und springt gut einen Meter weit auf den nächsten Mauervorsprung. Die Kleidung, die er dabei trägt, weite Jogginghose, Shirt und Sportschuhe, ist alles andere als hip.

Was Ben macht, heißt Parkour. Für ihn ist der Sport ein Lebensinhalt geworden. Er hat ihn zum Beruf gemacht, zusammen mit einem Schulfreund bietet er mit der Firma „ParkourONE“ Training an und demonstriert den Sport in Musik- und Werbevideos. „Hört sich geil an“, sagt Ben. „Nur hat man dann kein Hobby mehr.“

Mit 18 Jahren entdeckte Ben Parkour im Internet. Schnell stieß er dabei auf zwei Namen: Raymond und David Belle. Raymond kämpfte im Indochinakrieg 1954. Dabei trainierte er eine möglichst effiziente Fluchttechnik, die von ihm und später von seinem Sohn David als Parkour bekannt gemacht wurde. Für Ben ist der Kern des Sports „die Kunst der effizienten Fortbewegung.“ Als 18-Jähriger verbrachte Ben den Tag vorm Computer. „Ich war hart computerspielsüchtig“ – bis Parkour in sein Leben trat. Seine neue, weitaus gesündere Sucht.

Es gibt kein Gegeneinander, sagen die Parkour-Sportler

Was Ben gleich an diesem Sport gefiel: Es gibt kein Gegeneinander. Ben hat das Parkour-Wertesystem zu seinem eigenen gemacht: Ehrlichkeit, Bescheidenheit, Konkurrenzfreiheit. „In einer Zeit, in der jeder immer Erster werden will, mache ich mich davon frei.“

Sein Blick auf die Umgebung hat sich verändert. Ben sieht nicht einfach eine Mauer und ein Geländer. Er sieht eine Sprungmöglichkeit. Die Stadt wird für Ben zum Spielplatz. „Durch Parkour kann man noch mal krass Kind sein“, sagt er. Er beobachtet es bei seiner dreijährigen Tochter. Wenn sie auf die Rutsche klettert oder auf einen Baum, ist das gar nicht so weit weg von dem, was ihr Vater macht.

Manchmal gibt es Probleme mit Anwohnern, die Vandalismus befürchten. Nach kurzem Gespräch aber sind die meisten besänftigt. Mehr noch, ein paar der Alten fassen sich an die müden Knochen und bedauern, dass sie so etwas nicht auch noch machen können.

Das Schöne an Parkour: Es ist alltagsfähig. Droht Ben die Bahn zu verpassen, nimmt er ein paar Abkürzungen. Als er neulich seinen Schlüssel in der Wohnung vergessen hatte, kletterte er an der Fassade hoch und stieg durchs Fenster ein. Und seine Großeltern können sich die Kosten für die Reinigung der Regenrinnen auf ihrem Spitzdach sparen. Das macht jetzt Ben, der Traceur – so nennen sich Menschen, die Parkour betreiben.

Wenn Ben von seinem Sport erzählt, hat er tatsächlich etwas von einem Kind. Die ersten grauen Spitzen im dichten schwarzen Schopf werden vom Glanz in den Augen überstrahlt. Parkour ist zu seinem Leben geworden. Und lässt ihn spielen, wie es sonst nur Kinder können.

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