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Demonstration der Streikenden aus Charité und Vivantes-Kliniken. REUTERS/Annegret Hilse
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Update Tarifkampf an Charité und Vivantes In Berlins landeseigenen Krankenhäusern streiken Pflegekräfte bis nächste Woche

Pflegekräfte aus Charité und Vivantes-Kliniken legen auch zur Wahl die Arbeit nieder. SPD-Landeschefin Giffey spricht Dienstag mit den Streikenden.

An Berlins landeseigenen Krankenhäusern wird über den Wahlsonntag hinaus gestreikt. Die Verdi-Verhandler und die Klinik-Personalchefs brachen die Gespräche in der Nacht zu Sonnabend vorerst ab. Mindestens bis Montag befinden sich Pflegekräfte, Hebammen sowie Reinigungs- und Küchenpersonal nun noch im Arbeitskampf – in Charité und Vivantes-Kliniken rechneten viele damit, dass es vor der Wahl zur vorläufigen Einigung kommen werde.

An der Universitätsklinik wird noch am Wochenende verhandelt, bei Vivantes am Montag. Die Gewerkschaft hatte vor mehr als zwei Wochen zu einem unbefristeten Streik aufgerufen. Tausende planbare Eingriffe haben Ärzte der Charité und der Vivantes-Häuser verschoben, mehr als 1200 der insgesamt fast 9000 Betten wurden gesperrt.

Verdi fordert einen „Entlastungstarifvertrag“, also verbindliche Personalquoten für alle Stationen. Bislang wurde klinikintern davon ausgegangen, dass ein solcher Tarif bis zu 15 Prozent mehr Personal erforderlich macht: Das wären pro Klinikkonzern Hunderte neuer Fachkräfte.

Nun veröffentlichten die Krankenhaus-Leiter konkretere Zahlen: Demnach zöge die Verdi-Forderung an der Charité in drei Jahren 1200 zusätzliche Vollzeit-Pflegekräfte nach sich, im größeren Vivantes-Konzern sogar 2800. Die Charité teilte mit, trotz bundesweiten Fachkräftemangels habe man 700 neue Stellen angeboten und sei „an die Grenze des Machbaren gegangen“.

Verdi kritisierte, die Charité-Spitze schlage immer noch vor, eine Pflegekraft auf der Normalstation solle nachts bis zu 20 Patienten betreuen – was „nicht akzeptabel“ sei.

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Bei Vivantes geht es neben der Pflege um die Tochterfirmen. Für das dortige Reinigungs- und Küchenpersonal fordert Verdi den Tarifvertrag des öffentlichen Dienstes (TVÖD). Der Vivantes-Vorstand teilte mit, man habe erfolglos ein 47-Millionen-Euro-Paket angeboten, um die 1250 Beschäftigten, die bislang ohne TVÖD arbeiten, in den höheren Tarif zu führen. Vivantes betreibt Kliniken, Heime und einen Pflegedienst und hat 2020 trotz Sonderzuschüssen mit 30 Millionen Euro Verlust abgeschlossen.

Am Dienstag wollen sich die Streikenden zu einer Konferenz treffen. Nach Tagesspiegel-Informationen wird auch SPD-Spitzenkandidatin Franziska Giffey erwartet. Nach aktuellen Umfragen hieße das: Die Wahlsiegerin käme zu den Pflegekräften.

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