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Stilles Gedenken. Ein Mann legt Blumen auf den Bürgersteig an der Tauentzienstraße, wo am Mittwoch ein Amokfahrer eine Frau tötete und viele Menschen verletzte. Foto: dpa/Fabian Sommer
© dpa/Fabian Sommer

Trauer und Hilfe nach Berliner Amokfahrt Anlaufstelle für Opfer – Aufruf zur Schweigeminute in Schulen

Nach der Amokfahrt können Betroffene Hilfe über eine zentrale Anlaufstelle bekommen. Der Erzbischof ruft am Freitag um 10.30 Uhr zur Schweigeminute auf.

Die Trauer ist groß nach der Amokfahrt vom Berliner Kurfürstendamm, doch es gibt auch viel Hilfe und Unterstützung. Die Senatsjustizverwaltung empfiehlt Opfern, Angehörigen und anderen Betroffenen, die Zentrale Anlaufstelle für Betroffene von Terroranschlägen und Großschadensereignissen zu kontaktieren. Sie vermittelt Hilfsangebote. Der Berliner Erzbischof Heiner Koch rief zudem dazu auf, am Freitag um 10.30 Uhr in allen Schulen eine Schweigeminute abzuhalten. Viele Schüler sind besonders erschüttert, weil die meisten Opfer der Todesfahrt vom Mittwoch aus einer Schulklasse aus dem hessischen Bad Arolsen stammen.

Die Zentrale Opfer-Anlaufstelle vermittelt Angebote von Behörden, Institutionen und Opferhilfeeinrichtungen. Sie verfüge über alle notwendigen Kontakte und Informationen, auch zu Anlaufstellen und Opferbetreuungseinrichtungen in anderen Bundesländern, teilte die Justizverwaltung, bei der sie angesiedelt ist, am Donnerstag mit.

Die Zentrale Anlaufstelle war im Sommer 2018 als Konsequenz aus dem terroristischen Anschlag auf den Weihnachtsmarkt am Breitscheidplatz eingerichtet worden. Justizsenatorin Lena Kreck erklärte dazu: „Mit der Zentralen Anlaufstelle bieten wir den Betroffenen langfristig Unterstützung und Beistand an. Wir haben aus den Ereignissen im Nachgang des terroristischen Anschlags auf den Breitscheidplatz gelernt und lassen die Betroffenen und Opfer nicht im Stich, sondern vermitteln konkrete Hilfen.“

Die Anlaufstelle erläutert auf ihrer Website, dass sie von einem "umfassenden Begriff der Betroffenen" ausgeht. "Jede Person, die in ihrer physischen oder psychischen Integrität mittelbar oder unmittelbar durch den Anschlag beeinträchtigt wurde, ist Betroffene oder Betroffener", heißt es dort. "Dieser weite Begriff erfasst somit unmittelbar Verletzte ebenso wie Angehörige, Hinterbliebene, Vermissende, Augenzeuginnen und -zeugen sowie Ersthelferinnen und -helfer."

Die Anlaufstelle befindet sich in der Salzburger Straße 21-25 in Schöneberg. Sie ist erreichbar unter Tel. 030/90133150 oder per E-Mail.

Schweigeminute in Schulen am Freitag um 10.30 Uhr

Weil eine Schulklasse besonders betroffen ist, rief der katholische Berliner Erzbischof Heiner Koch alle Schulen der Hauptstadt dazu auf, am Freitag um 10.30 Uhr eine Schweigeminute zu halten. „Besonders erschreckt und erschüttert hat mich, dass eine Schulklasse Opfer der Amokfahrt wurde“, sagte Koch laut Mitteilung vom Donnerstag. Im Gebet sei er bei allen Betroffenen, den Eltern und Angehörigen. „Alle Schülerinnen und Schüler sind tief verletzt, einige von ihnen auch schwer körperlich.“

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Er kündigte an, dass sich die katholischen Schulen Berlins und der Religionsunterricht an den öffentlichen Schulen „in Solidarität, Trauer und Mit-Leiden“ mit den Opfern der Klasse und der gesamten Schulgemeinschaft von Bad Arolsen „im Gebet verbinden“ werde. Alle Schulen in Berlin seien eingeladen, sich der Schweigeminute anzuschließen.

Ein 29-jähriger Deutsch-Armenier war am Mittwochvormittag an der Gedächtniskirche über Gehwege des Ku'damms und der Tauentzienstraße gerast. Eine Lehrerin starb, 32 Menschen wurden verletzt, darunter Schülerinnen und Schüler einer 10. Klasse aus dem hessischen Bad Arolsen. Weitere 50 Betroffene suchten unmittelbar nach der Tat die Notfallseelsorge auf. Am Mittwochabend hatte es bereits eine Andacht in der evangelischen Kaiser-Wilhelm-Gedächtniskirche gegeben.

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Opferbeauftragter: Situation seit 2016 deutlich verbessert

Die Hilfe für die Opfer der Todesfahrt ist nach Angaben des Berliner Opferbeauftragten landesübergreifend angelaufen. „Das ganze Hilfssystem ist am Mittwoch hochgefahren worden“, sagte Roland Weber am Donnerstag der Deutschen Presse-Agentur.

Es habe zwischenzeitlich ein erstes Online-Treffen zur Koordinierung der Beteiligten des Netzwerks gegeben, ein zweites sei am Abend geplant. „Da sind alle wichtigen Netzwerk-Partner an Bord“, schilderte Weber. Dazu gehörten etwa der Bundesopferbeauftragte und sein Team sowie die Opferbeauftragte des Landes Hessen wegen der zahlreichen Betroffenen aus deren Bundesland.

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Das Gesetz über die psychosoziale Notfallversorgung für das Land Berlin (PSNVG) ermögliche einen reibungslosen Austausch von wichtigen Informationen ohne gegen den Datenschutz zu verstoßen, erklärte der Rechtsanwalt. Es sei eine Folge der Erfahrungen bei der Betreuung von Opfern nach dem islamistischen Anschlag 2016 auf einen Berliner Weihnachtsmarkt.

„Seitdem hat sich die Situation deutlich verbessert“, sagte Weber, der das Amt des Opferbeauftragten seit 2012 ausübt. So sei es heute etwa möglich, dass Behörden wie die Unfallkasse oder das Versorgungsamt früh beteiligt seien.

Nach Angaben Webers werden die Opfer des Todesfahrt zunächst von Ärzten und Seelsorgern der Psychosozialen Notfallversorgung (PSNV) betreut. Als Anlaufstelle für Menschen, die etwa als Augenzeugen noch gesundheitliche Probleme bekommen, empfahl er zunächst den Berliner Krisendienst. Zudem wies auch er auf die Zentrale Anlaufstelle für Betroffene von Terroranschlägen und Großschadensereignissen hin. (Tsp, dpa)

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