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Prachtboulevard und Raserstrecke. Der letzte schwere Unfall auf dem Ku'damm aufgrund von Raserei ereignete sich am 31. August. Foto: Paul Zinken/dpa
© Paul Zinken/dpa

Tempo 30 und autofreie Zonen gefordert Bezirkspolitiker wollen Ku'damm-Raser ausbremsen

Nach dem jüngsten schweren Unfall auf dem Kurfürstendamm soll die Bezirksverordnetenversammlung über Maßnahmen gegen Raser und illegale Rennen beraten.

Der Kurfürstendamm soll verkehrsberuhigt und teilweise autofrei werden. Das verlangen Bezirkspolitiker in Charlottenburg-Wilmersdorf als Reaktion auf den jüngsten schweren Unfall, bei dem ein Auto-Raser vor rund sieben Wochen eine Frau lebensgefährlich und ihre Tochter schwer verletzt hatte.

In einem neuen Antrag an die Bezirksverordnetenversammlung (BVV) fordert die SPD-Fraktion einen „Boulevard mit hoher Aufenthaltsqualität“ und ein Tempolimit von 30 km/h. Um Letzteres zu ermöglichen, müsse die Senatsverkehrsverwaltung den Ku'damm „kurzfristig“ von einer Hauptstraße zur bezirklichen Nebenstraße herabstufen.

Sperren sollen Durchgangsverkehr verhindern

„Mittelfristig“ strebt die SPD an, „längere Abschnitte“ im östlichen Bereich, wo die Tauentzienstraße angrenzt, für den Durchgangsverkehr zu sperren. Die Verkehrsverwaltung soll in einem Konzept zeigen, wie dies möglich wäre, ohne Anwohner in Parallelstraßen wie der Kantstraße oder der Lietzenburger Straße einem verstärkten Autoverkehr – und damit einer höheren Lärm- und Luftbelastung – auszusetzen.

Nur für BVG-Busse, Taxis, Lieferwagen sowie Feuerwehr- und Rettungsfahrzeuge und Feuerwehr bliebe der gesamte Kurfürstendamm geöffnet.

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In einem weiteren BVV-Antrag greift die SPD die Ziele einer Petition auf, die Anwohner der Dahlmannstraße gestartet haben. Obwohl diese eine Tempo-30-Zone ist, werde sie von Rasern „als erste Etappe“ für illegale Autorennen auf dem Ku'damm genutzt, heißt es. Das ließe sich mit plateauartigen Aufpflasterungen („Rixdorfer Kissen“) ändern.

Auch andere BVV-Fraktionen schlagen Maßnahmen vor

Einen „autofreien Kurfürstendamm“ wollen auch die bezirklichen Grünen – zunächst in einem befristeten Pilotversuch „auf einer längeren Strecke“. Dieser Antrag wurde bereits im September in die BVV eingebracht.

Die Linksfraktion hat bauliche Maßnahmen gegen Raser gefordert. Die CDU wünscht sich fest installierte Blitzanlagen, mehr Polizeipräsenz, Videokameras zur Verkehrsüberwachung und sowie Sperren, mit denen die „Busspur-Nutzung durch Individualverkehr unterbunden“ werden soll.

Beschlossen ist noch nichts. Den neuesten Vorstoß der SPD wird die BVV in ihrer nächsten Sitzung am 30. Oktober voraussichtlich erst einmal zur Beratung in die Ausschüsse überweisen, wie es bei neuen Anträgen üblich ist.

In einer gemeinsamen Resolution hatten sich alle Bezirksverordneten im September „tief bestürzt“ über den neuesten Unfall gezeigt und das „rücksichtslose Verhalten“ der Raser angeprangert. Die Senatsverkehrsverwaltung wurde aufgefordert, so schnell wie möglich etwas zu unternehmen.

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