Bouldern - das Kletterprogramm für Kraftpakete

Steinig. Dzenan Hadzifejzovic hievt sich auf den Gipfel. Der Boulderer mag die Kletteranlage im Volkspark Friedrichshain, weil man hier auch alleine trainieren kann. Foto: William Veder
Trendsportarten in Berlin Slackline, Jugger, Parkour, Bouldern und Bootcamp

Für wen: Menschen mit Fingerspitzengefühl
Trainingseffekt: Kraft und Koordination
Kosten: Im Freien kostenlos, Halle ab 6 €
Wo: Draußen: Teufelsberg, Volkspark Friedrichshain, Alvenslebenstraße; Hallen: Südbloc (suedbloc.de), Ostbloc (ostbloc.de), Bright Site (boulder-project.de), Boulderworx (boulderworx.de), T-Hall (diekletterhalle.de).
Infos: Facebook-Gruppe „Bouldern in Berlin“

Zehn Uhr an einem Freitagmorgen. Die Mülleimer zeugen von den Eskapaden der vergangenen Nacht. Vor der U-förmigen Felswand im Volkspark Friedrichshain sucht Dzenan Hadzifejzovic, 23, nach Scherben und spitzen Steinen im Kies, zur Sicherheit. Als er fertig ist, schaut er die Wand hoch, sucht nach einem Aufstieg. Sieht man genauer hin, fallen zwischen den Graffitis und Tags auf der Wand gut zwei Dutzend Klettergriffe auf. Neben Dzenan sind noch zwei weitere junge Männer da, sie alle nutzen die Wand zum Bouldern.

Bouldern bezeichnet das Klettern ohne Seil und Gurt an Felsen in Absprunghöhe. Es ist eine eigene Disziplin des Sportkletterns, die seit ein paar Jahren boomt – so sehr, dass es Teile der Szene bereits nervt, weil die Berliner Hallen überfüllt sind. Weshalb der Sport immer mehr in den öffentlichen Raum drängt.

Dzenan schaut noch einmal, dann greift er mit der rechten Hand in den Fels, sucht mit dem linken Fuß nach Halt und zieht sich hoch. In weniger als einer Minute hat er die knapp drei Meter hohe Felswand erklettert. Das Gute am Bouldern ist, dass auch Menschen mit Höhenangst die Sportart mehr oder weniger problemlos ausüben können, im Gegensatz zum angeseilten Höhenklettern.

"Für Frauen ist es doch schön, die ganzen Sixpacks im Park zu sehen"

Jetzt, wo Semesterferien sind, ist Dzenan häufig hier, er studiert an der HTW in Schöneweide. Im Hochschulsport spielt er Fußball und Volleyball, vor zwei Jahren hat er einen Kletterschein gemacht, das Bouldern ist für ihn Ausgleichssport. „Gut ist vor allem, dass man den Sport alleine machen kann“, sagt er – man braucht beim Bouldern keinen Partner, der das Seil sichert. Und dass der ganze Körper trainiert werde. Dzenan trägt Shorts und T-Shirt, die anderen Kletterer nur Shorts. Es geht in der Szene auch um Körperkult. „Gerade für die Frauen im Park ist es doch schön, die ganzen Sixpacks zu sehen“, sagt er.

Für Dzenan hat es Vor- und Nachteile, in der Öffentlichkeit Sport zu treiben. Einerseits bekommt man Anerkennung – Passanten bleiben stehen, schauen zu, manchmal klatschen sie. Der Nachteil: „Leute pinkeln an die Wand, schmeißen ihre Flaschen in den Kies.“ Dzenan ärgert das. Auch in der Szene, sagt er, gebe es ein paar schwarze Schafe. Leute, die beim Bouldern kiffen und Bier trinken. Die aber würden von den anderen gemieden.

„Es ist eine offene Szene, jeder hilft jedem“, sagt Dzenan. „Es gibt auch kaum ein Konkurrenzdenken.“ Zudem kostet der Sport fast nichts, jedenfalls nicht, wenn man ihn wie hier im Freien ausübt. Gut, manche kaufen sich extra Kletterschuhe oder haben Magnesium dabei, damit die Hände trotz Schweiß griffig bleiben. Dzenan reicht eine Flasche Wasser.

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