So sieht der Radweg am Teltowkanal jetzt aus. Foto: Jörn Hasselmann
© Jörn Hasselmann

Update Teltowkanal-Route Erster Radschnellweg in Berlin erst 2024 fertig

Es dauert. Baubeginn für den ersten Radschnellweg soll erst 2022 sein - und zwar für die Teltowkanalroute. Die anderen Wege kommen noch später.

Es soll schneller vorangehen – für Fahrradfahrer. Und zwar schnell. Elf Radschnellwege sind Teil des Mobilitätsgesetzes, das die rot-rot-grüne Koalition beschlossen hat – vor zwei Jahren. Diese Routen sollen auf eigenständigen Wegen, in Fahrradstraßen oder vom motorisierten Verkehr getrennt in Straßen verlaufen, beleuchtet und mindestens drei Meter breit. Soweit der Plan. Doch jetzt steht fest, dass es länger dauert, als von den meisten Radfahrern gedacht.

Am weitesten gediehen ist das Projekt „Teltowkanal“. Am Donnerstag will Verkehrssenatorin Regine Günther (parteilos, für Grüne) die ersten Pläne für diese Route bei einer „Dialogveranstaltung“ am Donnerstagabend im Rathaus Schöneberg vorstellen. Der Termin ist allerdings bereits ausgebucht. Planer der neu gegründeten Gesellschaft „Infra-Velo“ wollen dort die Machbarkeitsstudie vorstellen, die in den vergangenen Monaten erstellt wurde.

„Machbarkeit“ ist nicht in dem Sinne zu verstehen, ob der Radweg machbar ist, sondern nur wie. Die Teltowkanalroute soll vom Fernbahnhof Südkreuz (Schöneberg) bis nach Zehlendorf führen. Schon jetzt gibt es auf mehreren Teilstücken vergleichsweise vernünftige Radwege, so im Gleisdreieckpark, im Baluschek-Park zwischen Südkreuz und Priesterweg und entlang des Teltowkanals.

Auch Teltow profitiert von der Route

Die Planer von Infra-Velo haben trotz dieser vorhandenen Wege einen breiten Korridor zwischen Zehlendorf und Südkreuz untersucht, auch parallele Straßen wurden auf ihre Eignung untersucht. Infra-Velo schätzt die Kosten grob auf etwa fünf Millionen Euro.

Für die Machbarkeitsstudie wurden die Kosten und der Nutzen miteinander abgewogen. Experten erwarten, dass am Donnerstag eine spezielle Route als Vorzugsvariante präsentiert wird. Sie verläuft von der Wismarer Straße (Zehlendorf) bis Siemensstraße (Steglitz) direkt am Kanal. Durch Wohnstraßen geht es weiter bis Priesterweg, dann durch den Baluschekpark bis zum Bahnhof Südkreuz – so wie der Tagesspiegel es im vergangenen Jahr schon vorgestellt hat. Der Radweg durch den Park ist seit etwa zehn Jahren fertig, sehr breit und sehr glatt asphaltiert. Typisch für Berlin ist, dass die ersten 200 Meter am S-Bahnhof Priesterweg über uraltes Kopfsteinpflaster und Sand führen – ebenfalls seit zehn Jahren. An der Einfahrt steht ein Schild: „Radfahrer bitte absteigen.“

Der Radweg durch den Park ist seit etwa zehn Jahren fertig, sehr breit und sehr glatt asphaltiert. Typisch für Berlin ist, dass die ersten 200 Meter am S-Bahnhof Priesterweg über uraltes Kopfsteinpflaster und Sand führen – ebenfalls seit zehn Jahren. An der Einfahrt steht ein Schild: „Radfahrer bitte absteigen.“

Auch die Wege direkt am Teltowkanal sind teilweise in einem fürchterlichen Zustand, von Wurzeln aufgebrochen, abschnittsweise nur auf grobem Schotter. Hier hätte längst mit wenig Asphalt-Aufwand und großartige Studien viel Sinnvolles geschehen können.
Nicht nur Steglitz-Zehlendorf profitiert von der Route, auch Teltow. Auf der südlichen Seite des Kanals gibt es auf Brandenburger Gebiet von Teltow bis fast zur Wismarer Straße einen guten Radweg.

Bei der Teltowkanalroute ist erst der zweite von sechs Schritten gemacht. Foto: SenVUK Vergrößern
Bei der Teltowkanalroute ist erst der zweite von sechs Schritten gemacht. © SenVUK

Am Donnerstag haben Anwohner und Radfahrer erstmals die Möglichkeit, sich zu den Plänen zu äußern. Denn ohne eine Umverteilung der vorhandenen Flächen zugunsten der Radfahrer wird sich der Weg nicht bauen lassen. Autostellplätze könnten wegfallen, Bäume gefällt werden. Die eigentliche, rechtlich vorgeschriebene Bürgerbeteiligung, kommt später. Die Planer schätzen, dass durch den Schnellweg etwa 1800 Autofahrten pro Tag durch das Rad ersetzt werden.

Bei der Teltowkanal-Strecke ist jetzt Stufe 2 auf der sechsstufigen Bürokratieleiter erreicht, die Machbarkeitsstudie ist fertig. Für jeden Radschnellweg ist nacheinander dies geplant: Potenzialuntersuchung (Stufe 1), Machbarkeitsstudie (2) Entwurfsplanung (3), Planverfahren (4) und Baubeginn (5). Gefeiert wird dann Stufe 6: die Eröffnung. Für die Planung veranschlagt die Verkehrsverwaltung 30 Monate, für den Bau 18 Monate. Macht 48 Monate, also vier Jahre. Heinrich Strößenreuther, Initiator des Volksentscheids Fahrrad, kommentierte so: „2022 Baubeginn, wird also 2024. Zwei Jahre Bauzeit, realistisch in Berlin vier Jahre. Also 2028 der 1. Radschnellweg fertig. Bis 2030 sollen 100 km Radschnellwege fertig, utopisch.“

Personalmangel bei Planungsbüros

Verzögern könnte sich der Bau zum Beispiel durch Klagen, weil am Teltowkanal Bäume gefällt werden müssen. Die erste Schnellstrecke ist also im besten Fall 2024 fertig – dann amtiert bereits ein neuer Senat.

Als nächstes sollen die Machbarkeitsstudien für die Y-Trasse von Neukölln nach Südosten/Schönefeld und für die "Krone" entlang der Avus und Königsweg bis nach Potsdam fertig werden.

Dass die elf Radschnellwege zeitlich gestaffelt angegangen werden, erklärt die Verkehrsverwaltung mit knappen Personal bei den beauftragten externen Planungsbüros. Bei der Senatseigenen Gesellschaft Infra-Velo sind nach Angaben von Katja Krause derzeit 24 Stellen besetzt, bis Ende des Jahres 2019 sollen es 37 Stellen sein.

Insgesamt elf Radschnellwege sind geplant. Der Baubeginn soll für alle zwischen 2022 und 2024. Wie berichtet, sollen Radler auf den speziell für sie angelegten Schnelltrassen mit möglichst wenig Stopps vorankommen.

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