Auf dem Bierbike durch Berlin - muss das sein? Das Verwaltungsgericht entscheidet heute. Foto: Rainer Jensen/dpa
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Update Tourismus in Mitte Die Bierbikes bleiben Berlin erhalten

Jutta Schütz

Gegen die umfangreichen Bierbike-Einschränkungen des Bezirks Mitte hatte ein Berliner Betreiber geklagt. Doch man einigte sich.

Unter den Linden auf einem sogenannten Bierbike erkunden oder die Friedrichstraße entlanggondeln? Viele Touristen würden das gut finden, der Stadt ist es ein Dorn im Auge. Der Streit um die Riesenfahrräder mit bis zu 16 Sitzplätzen, Musikanlage und Ausschank kam vor das Berliner Verwaltungsgericht. Doch der Geschäftsführer der Bigbikes zog in der Verhandlung vom Donnerstag seine Klage zurück. Im Gegenzug sicherte ihm das Amt nun eine weitere Sondererlaubnis bis Februar 2019 zu.

Zudem dürfen künftig Touren samstags und sonntags ohne zeitliche Einschränkung angeboten werden. Jedoch bleiben wie bisher einige große Straßen tabu für die Gefährte. Das Gericht hatte den Vergleich in der Verhandlung angeregt.

Ein gänzliches Verbot sollte es nicht geben

Das Bezirksamt hatte eine Sondernutzungserlaubnis für die Gefährte erteilt, jedoch die Zeiten und die Straßen, die befahren werden können, beschränkt. Unter den Linden, Friedrichstraße und Leipziger Straße sind demnach tabu, auch Fahrverbote für Zeiten mit viel Verkehr an Werk- und Samstagen wurden verhängt. Bezirksbürgermeister Stephan von Dassel (Grüne) rechnete damit, dass der Kurs vom Gericht bestätigt werde.

Erst im Dezember hatte das Bezirksamt angeordnet, dass die umstrittenen Berliner Pferdekutschen den Pariser Platz vor dem Brandenburger Tor nicht mehr anfahren dürfen.

„Wir lassen keine Sauftouristen auf die Straße“

Bigbike-Geschäftsführer Ulrich Hoffmann-Elsässer findet die Einschränkungen für seine Bikes rechtswidrig und verlangt, die einschränkenden Bestimmungen aufzuheben. Die Straßenauswahl sei willkürlich. Es komme auch nicht zu Verkehrsbehinderungen. Unfälle habe es auch nicht gegeben.

„Wir lassen keine Sauftouristen auf die Straße“, sagte Hoffmann-Elsässer der Deutschen Presse-Agentur. „Wer nicht nüchtern ist, kommt nicht drauf.“ Nach Kritik an lärmenden, angetrunkenen Gästen auf den Gemeinschaftsrädern, die auch schon mal als rollende Partytheke bezeichnet wurden, hat das 2009 gestartete Unternehmen laut Hoffmann-Elsässer sein Image gewandelt. Die Bierbikes wurden auch in Bigbikes umgetauft.

Für die Touren mit Fahrer - zwei Stunden etwa am Samstag kosten 300 Euro - können bis zu 30 Liter Bier im Fass mitgeordert werden. Der Geschäftsführer spricht von einem „sportlichen Sightseeing“ mit festen Regeln, bei dem dann „auch gern ein gepflegtes Bier getrunken werden kann“.

Ballermann-Image und Belästigung

Berlins Tourismuschef Burkhard Kieker hatte sich schon 2012 dafür ausgesprochen, die Gefährte komplett zu verbieten. Sie förderten ein Ballermann-Image und seien eine Belästigung.

In der niederländischen Hauptstadt Amsterdam sind Touren mit solchen Rädern inzwischen verboten. Es sei nur ein Schritt von vielen, um gegen das Zuviel an Touristen anzugehen, schrieb die „Süddeutsche Zeitung“. (dpa)


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