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Eckhard Greiner betreibt das „Theater am Schlachthof“ seit 13 Jahren ohne staatliche Förderung. Foto: Thilo Rückeis
© Thilo Rückeis

Theater am Schlachthof in Friedrichshain Ein Mann für alles

Eckhard Greiner ist Intendant, Regisseur, Schauspieler, Bühnenbildner – und das in seinem eigenem Mini-Theater in Friedrichshain.

Im Dezember, kurz bevor sich das kleine Theater am Schlachthof in Friedrichshain in die nun zu Ende gehende Winterpause verabschiedete, wartete es noch einmal mit einem echten Glanzlicht auf. Greg Cohen, in Berlin lebender Jazzbassist, der auch schon für Größen wie Tom Waits und Lou Reed die Saiten zupfte, gab ein Duo-Konzert zusammen mit dem jungen Pianisten Declan Forde.

Der Bassist, der in seiner langen Karriere schon in den ehrwürdigsten Konzerthallen der Welt aufgetreten ist, hatte sichtbar großen Spaß daran, vor gerade mal 25 Besuchern in einem damit bereits bestens gefüllten Theatersaal aufzutreten, der in Wahrheit eher ein kleiner Raum mit einem Klavier in der Ecke ist. Der Eintritt betrug nur ein paar Euro, für den Wein an der Bar durfte jeder zahlen, was er wollte.

„Wirklich Geld verdient niemand an so einem Abend“, sagt Eckhard Greiner, der das kleine Theater betreibt, in dem er außer zu Schauspiel regelmäßig zu intimen Konzerten im Rahmen seines „Quiet Jazz Clubs“ lädt.

Seit mehr als 20 Jahren lebt der bei Augsburg geborene Greiner in Berlin. Er ist ausgebildeter Schauspieler und war eine Zeit lang auch festes Mitglied im Ensemble eines Kleinstadttheaters. Aber das sei ein harter Job gewesen, der mit künstlerischer Selbstentfaltung nur wenig zu tun gehabt habe, erzählt er in den Räumlichkeiten seiner kleinen Kulturstätte. Und so habe er sich etwas gesucht, wo er freier kreativ sein könne.

In seinem eigenen Theater, das er nun seit 13 Jahren ohne jede Kulturförderung betreibt, kann er sich nun über mangelnde Selbstbestimmung wirklich nicht mehr beschweren. Er ist hier Intendant, Dramaturg, Regisseur, Schauspieler, Bühnen- und Kostümbildner in Personalunion.

Leidenschaft Theater

Den Betrieb eines derart funktionierenden Mini-Theaters muss man sich jedoch auch erst einmal leisten können. Die Räume am Schlachthof gehören Greiner, somit ist er schon mal aus dem Gröbsten raus. „Müsste ich Miete zahlen, wäre ich hier wahrscheinlich schon längst nicht mehr“, sagt er.

Seinen Lebensunterhalt verdient er sich als Krankenpfleger, das Theater sei für ihn reine Leidenschaft, reines Vergnügen. Das er sich zweimal im Jahr für je zwei Monate Spielzeit leistet. Mehr sei nicht drin, sagt er, schon rein zeitlich, eine Familie und zwei Kinder hat der 48-Jährige, der ganz in der Nähe wohnt, schließlich auch noch. Außerdem hat er nebenbei nochmals ein Studium der Linguistik begonnen.

Er sehe sein Theaterprojekt als Reminiszenz an die Goldenen Neunziger in Berlin, eine Zeit, an die er sich gerne zurückerinnere, sagt Greiner. Damals gab es viele nichtkommerzielle Off-Locations in Berlin, vor allem in Mitte und Prenzlauer Berg. Dort, wo längst die steigenden Mieten Dauerthema sind, konnte man sich damals noch ohne ökonomischen Druck kreativ austoben, weil Räume für Zwischennutzungen billig zu haben waren. Heute dagegen fällt einem kaum noch ein Ort ein, der mit dem Theater am Schlachthof vergleichbar wäre.

Originell ist auch das Konzept der Zusammenarbeit, das sich Greiner mit seinem Freund Thilo Höhnel ausgedacht hat. Höhnel macht bei Veranstaltungen im Theater den Einlass und kümmert sich um die Weinbar, im Gegenzug darf er das Theaterfoyer für seine Mathematik-Nachhilfestunden nutzen, die er Studenten anbietet. Mittags Mathe, abends Theater.

Mehr als Selbstverwirklichung

Das Programm zeigt, dass es hier um mehr geht als um Selbstverwirklichung. Greiner lädt auch gerne Bekannte aus der Theaterszene ein, Projekte bei ihm zu verwirklichen und sieht seinen Kulturort als offenes Haus und vor allem als „Volkstheater im besten Sinne“. Das bedeutet für ihn auch sehr viel Kinder- und Familienprogramm, wie beispielsweise die Zaubershow am heutigen Sonntag.

Er verstehe sein Haus auch als Treffpunkt für Leute aus der Nachbarschaft, sagt er. In der aktuellen Spielzeit, die gerade begonnen hat, wird es dementsprechend Theater geben wie das Stück „Schöner Scheitern mit Ringelnatz“, aber kurz vor Ostern das „Eierbemalen nach sorbischer Art“.

Und es wird weitergehen mit dem „Quiet Jazz Club“, dessen Programm ein befreundeter Musikredakteur vom Deutschlandfunk kuratiert. Auch der mache das, weil es ihm Spaß mache und weil er Jazz-Enthusiast sei. Gerade der Auftritt von Greg Cohen habe dazu beigetragen, sagt Greiner, dass sich sein Haus auch in der lokalen Jazzszene einen zumindest kleinen Namen gemacht habe.

Natürlich gibt es auch Krisen. Es komme schon mal vor, dass er in seinen eigenen Räumen auftrete und das Publikum an einer Hand abzählen könne, sagt er. Herkömmliche Theater sind hoch subventionierte Kulturbetriebe, die mangelndes Zuschauerinteresse schon mal einfach so wegstecken können. Greiner scheint da dünnhäutiger zu sein, „manchmal frage ich mich schon, warum ich das hier alles mache“, sagt er.

Zeit für so etwas wie Pressearbeit habe er natürlich auch nicht, weswegen die eigene Webseite manchmal nicht auf dem neuesten Stand ist. „Manchmal läuft es eben etwas chaotisch“, sagt Greiner, „aber am Ende wird das Programm zumindest meistens doch noch ganz toll.“

Nächster Quiet Jazz Club: 13. April, 20 Uhr, nächste Show: "Ostereier malen nach sorbischer Art", Sonntag, 16 Uhr, Hausburgstraße 22, Friedrichshain, www.theater-am-schlachthof.net

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