Mindestens 17 000 Teilnehmer wie 2017 erwarten die Veranstalter zum diesjährigen Zug der Liebe. Foto: Wolfgang Kumm/dpa
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Techno-Parade in Berlin Noch einmal in den Zug der Liebe einsteigen

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Der Zug der Liebe startet am 25. August mit 15 Techno-Trucks. Die Veranstalter sind sich „ziemlich sicher“: Es wird der letzte sein.

Aktuelle Wetterprognosen sagen, dass uns der Spitzensommer noch mindestens bis Ende August erhalten bleibt. Gute Aussichten also für den nächsten Zug der Liebe am 25. August. Naturgemäß wird die Techno-Veranstaltung bei strahlendem Sonnenschein ein größerer Erfolg als bei Regen. Besser für das Soll-und-Haben-Konto der Veranstalter wäre ein astreines Hoch über Berlin auch. „Im vorigen Jahr war wegen des schlechten Wetters unsere After-Party eher schlecht besucht“, sagt Jens Schwan, Hauptorganisator des Umzugs, „deswegen machten wir richtig Miese.“

Geld darf nicht verdient werden

Der Zug der Liebe ist übrigens eine politische Demonstration. Das bedeutet: Geld darf damit nicht verdient werden. Und auch im vierten Jahr ihres Bestehens wird die Parade wieder frei von Sponsoren sein. Allein die After-Party ist kommerziell, hier soll das nötige Kleingeld hereinkommen, mit dem der Umzug finanziert wird.

Allerdings ist die Finanzierung des Umzugs dieses Mal sowieso weniger prekär als in den vorigen Jahren. Eine Crowdfunding-Kampagne hat etwas über 9000 Euro gebracht und das Musicboard unterstützt die After-Party mit weiteren 18 000 Euro. Nachwuchs- und Frauenförderung bei den DJs habe dem Zug der Liebe diese Finanzierungshilfe aus einem Geldtopf des Senats eingebracht, sagt Schwan. Dennoch werde der Zug der Liebe 2018 wahrscheinlich das letzte Mal statt finden. „Das habe ich nach dem ersten Umzug zwar auch schon gesagt“, aber dieses Mal sei er sich „relativ sicher“, dass er einen Schlussstrich ziehen werde. Der 46-jährige Online-Redakteur und seine beiden Mitveranstalter seien allesamt ehrenamtlich tätig und die ganze Organisation sei neben ihren Vollzeitjobs kaum noch zu stemmen. Derzeit sei er immer noch damit beschäftigt, handgeschriebene Liebesbriefe als Dankeschön an Spender bei der Crowdfunding-Kampagne zu verfassen.

17.000 Besucher im vergangenen Jahr

Dabei ist der Zug der Liebe eigentlich eine echte Erfolgsgeschichte. Zu den bisherigen Umzügen kamen zwar nie so viele wie bei der Loveparade in ihren besten Zeiten. Aber nach dem Desaster 2010 in Duisburg, wo bei dem Techno-Umzug mehrere Menschen starben, war es nicht selbstverständlich, dass so eine Parade überhaupt noch einmal funktionieren würde. Beim Zug der Liebe nahmen im vorigen Jahr nach Polizeiangaben immerhin 17 000 Besucher teil, und mit mindestens so vielen rechnet Jens Schwan auch in diesem Jahr. Dass die Demo „AfD wegbassen“ Ende Mai so erfolgreich verlief und so viele Teilnehmer hatte, habe letztlich auch etwas mit dem Zug der Liebe zu tun, glaubt Schwan: „Da kann mir niemand erzählen, dass wir nicht ein Vorbild für die waren.“

Als politisch verstand sich der Zug der Liebe von Beginn an. „Friede, Freude, Eierkuchen“, das erkannte man, reicht in Zeiten von Pegida und Co. nicht mehr als Leitmotiv wie einst bei der Loveparade. Reiner Hedonismus erschien als nicht mehr zeitgemäß. Ziel sei es deswegen von Beginn an gewesen, Partyspaß und politisches Bewusstsein irgendwie zusammenzubringen. „Die Raver sollen sich engagieren für etwas, das ihnen wichtig ist, spenden, ihren Arsch hochkriegen, auf Deutsch gesagt“, sagt Jens Schwan. Und dafür sei seine Form des Umzugs genau die richtige. „Es ist ganz einfach: Ohne Musik kommen zu so einer Demo vielleicht 5000 Leute, mit Musik viermal so viele.“

Ein besseres Leben herbeitanzen

Was beim Zug der Liebe etwas schwierig erscheint, ist der Wust an Themen, für den hier auf die Straße gegangen werden soll. Als „Demonstration für mehr Mitgefühl, mehr Nächstenliebe und soziales Engagement“ geht man in diesem Jahr wieder an den Start. Man spricht sich aus gegen Gentrifizierung, für die Erhaltung der Clubkultur und von Grünflächen. Träger von der Berliner Obdachlosenhilfe bis hin zum Tierschutzverein werden mit Techno-Trucks präsent sein. Man möchte hier also ein irgendwie besseres Leben herbeitanzen. Die politische Kraft, die so ein schlichtes „AfD wegbassen“ entfalten konnte, wird man mit diesem Mix wohl nicht erzeugen können.

Der Zug der Liebe mit 15 Techno-Trucks, auf denen viele DJs der Berliner Szene auflegen, sammelt sich am 25. August um 13 Uhr im Treptower Park am Sowjetischen Ehrenmal, zieht durch Kreuzberg und Friedrichshain und endet in der Frankfurter Allee. Die After-Party wird im Lichtenberger Club Polygon ab etwa 21 Uhr steigen.

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Der Zug der Liebe im Netz: zugderliebe.org

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