Zum Corona-Überblick: Alle Zahlen zu SARS-CoV-2 in Deutschland
Beatrice Kramm ist seit 2016 Präsidentin der Industrie- und Handelskammer Berlin. Im September 2021 tritt sie ab - ein halbes Jahr vor Ende ihrer Amtszeit. Foto: Gregor Fischer/ dpa
© Gregor Fischer/ dpa

„Traumschiff“-Produzentin Beatrice Kramm tritt vorzeitig als Präsidentin der IHK Berlin ab

TV-Produzentin Beatrice Kramm strebt keine zweite Amtszeit als Präsidentin der Berliner Industrie- und Handelskammer an. Eine Nachfolge-Idee hat sie schon.

Die meisten der gewählten Teilnehmerinnen und Teilnehmer der Vollversammlung der IHK wurden von der Entscheidung offenbar kalt erwischt. Das formal höchste beschlussfassende Gremium der größten Berliner Wirtschaftskammer tagt in der Regel zwei bis drei mal im Jahr. Am Mittwochabend ergriff die Präsidentin Beatrice Kramm früh das Wort und erklärte, dass sie - anders als allgemein erwartet - bei der nächsten Sitzung im September nicht erneut für das höchste Ehrenamt kandidieren wolle.

Laut einer später schriftlich verschickten Stellungnahme erklärte die 55-Jährige, sie habe sich diese Entscheidung nicht leicht gemacht. "Ich war - und bin - sehr gerne Präsidentin der IHK Berlin, um für die Belange der Berliner Wirtschaft einzustehen." Gleichzeitig erfordere ein solches Ehrenamt großes Engagement, wenn man im Sinne der Berliner Wirtschaft Dinge bewegen und erreichen wolle. Dies habe das vergangene Jahr mit der Pandemie mehr als deutlich vor Augen geführt.

"Ich trage Verantwortung für mein Unternehmen"

"Ich bin aber auch Unternehmerin und trage persönlich Verantwortung für mein Unternehmen und meine Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter. Für sie ist eine Geschäftsführerin, die regelmäßig nicht zur Verfügung steht, eine Herausforderung. Das gilt vielleicht besonders dann, wenn sie geschäftlich viel unterwegs ist." Kramm ist Inhaberin der Adlershofer TV-Produktionsfirma Polyphon, die unter anderem die ZDF-Serie "Traumschiff" produziert. In der Regel ist Kramm bei den Drehs persönlich anwesend.

[Wenn Sie alle aktuellen Nachrichten live auf Ihr Handy haben wollen, empfehlen wir Ihnen unsere App, die Sie hier für Apple- und Android-Geräte herunterladen können.]

Kramm hatte das Amt im März 2016 vom heutigen DIHK-Präsidenten Eric Schweitzer, Miteigentümer des Recyclingkonzerns Alba, übernommen. Er hatte es zwölf Jahre inne. Kramm teilte nun mit: "Zweite Amtszeiten sind kein Automatismus und sollten dies auch nicht sein - weder für Kandidaten noch für die Wähler. Deshalb habe ich beschlossen, keine zweite Amtszeit anzustreben."

Die Unternehmerin Beatrice Kramm lebt in Charlottenburg und arbeitet in Adlershof. Foto: Thilo Rückeis Vergrößern
Die Unternehmerin Beatrice Kramm lebt in Charlottenburg und arbeitet in Adlershof. © Thilo Rückeis

Aus dieser grundsätzlichen Entscheidung ergebe sich die Notwendigkeit, über den geeigneten Zeitpunkt der Amtsübergabe nachzudenken, führte Kramm laut Teilnehmern der virtuellen Versammlung aus. Sie nannte demnach eine Amtsübergabe vor der Wahl zum Abgeordnetenhaus

am 27. September als günstigen Zeitpunkt. "Die Zusammensetzung des Senats wird sich grundlegend ändern - viele der heute handelnden Personen, allen voran der Regierende Bürgermeister, werden nicht mehr beteiligt sein. Ich finde, dass dies der richtige Moment ist, in die zweite Reihe zu treten, damit sich die neu gewählten und ernannten Verantwortlichen schnell und vor allem mit einer Perspektive für die Zusammenarbeit kennen lernen.“

Kramm schlägt Nachfolger mit Firma in Brandenburg vor

Demnach dürfte die Nachfolgerin oder der Nachfolger bei der Sitzung am 12. September gewählt werden, zwei Wochen vor der Wahl zum Landesparlament. Kramm schlug den gewählten Vertretern der Vollversammlung vor, das ebenfalls langjährige Präsidiumsmitglied Tobias Weber zu ihrem Nachfolger zu wählen. Weber ist Inhaber der Firma CityClean, die bundesweit große Fußmatten für Büros und Geschäftsräume verleiht und diese regelmäßig zum Reinigen abholt. Nach ersten Einschätzungen dürfte Weber mehrheitsfähig sein, wenngleich Teilnehmerinnen und Teilnehmer der Sitzung ihr Unverständnis über das Procedere zum Ausdruck brachten. Formal residiert Webers Unternehmen zudem nicht in Berlin sondern in Brandenburg - in der Gemeinde Oberkrämer nordwestlich von Berlin. Weber war am Mittwochabend nicht für eine Stellungnahme zu erreichen.

Dafür gab Wirtschaftssenatorin Ramona Pop (Grüne) eine Erklärung ab. Sie erinnerte daran, dass mit Beatrice Kramm erstmals in ihrer Geschichte eine Frau an die Spitze der Berliner Industrie- und Handelskammer gewählt worden sei. "In ihrer Zeit als Präsidentin hat sie die hervorragende Entwicklung des Wirtschaftsstandortes Berlin begleitet und aktiv mitgestaltet, in der Corona-Krise hat sie sich eindrücklich für die Belange der Berliner Wirtschaft eingesetzt. Ihre Kompetenz und ihre Energie für die Belange unserer Stadt werde ich vermissen", teilte Pop schriftlich mit.

Zur Startseite