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Ausflug in den Osten. Der Senat auf Bezirkstour. Foto: Tilman Schröter
© Tilman Schröter

Tour durch Lichtenberg Senat zu Besuch im Traumbezirk

Viele Wohnungen, Kita- und Schulplätze und noch Platz! Auf ihrem Ausflug nach Lichtenberg bekommen die Senatsmitglieder blühende Landschaften präsentiert.


Es war ein harmonischer Tag, den der Senat am Dienstag auf seiner Tour durch Lichtenberg erlebte. Im Dezember waren die Senatsmitglieder bereits in Reinickendorf gewesen, zuvor in Neukölln, jetzt also Lichtenberg. In „angenehmer und konstruktiver“ Atmosphäre habe man sich getroffen, sagte Berlins Regierender Bürgermeister Michael Müller (SPD) nach der Sitzung mit Bezirksbürgermeister Michael Grunst (Linke). Lichtenberg sei ein „boomender Bezirk“.

Viel Wohnungsbau gebe es hier, Kitas und Schulen ebenfalls. Das mache Lichtenberg zu „einem attraktiven Bezirk für Familien“. Lichtenbergs Bürgermeister Michael Grunst (Linke) sprach gar von einer Situation, „die man sich vor einigen Jahren noch nicht hatte erträumen können.“ Man habe zwar noch einige Dinge zu tun. „Wir kriegen das nur gemeinsam gewuppt, aber das geht mit diesem Senat, danke Herr Bürgermeister.“


"Reiseleiter" Grunst (r.) machte Lichtenberg seinen Besuchern schmackhaft. Foto: Tilman Schröter Vergrößern
"Reiseleiter" Grunst (r.) machte Lichtenberg seinen Besuchern schmackhaft. © Tilman Schröter

Um das schöne Lichtenberg-Gefühl bei Müller und seinem Senat zu verstärken, gab Grunst dann den Reiseleiter auf einer Bus-Tour durch den Bezirk – mit dem Regierenden, den Senatoren und Journalisten an Bord. Grunst, mit Müller ganz vorne im Bus, erzählt übers Mikrofon über seinen Bezirk und wirbt unablässig für Lichtenberg. Er will ein Gefühl des Aufbruchs verbreiten. Zwei Drittel des Wohnbestands sei hier in Hand von Genossenschaften. „Das wäre natürlich für ganz Berlin wünschenswert, da wird mir Frau Lompscher sicher zustimmen.“ Und das tut die Bausenatorin dann auch aus den hinteren Busreihen.

Durch die Lichtenberger Hochhausschluchten geht es vorbei an vielen ehemaligen DDR-Platten – und am Zoschke-Stadion, in dem der Fußballverein Lichtenberg 47 beheimatet ist. „Das schönste Stadion in Berlin nach der Alten Försterei“, sagt Union-Fan Grunst. Die Arena des Viertligisten bekomme auch eine neue Flutlichtanlage. „Um es für höhere Ligen fit zu machen! “

DDR-Tristesse zum Anfassen

Erster Stopp der Reisegruppe Lichtenberg ist dann eine Fläche in der Wartenbergstraße auf der das „Zentrum Hohenschönhausen“ entstehen soll. Ein großer Parkplatz, ein Brunnen mit ein paar Bänken drumherum, ein Gebäude mit Kino und zwei Casinos, alles umgeben von Plattenbausiedlungen. DDR-Tristesse zum Anfassen. „Der Standort hat große städtebauliche Defizite“, so beschreibt das Monika Kuhnert von der Stadtentwicklung Lichtenberg. „Der Zustand wird von den Hohenschönhausern beklagt.“ Ein urbanes Zentrum soll hier entstehen, ein städtebaulicher Wettbewerb ist ausgeschrieben. „Wir wollen es hier nett machen“, sagt Kuhnert. Eine attraktive Keimzelle solle es für die Bürger in Hohenschönhausen werden. „Aber wir haben noch nicht so viel in der Kasse, deswegen sprech ich das hier an.“ Das finden alle gut.

Dann geht es wieder zurück in den Bus, den Beteiligten ist kalt, man will zum Mittagessen. Auf der Fahrt erzählt Grunst von der großen vietnamesischen Community in Lichtenberg („ acht bis neuntausend Personen“) und unterhält sich mit Müller über das Tagesgeschehen: Klinsmann, Thüringen, AKK. Auch dafür ist Zeit auf der Tour durch seinen Bezirk. Dann kommt der Mittagsstopp in der Lichtenberger Herzbergstraße.

Streit in der Herzbergstraße

Einen Konflikt zwischen Künstlern und Gewerbe gab es hier noch vor einigen Monaten. Baustadträtin Birgit Monteiro hatte vor zwei Jahren dem Atelierprojekt „Fahrbereitschaft“ eine Strafe angedroht, sollte er nochmal eine öffentliche Ausstellung organisieren. Es ging um eine halbe Million Euro. Die Straße sollte sich nicht zur Kunstmeile entwickeln und das Gewerbe verdrängen. Inzwischen hat Monteiro ihren Rückzug verkündet. Nicht nur, aber auch wegen dieses Streits. Nun stehen hier Räume für Ausstellungen zur Verfügung, die die Reisegesellschaft nach dem Mittagessen interessiert begutachtet. 
Grunst schänkt aber ein: „Potentiell sollen hier Ausstellungen stattfinden.“ Der Bezirk wolle dafür die Voraussetzungen schaffen. Er sagt aber auch: „Kunst und Gewerbe – das ergänzt sich gut.“ Beides zusammen mache die Herzbergstraße aus. Eine Verdrängung des einen durch das andere werde es nicht geben.

Aber da geht es auch schon weiter. Vorbei am alten Hohenschönhauser Zentrum geht es zur ehemaligen Stasi-Zentrale an der Rusche-Straße. Hier soll ein „Campus Demokratie“ entstehen. Im Innenhof stehen Tafeln der Ausstellung „Revolution und Mauerfall“, in Haus 1 der ehemaligen Zentrale ist das Stasi-Museum. Ein Mitarbeiter informiert die Senatsmitglieder über den Stand der Dinge erst draußen auf den Treppen des Informations-Hauses. Dann aber wird dem Regierenden kalt. Man geht also hinein.

Geschichtsstunde. Der Regierende in der früheren Stasi-Zentrale. Foto: Tilman Schröter Vergrößern
Geschichtsstunde. Der Regierende in der früheren Stasi-Zentrale. © Tilman Schröter

Um einige Gebäude und die Entwicklung des Geländes gibt es Diskussionen, der Bund hatte vor Jahren manche Gebäude für einen symbolischen Euro verkauft. Das müsse zum Teil teuer zurückgekauft oder saniert werden, wirft Kultursenator Klaus Lederer (Linke) ein. Der Bund sei hier verantwortlich. Da sind sich dann alle einig. Und es geht wieder zurück zum Bus.

Müller begeistert von Lichtenberg

Das Fazit des Regierenden? Michael Müller ist zufrieden mit seinem Ausflug nach Lichtenberg. „Der Bezirk ist dynamisch und entwickelt sich. Alle haben immer begeistert nach Mitte oder Friedrichshain-Kreuzberg geguckt.“ Jetzt habe man aber mal einen außerstädtischen Bezirk, der sich entwickelt. „Das ist auch interessant für viele, die nach Berlin kommen.“ Und Grunst? Fühlt sich sehr unterstützt in Kultur, Schulpolitik und Stadtentwicklung. Einzige Anmerkung: „Wir haben höflich gesagt, dass auch außerhalb des Rings Leute wohnen.“ Es sei ja schön, dass in Mitte E-Busse fahren. „Aber dann sollen hier bitte keine Busse ausfallen.“ Das aber kann die harmonische Stimmung an diesem Tag nicht trüben.

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