Zum Corona-Überblick: Alle Zahlen zu SARS-CoV-2 in Deutschland
Die Buchhandlung Kisch & Co sollte am Dienstag zwangsgeräumt werden. Foto: Doris Spiekermann-Klaas
© Doris Spiekermann-Klaas

Update Traditionsgeschäft muss doch nicht schließen Kreuzberger Buchhandlung „Kisch & Co“ bekommt neue Räume

Dienstag sollte die Kiezbuchhandlung Kisch&Co zwangsgeräumt werden. Nun kann sie weiter machen - in neuen Räumen. Freiwillig gehen die Betreiber jedoch nicht.

Die Kreuzberger Buchhandlung Kisch & Co. muss nun doch nicht schließen. Der Betreiber hat einen Mietvertrag mit der GSW, einem Unternehmen des Wohnungskonzerns Deutsche Wohnen, für ein Ladengeschäft in der Oranienstraße 32 geschlossen. Die neuen Räume liegen nur 150 Meter entfernt.

Am Dienstag findet die Zwangsräumung der Buchhandlung statt, die seit mehr als einem Jahr ohne Mietvertrag in ihren Räumlichkeiten ist. Freiwillig verlässt Betreiber Thorsten Willenbrock seinen alten Laden trotz der neuen Räumlichkeiten nicht. „Wir gehen gegen unseren Willen hier raus“, sagte er dem Tagesspiegel. „Einerseits freuen wir uns total, dass wir da überhaupt weiter machen können. Die Räumlichkeiten sind aber viel kleiner als in der Oranienstraße 25. Das ist ein Wermutstropfen, weil wir nicht mehr das anbieten können, was wir bisher angeboten haben. Unser Ziel war es immer, hier zu bleiben und einen langfristigen Mietvertrag zu bekommen.“

Auch die für Dienstagmorgen geplante Kundgebung soll weiterhin stattfinden. „Wir wollen klar machen: Die anderen Mieterinnen und Mieter hier im Haus sind weiterhin bedroht, zum Beispiel die neue Gesellschaft für bildende Kunst Berlin“, sagte Willenbrock. „Und wir wollen darauf aufmerksam machen, dass es endlich ein Gewerbemietschutzrecht geben muss.“

Die Vertragsverhandlungen mit der GSW/ Deutsche Wohnen wurden von der Kiezgewerbe UG (KIGE) geführt. Die vom Bezirk geförderte Beratungsstelle für Kleingewerbetreibende hat den Buchladen lange begleitet. „Wir freuen uns, dass Kisch & Co. in der Oranienstraße bleiben kann“, sagt der KIGE-Geschäftsführer Stefan Klein. Die Verkaufsfläche sei zwar um die Hälfte kleiner, doch der Vertrag sichere das Fortbestehen der Traditionsbuchhandlung.

Die neuen Räume sind laut Klein "vor allem ein Zeichen“ für einen Neuanfang, der "durch die solidarischen Nachbar:innen, Kund:innen und Initiativen, die monatelang gegen die Verdrängung von Kisch Co. protestiert haben“ ermöglicht wurde.

[Wenn Sie alle aktuellen Nachrichten live auf Ihr Handy haben wollen, empfehlen wir Ihnen unsere App, die Sie hier für Apple- und Android-Geräte herunterladen können.]

Seit 24 Jahren ist die Buchhandlung in der Oranienstraße ansässig, seit mehr als einem Jahr kämpft Willenbrock um den Verbleib. Zahlreiche Unterstützer protestierten regelmäßig gegen eine Räumung des Kiezgeschäftes. Bereits Ende April wurde der Klage des Eigentümers – der Fonds „Victoria Immo Properties V S.a.r.l.“ mit Luxemburger Adresse – vom Landgericht Berlin stattgegeben. Die Zivilkammer begründete ihre Entscheidung damit, dass der Buchladen seit Juni 2020 ohne Mietvertrag sei.

Der Anwalt von „Kisch & Co.“ hatte im April vergeblich versucht, das Gericht davon zu überzeugen, das Kündigungsrecht für Mieter:innen einer Wohnung auf jenes von Gewerbetreibenden anzuwenden. Für Kleingewerbetreibende fehle bisher ein ausreichender Schutz vor Mieterhöhung oder Entmietung.

Zur Startseite